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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 15 - Mai/Juni 2005 - Seite 7
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Let's go.to/online-demo
[ Inhalt Nr. 15.]


SO ODER SO - EXTRA ZUM PROZESS GEGEN LIBERTAD! WEGEN DER ONLINE-DEMONSTRATION GEGEN LUFTHANSA 2001

[ aus: So oder So - Die Libertad!-Zeitung Nr. 15 - Mai/Juni 2005 ]

"Die Bewegungsweise einer Information ist nicht identisch mit der Bewegungsweise einer Auseinandersetzung. Ist das erste vielleicht auch eine Frage der Menge und Geschwindigkeit, ist das zweite vor allem eine Frage der Tiefe und praktischen Orientierung."

Vor Jahren plakatierte der inzwischen längst verblichene linksradikale Mailboxverbund Spinnennetz diesen Satz. Er hat seine Aussagekraft über die Jahre nicht verloren. Das Gegenteil ist der Fall. Die Geschwindigkeit, mit der uns Informationen über Ereignisse und Aktivitäten - der Linken, mehr noch aber über die unterdrückerischen Maßnahmen der verschiedensten Staatsapparate rund um den Globus - vorliegen, ist realtime. Nahezu alles ist heute erfahrbar, soweit es elektronisch verfügbar ist. Das hat unsere Wahrnehmungsweise verändert, nicht aber unbedingt unsere Praxis. Wie nie zuvor entlarvt sich der Vorbehalt, es müssten erst mehr Infos vorliegen, bevor etwas zu machen wäre. Denn an schnellen Meldungen mangelt es nicht, auch nicht an einer Fülle von Hintergrundinformationen. Es ist alles da - es kommt aber immer noch darauf an, was wir aus den Nachrichten machen. So ist Information nichts, wenn sich aus ihr keine Konsequenzen ergeben. Und so sind es die Mühen realer Aktivität, das Planen, Agitieren und Organisieren, aus denen alles entspringt.

Als Geisterfahrer auf der Datenautobahn fühlen wir uns nicht, wenn wir die Online-Demonstration gegen das deportation.business propagieren. Das Internet hat sich längst als öffentlicher Raum etabliert. Dort werden Geschäfte gemacht, Kriegspropaganda betrieben, Ideologie produziert - alles wie in der wirklichen Welt auch. Ein öffentlicher, aber kein freier Raum, wie die Straße nicht uns gehört, sondern sie immer wieder erobert werden muss. Das Internet ist schon jetzt für uns ein Medium der gegenseitigen Information, der Vernetzung von Aktions- und Solidaritätsgruppen, der Verabredung zur gemeinsamen Praxis. Mumia Abu Jamal, Chiapas, Seattle, Prag oder auch Porto Alegre stehen als Namen und Orte für einen zunehmend weltweit sich elektronisch vernetzenden Widerstand, der sich im virtuellen Raum verständigt um real zu handeln.

Mit der ersten Online-Demo in Deutschland gehen wir einen Schritt weiter. Im Internet kollektiv solidarisch handeln gegen staatlichen Rassismus und Menschenmisshandlung, eröffnet, wie wir hoffen, neue Aktionsformen, die auch zu ganz anderen Anlässen und anderen Zwecken zur Wirkung kommen können. Denkbar sind ähnliche Proteste gegen Firmen, die sich beispielsweise weigern Zahlungen an NS-Zwangsarbeiter/innen zu entrichten oder ihren Profit mit der Produktion von Überwachungs- und Repressionstechnologien erwirtschaften. Auch wenn der Online-Protest in seiner Materialität nicht zu fassen ist, kann er durchaus handfeste Folgen haben. Trotz der Symbolik bleibt der reale Ausgangspunkt die Teilnahme vieler. Um die Simulation einer Realität geht es dabei nicht, sondern den virtuellen Raum mittels massenhaftem und realem Protest zu nutzen - um in die herrschenden Verhältnisse zu intervenieren. Und die sind ebenfalls alles andere als virtuell. (...) Die neuen "Sitzblockaden" auf dem Datenhighway machen also Sinn und können eine politische Wirkung haben. Nur eins sind sie nicht: Ersatz für den Protest in der harten Realität der herrschenden Verhältnisse. Wenn geglaubt wird, dass der Mausklick im Internet die Anstrengung des offline-Aktivismus ersetzt, wird die Form zum Inhalt und erliegt der gute Gedanke der Verblendung der Simulationsindustrie.

Denn kein Mausklick macht satt, keine Internet-Blockade ersetzt die reale Demontage der Herrschaft. In diesem Sinne: let's go.to/online-demo ist eine unserer Kampagnen. Eine andere versucht Solidarität und Unterstützung mit dem Hungerstreikkampf der politischen Gefangenen in der Türkei zu organisieren. Am 19. Dezember (2000) wurden innerhalb weniger Stunden 28 Gefangene massakriert, als türkische Militärs ihre eigenen Gefängnisse stürmten und hunderte Gefangene in Isolationszellen verschleppten. Die Bilder rauchender Knäste waren auf allen türkischen Kanälen online. Und der Hungerstreik geht weiter ... Das ist die hardware...

Diesen kurzen, hier leicht gekürzten, Text schrieben wir für die deportation.class-Zeitung 2001
Die andiskutierten Fragen halten wir nach wie vor für aktuell, auch und gerade angesichts des Prozesses gegen uns.

[ © So oder So / Libertad! Falkstr. 74, 60487 Frankfurt ]


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:18
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