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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 14 - Herbst 2004- Seite 14
Schlagzeilen aus Afrika
Peacekeeping-Training
[ Inhalt Nr. 14.]

1884 - vor 120 Jahren fand in Berlin die sog. Kongo-Konferenz statt, in der Afrika aufgeteilt wurde. 1904 - vor 100 Jahren wurde der Herero-Aufstand im damaligen Deutsch-Südwestafrika niedergemetzelt. Aus diesem Anlass findet vom 11.-17.11.04 die Anticolonial Africa Conference in Berlin statt. (Infos: www.africa-anticolonial.org). Ein Anlass, einige Schlagzeilen aus dem aktuellen Afrika aufzulisten und einen Blick zurück auf einen der Anfänge internationaler Solidarität im Nachkriegs(west)-deutschland zu werfen.

Foto: Flüchtlingslager Calamocarro in Ceuta
Ein Junge im Flüchtlingslager Calamocarro in Ceuta (spanische Enklave in Marrokko).

 

Freitagsdemos in Mozambique

Ehemalige so genannte Vertragsarbeiter aus Mozambique, die bis zu ihrer Ausweisung durch die Bundesregierung 1990 in der Ex-DDR arbeiteten und lebten, fordern von ihrer Regierung einbehaltene Lohn- und Rentenzahlungen. Mit einer fünftägigen Besetzung der Deutschen Botschaft im Juli machten einige von ihnen auf ihre Forderungen aufmerksam, wegen denen sie bereits seit Jahren jeden Freitag demonstrieren.
Die Regierung in Maputo lässt derweil auf die so genannten Madgermanes einprügeln und mit Gummigeschossen auf sie schießen, was bisher ein Menschenleben gekostet hat.

In Folge des 1979 geschlossenen Freundschaftsvertrages zwischen der DDR und Mozambique arbeiteten bis zu 20.000 Arbeiter aus Mozambique in der DDR. Mit dem Vertragsarbeiter-Programm sollten unter anderem auch Schulden Mozambiques bei der DDR abgebaut werden.
Ein Teil der Löhne wurde auf Regierungskonten in Mozambique überwiesen, wo es offensichtlich verschwand. Nach Angaben der Organisation der ehemaligen Vertragsarbeiter wurden ihnen so 300 Millionen Dollar vorenthalten.


Unsicherheit in Kenia

Anfang August kehrte einer der bekanntesten afrikanischen Schriftsteller, Ngugi wa Thiong'o, nach 22 Jahren Exil zu einer Lesetour in sein Heimatland Kenia zurück. Eineinhalb Jahre lang hat er für diese Entscheidung die Vorgänge in Kenia beobachtet, in dem 2002 ein Regimewechsel stattfand. Unter Präsident Daniel arap Moi wurde Thiong'o verfolgt, seiner Arbeitsmöglichkeiten beraubt und schließlich inhaftiert.
Nur zwei Wochen nach seiner Ankunft in Kenia überfielen vier mit Messern und Schusswaffen ausgerüstete Männer Ngugi und seine Ehefrau Njeeri. Während diese innerhalb einer Stunde mehrmals vergewaltigt wurde, prügelten die Männer mit Pistolen auf Ngugi ein und drückten Zigaretten auf seiner Stirn aus.
Der Überfall geschah nachts in einem sonst streng bewachten Appartment-Haus. Die Polizei ist nicht in der Lage zu klären, wieso die Täter das Gelände ungehindert betreten konnten. Die Begründungsversuche für den Überfall reichen von „Sie wollten Geld“, über Mutmaßungen bezüglich alter Familienfehden bis hin zur alten Moi-Regierung als Drahtzieher.


Gedenken in Namibia

Im August 1904 schlugen deutsche Kolobialtruppen den Aufstand der Hereros im damaligen Deutsch-Südwestafrika nieder: 75 Prozent des Herero-Volkes und 50 Prozent des Nama-Volkes wurden ermordet.

Grafik: Kongo-Konferenz in Berlin
Die Berliner Congo-Konferenz 1884.

Über das ganze Jahr 2004 erstreckten sich verschiedene Gedenkveranstaltungen, die im Januar mit dem Erinnern an den 100 Jahre zurückliegenden Herero-Aufstand begannen. Bundesdeutsche Politiker/innen gaben sich dabei die Klinke in die Hand und bemühten sich gleichermaßen, keine Worte der Entschuldigung über ihre Lippen kommen zu lassen. Entschuldigung, das ist entschädigungsrelevant. So ergeht man sich in unverfänglicher verbaler Anteilnahme und dem Bedauern im „Sinne der Versöhnung“ und dem Bekenntnis „zu unserer kolonialen Schuld“ (Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul), und Joschka Fischer empfand ganz unverbindlich „Tiefes Bedauern“ und „Tiefen Schmerz“.

Denn: Man hat sich hierzulande gegen eine Sammelklage der Nachkommen der überlebenden Herero über zwei Milliarden US-Dollar Wiedergutmachung zu wappnen.
Auch 100 Jahre nach dem Völkermord befindet sich der größte Teil des Herero-Landes im Besitz deutscher Farmer, 80 Prozent des Farmlandes ist in den Händen Weißer. Die Regierung Namibias hat eine Landreform in Angriff genommen, in deren Verlauf Farmland aufgekauft, und an Bauern verteilt werden soll.


