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Letztlich
landete ich in einer Bar im Kosovo, in der ich eingesperrt
und zur Prostitution gezwungen wurde. Ich wurde nie bezahlt,
ich durfte nicht alleine ausgehen. Ich musste immer hauchdünne
Kleider tragen, auch bei kaltem Wetter... Ich wurde dazu gezwungen,
internationalen Soldaten und Polizisten zu Diensten zu sein...
(Frau aus Moldawien, alleinerziehend, 21 Jahre alt)
Es war die Vergnügungsindustrie für US-amerikanische
Soldaten während des Vietnam-Kriegs ab den 1960er Jahren,
die den Sextourismus in der Region begründete. Während
der Kriege in Vietnam und Korea wurden riesige Recreation
Areas geschaffen, in denen einheimische Unterhalterinnen
für das Wohl der Soldaten sorgten. Die Strukturen aus
den Kriegszeiten bestehen immer noch, damals befriedigten
sie die sexuellen Bedürfnisse der US-Soldaten, heute
bedienen sie die Sextouristen. Die Organisation Femmes de
Terre beklagt seit Jahren, dass erst mit dem Einzug der US-Truppen
die Kinderprostitution in der Region ihren Einzug hielt. Aber
nicht nur die Krieger, sondern auch die vorgeblichen Helfer
in Diensten der UN-Agenturen und Hilfsorganisationen fördern
die Prostitution erheblich. Mit dem Beginn des UN-Mandats
stieg in Kambodscha die Zahl der Prostituierten innerhalb
kurzer Zeit von 6.000 auf mehr als 20.000. Blauhelm-Einsätze
in Afrika werden auch aufgrund der Gefahr hoher HIV-Infektionsraten
bevorzugt an Staaten der Dritten Welt vergeben. Besonders
gravierend und symptomatisch sind jedoch die Auswirkungen
des UN-Einsatzes auf das Prostitutionsgeschäft in Bosnien
und im Kosovo. Seit in den post-jugoslawischen Kriegsgebieten
in Bosnien und im Kosovo NATO-Soldaten, UN-Funktionäre
und Hilfsorganisationen eingesetzt sind, haben sich Prostitution
und Frauenhandel zu einem blühenden Wirtschaftszweig
entwickelt.
In Südost-Europa werden Zehntausende junge Frauen und
Mädchen in sklavenähnliche sexuelle Ausbeutungsverhältnisse
gepresst. So lautet das Ergebnis einer breit angelegten Studie
des UN-Kinderhilfswerks (UNICEF), der OSZE und des UN-Kommisariats
für Menschenrechte. Die Gründe dafür liegen,
so das Ergebnis der Untersuchung, unter anderem an der EU-Einwanderungspolitik,
den marktwirtschaftlichen Reformen in der Region und der Verschlechterung
der Lebensbedingungen durch Krieg, Flucht und Migration. Auch
sei die allgemeine Arbeits- und Perspektivlosigkeit in Ost-
und Südosteuropa mitverantwortlich. Hinzukommen die gut
bezahlten Internationalen, die in den 1990er Jahren
zu Tausenden auf dem Balkan Einzug hielten. Jährlich
werden laut Schätzungen 120.000 Frauen und Kinder aus
Ost- und Südosteuropa in die Europäische Union verkauft.
Viele der Frauen kommen jedoch nie in der EU an, sondern enden
in den Bordellen der UN-Protektorate Bosnien-Herzegowina und
Kosovo.
Bordellbesuche mit UN-Mandat
Der UN-Entwicklungsfond für Frauen (UNIFEM) berichtete
bereits 1990 über die Bordelle in der Umgebung der KFOR-Camps.
Die Mehrheit der Freier waren KFOR-Soldaten aus den USA, Deutschland,
Italien und Frankreich. Im Juli 2001 wurden erste Anschuldigungen
laut, dass die Internationalen aktiv am Frauenhandel
beteiligt waren. Kathy Balkovac, eine ehemalige UN-Menschenrechtsermittlerin
und zu diesem Zeitpunkt bei der Privatpolizei DynCorps beschäftigt,
übergab dem obersten UN-Mitarbeiter in Bosnien-Herzegowina
ein Memo, in dem sie über die Verstrickungen von UN-Mitarbeitern,
NATO-Truppen, internationalen Vertretern und der lokalen Polizei
in den Frauenhandel berichtete. Laut einem Bericht von UNICEF
betreffen die eklatantesten Anschuldigungen Mitglieder des
IPTF (International Police Task Force), die direkt am Frauenhandel
beteiligt gewesen sein sollten. Sie förderten direkt
die Rekrutierung der Frauen und waren an der Beschaffung falscher
Dokumente, der Zuhälterei und dem Schutz von Bordellen
beteiligt. Darüber hinaus hätten sie regelmäßig
die Bordellbesitzer vor Razzien gewarnt und sexuellen Kontakt
mit den Prostituierten gehabt.
Die Interimsverwaltung der Vereinten Nationen (UNMIK) ging
angeblich gemeinsam mit örtlichen Behörden gegen
das sogenannte Trafficking vor. Dabei kam es vermehrt
zu Razzien in Bordellen. Im Rahmen dieser durchaus umstrittenen
Einsätze wurden immer wieder darin verwickelte Schutzkräfte
von den Frauen als Freier identifiziert. Später musste
UNMIK zugeben, dass einige der internationalen Kräfte
gemeinsam mit der Prijedor-Polizei Geschäfte mit der
Prostitution gemacht hatten. Zu einer Bestrafung der Täter
kam es allerdings nicht.
Armutsfalle Prostitution
Wie so oft, wurden bei diesen Razzien die Opfer zu Tätern.
