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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 14- Herbst 2004- Seite 6
Griechenland:
Olympiade der Überwachungstechnik
[ Inhalt Nr. 14.]

Bei den Olympischen Spielen in Athen scheint die Vision des alles überwachenden Big Brothers Realität geworden zu sein. Bis zu 1.500 hochauflösende und Infrarot-Kameras, zwölf Patrouillenboote, 4.000 Fahrzeuge, neun Hubschrauber, ein mit Sensoren ausgestattetes Luftschiff und vier mobile Einsatzzentralen überwachten die griechische Hauptstadt während der Olympischen Spiele rund um die Uhr.
Ein von einem Konsortium unter Führung der US-Firma Science Applications International (SAIC) entwickeltes System sammelt alle von diesen Punkten eingehenden Bilder, Töne und Informationen und analysiert diese anschließend auf etwaige Auffälligkeiten. Das System besteht aus 30 Subsystemen, die das Sammeln, Analysieren und Aussieben von Informationen ermöglichen. Die Kosten allein für diese Software sollen rund 312 Mio. Dollar des Sicherheitsbudgets von insgesamt 1,5 Milliarden US-Dollar verschlungen haben. Zu dem Konsortium gehören auch Siemens, Honeywell und General Dynamics.
Die Software der Videokameras wurde darauf ausgelegt, mögliche Risiken zu erkennen und selbst zu bewerten. Dabei soll das System auch zwischen Reifenplatzen und einem Pistolenschuss unterscheiden können. Die Bilder werden nach der ersten Analyse auf weitere sieben Tage gespeichert, um zusammen mit anderen gesammelten Daten für weitere Analysen bestimmter Vorfälle zur Verfügung zu stehen, sagte der Sprecher der griechischen Polizei, Lefteris Ikonomou.

Das von SAIC entwickelte System namens C41 überwacht zudem sämtliche Kommunikation, die über Internet-Provider und Telekom-Unternehmen abgewickelt wird. Intelligent Data Operating Layer (IDOL) soll in Echtzeit automatisch kontextabhängige und begriffliche Zusammenhänge aus scheinbar unzusammenhängenden Dokumenten filtern, sowohl in Griechisch als auch in Englisch.

In Athen haben Videokameras Ohren

Im Vorfeld der olympischen Spiele berichtete CNN von der Installierung von bis zu 1.500 Videokameras, die Bestandteil des Überwachungsnetzwerkes in Athen sind, aber nicht nur zur Videoüberwachung eingesetzt, sondern zusätzlich mit Mikrofonen zur Audioüberwachung ausgestattet wurden. Diesem Bericht nach wurden Sätze und Wörter mittels eines Spracherkennungsprogramms aufgenommen, in Text umgewandelt und automatisch nach auffälligen Mustern durchforstet. Die Software, die Griechisch, Arabisch, Farsi und alle hauptsächlichen europäischen Sprachen versteht, stammt von der britischen Firma Autonomy Corporation. Zur Erkennung, Indizierung und Bearbeitung der abgehörten Sprache kommt dabei die SoftSound-Spracherkennungstechnik zum Einsatz, in die Autonomy investiert hat, und die ein SpinOff der Cambridge University ist. Kombiniert werden die verarbeiteten Sprachaufzeichnungen mit dem Video-Logger System der Firma Virage, die zur Firmengruppe gehört. Das VideoLogger System dient der automatischen Codierung und Indizierung der Videostreams, die von den Überwachungskameras in Athen aufgezeichnet werden. Virage ist auch eines der Unternehmen, das mit seinen Überwachungslösungen an Programmen des Advanced Research and Development Activity (ARDA) Forschungszentrums der US-Geheimdienste NSA, FBI und CIA teilnimmt. Anscheinend dienen die Olympischen Spiele in Athen auch als gigantisches Testfeld zur Erprobung neuer Überwachungstechniken.

Videoüberwachung soll bleiben

Warten an einer Haltestelle der Straßenbahn oder U-Bahn-Station, kraxeln auf die Akropolis, ausruhen am Syntagmaplatz, flanieren durch die Plaka oder Eisessen in einem der Straßencafes des Einkaufsviertels Kolonaki: fast überall beäugen Videokameras dieses Treiben. Die eigentlich nur für die Olympischen Spiele zur „Steigerung der Sicherheit“ angebrachten Kameras sollen bleiben. Aus den ursprünglich 293 vom Ministerium für Öffentliche Ordnung angemeldeten wurden fast 1.500. Wie allerdings Athener Zeitungen berichten, griff die Athener Bevölkerung unterdessen zur Selbsthilfe: Zahlreiche Kameras wurden bereits demoliert, einige gestohlen.


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:18
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