Bürgerkrieg in Sudan

„Wir werden nicht ruhen. Wir werden weiterhin Druck ausüben“, meint US-Außenminister Colin Powell angesichts seiner Interpretation der Vorgänge im Sudan. Dabei liegt der Sudan genau auf dem Weg, auf dem die US-Regierung ihren Krieg gegen den Terrorismus beschreitet; wenn auch nur als kleines Fleckchen, aber trotzdem.
Schon lange wird der sudanesischen Regierung unterstellt, sie habe Osama bin Laden Schutz gewährt, der seinerseits den Sudan finanziell unterstützt habe.
„Sudans Islamisten gewähren fanatischen Glaubensbrüdern aus Algerien, Tunesien und Palästina Zuflucht“, wusste der Spiegel 1995 zu berichten.
Drei Jahre später ließ die US-Regierung eine Produktionsstätte für Medikamente platt bomben und behauptete, es sei eine Giftgasfabrik gewesen. Von einer Entschuldigung oder gar Wiedergutmachung für die Familien der über 300 Opfer unter den Beschäftigten ganz zu schweigen.

Was passiert eigentlich wirklich in Darfur? Jenseits vom Opferzählen – um den Krieg nur einigermaßen zu verstehen, muss man wissen, dass die Auseinandersetzungen mit einem bewaffneten Konflikt zwischen Regierung und Rebellen begannen, die in Zusammenhang mit dem Befreiungskampf im Süden des Landes stehen. Dabei die „Guten“ und die „Bösen“ unter den Kriegspartein orten zu wollen wird genauso vergeblich sein wie sie bei den Taliban oder der Nordallianz in Afghanistan zu suchen. Am Ausgangspunkt dieses Krieges steht die Verfügungsgewalt über Bodenschätze, nicht zuletzt Öl. Diese befinden sich im Süden des Landes, und werden über den Norden vermarktet.

„Wir müssen Afrika aus der Sicherheitsperspektive betrachten“, meinte Paul Wolfowitz Anfang des Jahres. Dabei geht es – wie gehabt – um die Sicherheit westlicher Firmen beim Profitmachen. Und wenn sich westliche Medien in ihrer Berichterstattung auf Angaben von Hilfsorganisationen beziehen, und eine dieser Organisationen US-AID heißt, ist es wichtig zu wissen, dass diese Organisation dazu neigt, der US-amerikanischen Industrie Breschen zu schlagen.


Sicherheit in Afrika

In Evian hatte man sich letztes Jahr darauf geeinigt, dass die G8-Staaten unter dem Motto „Sicherheit und Stabilität in Afrika“ eine eigene Eingreiftruppe für Afrika aufbauen werden.
Im Januar diesen Jahres bereiste Kanzler Schröder Afrika, wo er mit Kenia eine Geheimdienstkooperation vereinbarte und in Ghana das mit deutscher Unterstützung entstandene „Internationale Kofi Annan Peacekeeping-Trainingszentrum“ eröffnete, in dem „die praxisorientierten Lehrgänge für zivile Fachleute, Soldaten und Polizisten neues Denken und neues Handeln im Sinne einer umfassenden Friedens- und Stabilitätssicherung fördern können.“ (Schröder).
Das „Trainingszentrum“ wird Teil einer von Europa unterstützten eigenen afrikanischen Eingreiftruppe sein, deren Zustandekommen 50 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union vereinbarten.
Auf verschiedensten Ebenen laufen die Bemühungen, das Auseinanderbrechen staatlicher und sozialer Ordnung auf dem afrikanischen Kontinent zumindest soweit zu dirigieren, dass westlichen Interessen keine größeren Hindernisse entgegenstehen. Mit einer dauerhaften Befriedung der zahlreichen Konflikte ist nicht zu rechnen – von einer Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit ganz zu schweigen. Auch wenn Außenminister Fischer meint, es „obliegt (den afrikanischen Regierungen), ihre Staaten in der multipolaren Welt neu zu positionieren und zu glaubwürdigen Partnern zu werden.“

Reale Chancen auch nur zu einigermaßen gleichberechtigten Partnerschaften bekommen die afrikanischen Regierungen in Zeiten neoliberaler Globalisierung indes nicht. Die neokolonialen Profite resultieren aus der freien Ausbeutung billiger Arbeitskräfte, die durch IWF, Weltbank, WTO und OECD vertraglich ermöglicht wurde. „Strukturanpassungsmaßnahmen“ nannte sich das, was sich letztlich als Munition herausstellte, den afrikanischen Kontinent für die Multis sturmreif zu schießen.

Die Folgen dieser Politik, Armut, Destruktion, Warlordisierung, die Zerstörung von Lebensgrundlagen und Massenvertreibungen müssen irgendwie gemanagt werden. Kongo, Uganda, Ruanda, Elfenbeinküste, Liberia, Sierra Leone... als Söldner an der Seite eines der zahlreichen Kriegsherren, hat sich in vielen afrikanischen Regionen als eine Überlebensstrategie entwickelt nach dem Motto, wer eine Waffe trägt, hat die Kontrolle. Süd- und Ostafrika gelten als Regionen mit der höchsten Waffendichte weltweit. Noch eine weitere interessante Komponente in diesem Zusammenhang: In den letzten Jahren haben die USA, Großbritannien und Frankreich mehr Geld an Waffenexporten nach Afrika, Asien, Lateinamerika und den Nahen Osten verdient, als sie diesen Ländern als Entwicklungshilfe zur Verfügung stellten.


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:18
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