Die Einsätze, an denen auch deutsche Polizisten beteiligt
waren, konzentrierten sich in erster Linie auf die Befragung
der Frauen zu ihrer Person, ihren Einkünften und dem
Grund ihres Aufenthalts. Die Zimmer der Frauen wurden durchwühlt,
sie selbst wurden nicht selten schutzlos zurückgelassen
oder mit auf die Polizeistationen genommen. Im Kosovo werden
die Frauen oftmals der illegalen Prostitution oder des illegalen
Aufenthalts angeklagt und verurteilt. Häufig werden sie
in ihre Heimatländer abgeschoben. In Bosnien ist die
Handhabung unterschiedlich. Entweder werden die Frauen inhaftiert
und abgeschoben, oder aber sie werden an die International
Organisation for Migration (IOM) überstellt. Nicht selten
aber geschieht gar nichts, und die meisten Frauen und Mädchen
enden erneut in der Prostitution. Viele der Etablissements
werden nach den Razzien zwar geschlossen, aber 95 Prozent
sind kurze Zeit später unter einem anderen Namen wieder
geöffnet.
Die Mehrzahl der betroffenen Frauen und Mädchen stammen
aus Moldawien, Bulgarien und der Ukraine, den ärmsten
Ländern Osteuropas. Viele von ihnen verlassen freiwillig
ihr Land, um der Armut, der Gewalt oder dem Missbrauch zu
entfliehen. In der ehemals sowjetischen Republik Moldau am
Schwarzen Meer liegt beispielsweise der Durchschnittslohn
bei lediglich 20 - 30 Euro im Monat. Nach Meinungsumfragen
aus dem Jahr 2002 wollen 80 Prozent der Einwohner auswandern.
Insbesondere Frauen sind von der grassierenden Armut betroffen.
Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks fand eine Feminisierung
der Armut statt, immer mehr Frauen wurden arbeitslos, die
Folge war eine Migrationsbewegung besonders von jüngeren
Frauen. Zugleich konnte eine verstärkte Gewalt gegen
Frauen und ihre Ausgrenzung aus dem öffentlichen Leben
verzeichnet werden.
Aus
dieser Situation ist für viele Menschen die Migration
nach Westeuropa die einzige Perspektive. Doch die legale Einreise
in die EU ist fast unmöglich. Die restriktive Einwanderungspolitik
der vergangenen Jahre hat Hürden geschaffen, die für
Einzelne kaum zu überwinden sind. Dies ist einer der
Gründe, warum junge Frauen oft auf sogenannte Trafficker
eingehen, die einen sicheren Grenzübertritt und Jobs
in den Ländern der EU versprechen. In Wahrheit beginnt
hier ein brutales Abhängigkeitsverhältnis. Die Reise
endet nicht in der versprochenen Pizzeria in Rom, in der eine
Anstellung als Kellnerin versprochen war, sondern in den Bordellen
Bosnien-Herzegowinas oder in Mazedonien, in denen die Schulden
für den Transfer abgearbeitet werden müssen.
Viele Bordelle sind in Wahrheit Gefängnisse. Die Frauen
werden in Zimmern und Kellern eingesperrt, misshandelt und
vergewaltigt. Laut einer Befragung gab die Hälfte der
Frauen und Mädchen an, von den Barbesitzern körperlich
missbraucht worden zu sein; ein Viertel sagte aus, dass dies
durch Kunden geschehen sei.
Schweigen der Verantwortlichen
Nach einem Bericht von UNICEF sind etwa die Hälfte der
Bordellkunden in Bosnien-Herzegowina Mitarbeiter internationaler
Institutionen. Zugleich stellen sie die profitabelsten Kunden.
Die Internationalen sichern geschätzte 70
Prozent des Gesamtgewinns des Sexgeschäfts auf dem Balkan.
Laut amnesty international hatten auch deutsche KFOR-Soldaten
regelmäßig Dienste von teilweise minderjährigen
Zwangsprostituierten in Anspruch genommen. Das deutsche Verteidigungsministerium
zeigte sich desinteressiert. Eine Untersuchung der Anschuldigungen
gibt es bis heute nicht. Der ehemalige Verteidigungsminister
Scharping bat vielmehr Monika Hauser, die Geschäftsführerin
der Hilfsorganisation Medica Mondiale, darum, das Thema öffentlich
nicht weiter zu erörtern, um die Freundinnen und Frauen
der Soldaten nicht zu verunsichern.
Offenbar muss das sexuelle Catering für die Internationalen
gewährleistet bleiben, und wenn sich die Krisenherde
verlagern, von Jugoslawien nach Afghanistan, oder auch in
den Irak, dann zieht im Gefolge das sexuelle Zwangsgewerbe
mit. So bekannt die Umstände der zunehmenden sexuellen
Ausbeutung von Frauen und Mädchen sind, so scheint es
für die politisch Verantwortlichen ein heißes
Eisen zu sein. Denn je weiter die Jungs
von zu Hause weg sind, desto schwieriger wird der Heimaturlaub.
In den bewaffneten Verbänden sind längst nicht alle
so prüde wie die Deutschen, denen im Dienst der Besuch
von Prostituierten untersagt ist. Französische und US-amerikanische
Truppen bringen zuweilen ihre Bordelle gleich mit.
Die Frage ist nicht die moralische Verwerflichkeit der Prostitution,
sondern die Ausbeutung von Frauen und Mädchen, die oft
aus perspektivlosen Situationen fliehen, und dann ihre Körper
ausgerechnet an diejenigen verkaufen, die vorgeben, für
die Rechte der Menschen und die der Frauen im speziellen unterwegs
zu sein.
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