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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 14- Herbst 2004 - Seite 12
Wie internationale Friedenstruppen die Sex-Sklaverei fördern
Die „Ware“ Mensch
[ Inhalt Nr.14.]

Schild: Prostitution and Drug Watch Area„Letztlich landete ich in einer Bar im Kosovo, in der ich eingesperrt und zur Prostitution gezwungen wurde. Ich wurde nie bezahlt, ich durfte nicht alleine ausgehen. Ich musste immer hauchdünne Kleider tragen, auch bei kaltem Wetter... Ich wurde dazu gezwungen, internationalen Soldaten und Polizisten zu Diensten zu sein...“
(Frau aus Moldawien, alleinerziehend, 21 Jahre alt)

Es war die Vergnügungsindustrie für US-amerikanische Soldaten während des Vietnam-Kriegs ab den 1960er Jahren, die den Sextourismus in der Region begründete. Während der Kriege in Vietnam und Korea wurden riesige „Recreation Areas“ geschaffen, in denen einheimische „Unterhalterinnen“ für das Wohl der Soldaten sorgten. Die Strukturen aus den Kriegszeiten bestehen immer noch, damals befriedigten sie die sexuellen Bedürfnisse der US-Soldaten, heute bedienen sie die Sextouristen. Die Organisation Femmes de Terre beklagt seit Jahren, dass erst mit dem Einzug der US-Truppen die Kinderprostitution in der Region ihren Einzug hielt. Aber nicht nur die Krieger, sondern auch die vorgeblichen Helfer in Diensten der UN-Agenturen und Hilfsorganisationen fördern die Prostitution erheblich. Mit dem Beginn des UN-Mandats stieg in Kambodscha die Zahl der Prostituierten innerhalb kurzer Zeit von 6.000 auf mehr als 20.000. Blauhelm-Einsätze in Afrika werden auch aufgrund der Gefahr hoher HIV-Infektionsraten bevorzugt an Staaten der Dritten Welt vergeben. Besonders gravierend und symptomatisch sind jedoch die Auswirkungen des UN-Einsatzes auf das Prostitutionsgeschäft in Bosnien und im Kosovo. Seit in den post-jugoslawischen Kriegsgebieten in Bosnien und im Kosovo NATO-Soldaten, UN-Funktionäre und Hilfsorganisationen eingesetzt sind, haben sich Prostitution und Frauenhandel zu einem blühenden Wirtschaftszweig entwickelt.
In Südost-Europa werden Zehntausende junge Frauen und Mädchen in sklavenähnliche sexuelle Ausbeutungsverhältnisse gepresst. So lautet das Ergebnis einer breit angelegten Studie des UN-Kinderhilfswerks (UNICEF), der OSZE und des UN-Kommisariats für Menschenrechte. Die Gründe dafür liegen, so das Ergebnis der Untersuchung, unter anderem an der EU-Einwanderungspolitik, den marktwirtschaftlichen Reformen in der Region und der Verschlechterung der Lebensbedingungen durch Krieg, Flucht und Migration. Auch sei die allgemeine Arbeits- und Perspektivlosigkeit in Ost- und Südosteuropa mitverantwortlich. Hinzukommen die gut bezahlten „Internationalen“, die in den 1990er Jahren zu Tausenden auf dem Balkan Einzug hielten. Jährlich werden laut Schätzungen 120.000 Frauen und Kinder aus Ost- und Südosteuropa in die Europäische Union verkauft. Viele der Frauen kommen jedoch nie in der EU an, sondern enden in den Bordellen der UN-Protektorate Bosnien-Herzegowina und Kosovo.

Bordellbesuche mit UN-Mandat

Der UN-Entwicklungsfond für Frauen (UNIFEM) berichtete bereits 1990 über die Bordelle in der Umgebung der KFOR-Camps. Die Mehrheit der Freier waren KFOR-Soldaten aus den USA, Deutschland, Italien und Frankreich. Im Juli 2001 wurden erste Anschuldigungen laut, dass die „Internationalen“ aktiv am Frauenhandel beteiligt waren. Kathy Balkovac, eine ehemalige UN-Menschenrechtsermittlerin und zu diesem Zeitpunkt bei der Privatpolizei DynCorps beschäftigt, übergab dem obersten UN-Mitarbeiter in Bosnien-Herzegowina ein Memo, in dem sie über die Verstrickungen von UN-Mitarbeitern, NATO-Truppen, internationalen Vertretern und der lokalen Polizei in den Frauenhandel berichtete. Laut einem Bericht von UNICEF betreffen die eklatantesten Anschuldigungen Mitglieder des IPTF (International Police Task Force), die direkt am Frauenhandel beteiligt gewesen sein sollten. Sie förderten direkt die Rekrutierung der Frauen und waren an der Beschaffung falscher Dokumente, der Zuhälterei und dem Schutz von Bordellen beteiligt. Darüber hinaus hätten sie regelmäßig die Bordellbesitzer vor Razzien gewarnt und sexuellen Kontakt mit den Prostituierten gehabt.
Die Interimsverwaltung der Vereinten Nationen (UNMIK) ging angeblich gemeinsam mit örtlichen Behörden gegen das sogenannte „Trafficking“ vor. Dabei kam es vermehrt zu Razzien in Bordellen. Im Rahmen dieser durchaus umstrittenen Einsätze wurden immer wieder darin verwickelte „Schutzkräfte“ von den Frauen als Freier identifiziert. Später musste UNMIK zugeben, dass einige der internationalen Kräfte gemeinsam mit der Prijedor-Polizei Geschäfte mit der Prostitution gemacht hatten. Zu einer Bestrafung der Täter kam es allerdings nicht.

