| [ aus: So oder So - Die Libertad!-Zeitung
Nr. 15 - Mai/Juni 2005 ]
Die Wiederwahl von George W. Bush hat den bisherigen aggressiven
Kurs us-amerikanischer Politik bekräftigt. Dies macht
sich auch in einigen der Personalentscheidungen fest, die
seitdem getroffen wurden.

Bush in der Geheimdienstzentrale der CIA in Langley/Virginia
Sicherheitsberater Elliot Abrams
Zu seinem neuen Nationalen Sicherheitsberater ernannte Bush
Elliot Abrams. Für den "weltweitem Kreuzzug für
Demokratie" und das "Bündnis der Freiheit gegen
die Tyrannei in unserer Welt", wie Bush bei seiner Rede
zur Lage der Nation am 2. Februar betonte, ist Abrams genau
der richtige Mann.
Unter der Reagan-Administration machte er im Außenministerium
Karriere. Als Leiter des Menschenrechtsbüros, wie auch
später als Staatssekretär im Außenministerium
für interamerikanische Angelegenheiten, stützte
er die us-freundlichen Militärdiktaturen. Die Massaker
in El Salvador, begangen von us-trainierten Einheiten, leugnete
er und erklärte sie zu kommunistischen Erfindungen. Auch
die Verwicklung der Todesschwadrone in die Ermordung des Erzbischofs
Oscar Arnulfo Romero stritt er ab, obwohl die USA darüber
genau informiert waren. Von seinem Posten aus verteidigte
und organisierte Abrams den schmutzigen Krieg. Insbesondere
spielte er eine zentrale Rolle beim Aufbau des geheimen Netzwerkes
zur Finanzierung der Kontras gegen die Sandinisten in Nicaragua.
Als der US-Kongress kein Geld mehr bewilligte, wurde der Kontra-Krieg
durch illegale Waffenverkäufe in den Iran finanziert.
Um einer strafrechtlichen Verfolgung und möglichen Inhaftierung
zu entgehen, bekannte sich Abrams schuldig, wurde aber bald
darauf von Bush, dem Vater, zusammen mit anderen aus der Iran-Kontra-Connection
begnadigt. Für knapp ein Jahrzehnt bekleidete er kein
Staatsamt, sondern war bei rechten Denkfabriken untergekommen,
bevor ihn Bush, der Sohn, bei seinem ersten Regierungsantritt
in den Nationalen Sicherheitsrat berief. Dort soll Abrams
u.a. in den Staatsstreich gegen Venezuelas Präsidenten
Hugo Chavez im April 2002 verwickelt gewesen sein und sich
mit den Drahtziehern des Putsches getroffen haben.
Eigentlich war er im Sicherheitsrat für "Nahost
und Nordafrika" zuständig. Als Freund der Palästinenser
tat er sich dort nicht hervor, außer man hält Positionen
wie die, Washington solle "nicht die Errichtung eines
palästinensischen Staates zulassen, der nicht ausdrücklich
die US-Politik in der Region verfolgt" für propalästinensisch.
Aus Sicht der US-Administration ist Abrams zum Nationalen
Sicherheitsberater durch seine langjährige Verstrickung
in illegale Kriege und Staatsstreiche und seine Nähe
zu Todesschwadronen prädestiniert. Was früher geheim
war, ist heute Regierungspolitik.
Nationaler Geheimdienstkoordinator John Negroponte
In diesem Kontext ist auch die nächste Nominierung durch
Präsident Bush zu verstehen. John Negroponte wurde zum
Nationalen Geheimdienstkoordinator der USA ernannt. Dieses
neugeschaffene Amt soll die fünfzehn zivilen und militärischen
Nachrichtendienste im "Krieg gegen den Terrorismus"
zentralisieren und koordinieren.
Auch Negroponte kommt aus der Connection, die in den 1980er
Jahren in Mittelamerika den schmutzigen Krieg gegen die Befreiungsbewegungen
organisierte. Als US-Botschafter in Honduras 1981 bis 1985
war er an verdeckten Operationen der CIA beteiligt und spielte
eine führende Rolle im "Kontra"-Krieg gegen
Nicaragua. Später wurde er zum US-Botschafter bei den
Vereinten Nationen ernannt. Herausragend dort seine Interventionen
zur Vorbereitung des Krieges gegen den Irak durch Präsentation
gefälschter Beweise für die Existenz von Massenvernichtungswaffen.
Nach Installierung der irakischen Übergangsregierung
übernahm Negroponte im Juni 2004 die Leitung der amerikanischen
Botschaft in Bagdad.
Die tatsächliche Funktion kann wohl eher mit der eines
kolonialen Prokonsuls beschrieben werden.
Die Schaffung des Amts eines Nationalen Geheimdienstkoordinators
(NID) ist Teil der Umstrukturierung der US-Geheimdienste.
Die "überparteiliche Kommission" zur Untersuchung
der Anschläge vom 11. September 2001 konstatierte ein
"Versagen der Geheimdienste"; das neue Amt ist eine
der zentralen Schlussfolgerungen des Berichts. Der NID soll
in Zukunft den Haushalt der verschiedenen Dienste kontrollieren.
Aufsicht hat er auch über das Nationale Zentrum für
Gegenterrorismus. Dieses Zentrum darf nicht nur spionieren,
sondern auch verdeckte Operationen anordnen. Damit ist auch
das Verbot aufgehoben, das es den militärischen Geheimdiensten
und der CIA untersagt, im Inland zu operieren.
Mit Negroponte übernimmt auch diesen gewaltigen Geheimpolizeiapparat,
der mit Sondervollmachten und Mitteln ausgestattet ist, der
richtige Mann.
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