Armutsfalle Prostitution

Wie so oft, wurden bei diesen Razzien die Opfer zu Tätern. Die Einsätze, an denen auch deutsche Polizisten beteiligt waren, konzentrierten sich in erster Linie auf die Befragung der Frauen zu ihrer Person, ihren Einkünften und dem Grund ihres Aufenthalts. Die Zimmer der Frauen wurden durchwühlt, sie selbst wurden nicht selten schutzlos zurückgelassen oder mit auf die Polizeistationen genommen. Im Kosovo werden die Frauen oftmals der illegalen Prostitution oder des illegalen Aufenthalts angeklagt und verurteilt. Häufig werden sie in ihre Heimatländer abgeschoben. In Bosnien ist die Handhabung unterschiedlich. Entweder werden die Frauen inhaftiert und abgeschoben, oder aber sie werden an die International Organisation for Migration (IOM) überstellt. Nicht selten aber geschieht gar nichts, und die meisten Frauen und Mädchen enden erneut in der Prostitution. Viele der Etablissements werden nach den Razzien zwar geschlossen, aber 95 Prozent sind kurze Zeit später unter einem anderen Namen wieder geöffnet.

Die Mehrzahl der betroffenen Frauen und Mädchen stammen aus Moldawien, Bulgarien und der Ukraine, den ärmsten Ländern Osteuropas. Viele von ihnen verlassen freiwillig ihr Land, um der Armut, der Gewalt oder dem Missbrauch zu entfliehen. In der ehemals sowjetischen Republik Moldau am Schwarzen Meer liegt beispielsweise der Durchschnittslohn bei lediglich 20 - 30 Euro im Monat. Nach Meinungsumfragen aus dem Jahr 2002 wollen 80 Prozent der Einwohner auswandern. Insbesondere Frauen sind von der grassierenden Armut betroffen. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks fand eine Feminisierung der Armut statt, immer mehr Frauen wurden arbeitslos, die Folge war eine Migrationsbewegung besonders von jüngeren Frauen. Zugleich konnte eine verstärkte Gewalt gegen Frauen und ihre Ausgrenzung aus dem öffentlichen Leben verzeichnet werden.
Plakat: FrauenhandelAus dieser Situation ist für viele Menschen die Migration nach Westeuropa die einzige Perspektive. Doch die legale Einreise in die EU ist fast unmöglich. Die restriktive Einwanderungspolitik der vergangenen Jahre hat Hürden geschaffen, die für Einzelne kaum zu überwinden sind. Dies ist einer der Gründe, warum junge Frauen oft auf sogenannte Trafficker eingehen, die einen sicheren Grenzübertritt und Jobs in den Ländern der EU versprechen. In Wahrheit beginnt hier ein brutales Abhängigkeitsverhältnis. Die Reise endet nicht in der versprochenen Pizzeria in Rom, in der eine Anstellung als Kellnerin versprochen war, sondern in den Bordellen Bosnien-Herzegowinas oder in Mazedonien, in denen die „Schulden“ für den Transfer abgearbeitet werden müssen.
Viele Bordelle sind in Wahrheit Gefängnisse. Die Frauen werden in Zimmern und Kellern eingesperrt, misshandelt und vergewaltigt. Laut einer Befragung gab die Hälfte der Frauen und Mädchen an, von den Barbesitzern körperlich missbraucht worden zu sein; ein Viertel sagte aus, dass dies durch Kunden geschehen sei.

Schweigen der Verantwortlichen

Nach einem Bericht von UNICEF sind etwa die Hälfte der Bordellkunden in Bosnien-Herzegowina Mitarbeiter internationaler Institutionen. Zugleich stellen sie die profitabelsten Kunden. Die „Internationalen“ sichern geschätzte 70 Prozent des Gesamtgewinns des Sexgeschäfts auf dem Balkan. Laut amnesty international hatten auch deutsche KFOR-Soldaten regelmäßig Dienste von teilweise minderjährigen Zwangsprostituierten in Anspruch genommen. Das deutsche Verteidigungsministerium zeigte sich desinteressiert. Eine Untersuchung der Anschuldigungen gibt es bis heute nicht. Der ehemalige Verteidigungsminister Scharping bat vielmehr Monika Hauser, die Geschäftsführerin der Hilfsorganisation Medica Mondiale, darum, das Thema öffentlich nicht weiter zu erörtern, um die Freundinnen und Frauen der Soldaten nicht zu verunsichern.

Offenbar muss das sexuelle Catering für die „Internationalen“ gewährleistet bleiben, und wenn sich die Krisenherde verlagern, von Jugoslawien nach Afghanistan, oder auch in den Irak, dann zieht im Gefolge das sexuelle Zwangsgewerbe mit. So bekannt die Umstände der zunehmenden sexuellen Ausbeutung von Frauen und Mädchen sind, so scheint es für die politisch Verantwortlichen ein „heißes Eisen“ zu sein. Denn je weiter die „Jungs“ von zu Hause weg sind, desto schwieriger wird der Heimaturlaub. In den bewaffneten Verbänden sind längst nicht alle so prüde wie die Deutschen, denen im Dienst der Besuch von Prostituierten untersagt ist. Französische und US-amerikanische Truppen bringen zuweilen ihre Bordelle gleich mit.

Die Frage ist nicht die moralische Verwerflichkeit der Prostitution, sondern die Ausbeutung von Frauen und Mädchen, die oft aus perspektivlosen Situationen fliehen, und dann ihre Körper ausgerechnet an diejenigen verkaufen, die vorgeben, für die Rechte der Menschen und die der Frauen im speziellen unterwegs zu sein.


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:18
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