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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 14- Herbst 2004- Seite 5
Großbritannien: Das große Vorbild
[ Inhalt Nr. 14.]

Neben Singapur und Monaco gilt Großbritannien als Vorreiter für den exzessiven Einsatz von Videokameras. Es begann sinnigerweise 1984, als während des großen Streiks der Berarbeiter/innen Kameras installiert wurden, um die Aktivist/innen besser identifizieren zu können. 1985 wurden dann Fußballstadien überwacht, und die Kameras in U-Bahnstationen verbreiteten sich in dieser Zeit zunehmend. Im selben Jahr wurden erste Videoüberwachungsanlagen im öffentlichen Raum installiert, um gegen Vandalismus vorgehen zu können.

Inzwischen sollen bereits mehr als 3.000.000 Kameras installiert sein. Kein anderes Land setzt mehr Kameras pro Kopf ein, um seine Bevölkerung zu beobachten. Beispiele: National Car Parks, Betreiber von 580 innerstädtischen Garagenanlagen und an Flughäfen hat seine digitalen Kameras vernetzt, und überwacht sie zentral. London hat inzwischen ein digitales Videoüberwachungssystem, welches das Mautsystem ergänzt und zusätzlich eine Gesichtserkennungs-Software verwendet. Der gesamte Innenstadtring kann nicht mehr befahren werden, ohne dass alle Kfz-Kennzeichen registriert und überprüft werden. Der Financial District ist sogar so stark kontrolliert, dass automatisch Alarm ausgelöst wird, wenn ein Auto in einen bestimmten Bereich fährt und diesen nicht innerhalb kurzer Zeit wieder verlässt. Aber auch Geisterfahrer/innen und Geschwindigkeitsübertretungen lassen sich selbständig erfassen.
Allein in der Londoner U-Bahn stehen heute 5.000 Kameras, weitere 450 dienen der Überwachung des Straßenverkehrs, und unzählige von Polizei oder Unternehmen betriebene Kameras filmen Fußgängerzonen oder Wohnviertel. Nicht eingerechnet sind dabei all die Kameras in Banken, Tankstellen, Kaufhäusern, Restaurants, Parkhäusern, Schulen, Bussen, Kneipen, Krankenhäusern, Altersheimen etc. und sogar in Toiletten von Schulen.

Vor allem aber die Innenstädte und Geschäftsviertel sind im Focus der Kameras. Der Einzelhandel setzt sich aktiv für die Einführung der Kontrollsysteme ein. In Public-Private Partnerschaften - also in Verbindung mit der Polizei oder den Kommunen - werden dann Überwachungsanlagen installiert. Bürgermeister und Stadtdirektoren sehen darin einen wesentlichen Ansatz zur Verbesserung der Attraktivität der Innenstädte und zur Verhinderung von unerwünschten Erscheinungsformen wie Betteln, Straßenhandel oder Skateboardfahren. Aber auch Versicherungen drängen auf den Einsatz von Videoüberwachung, und bieten in manchen Städten bis zu 30 Prozent Discount bei Tarifen, wenn Videoüberwachung eingesetzt wird. Neben den Innenstädten werden aber auch sogenannte soziale Brennpunkte und Industrieviertel überwacht und auch Bewohner/innen von wohlhabenderen Stadtteilen fordern Videoüberwachung und bezahlen diese oftmals. Ja sogar in Dörfern verbreiten sich, aus Angst vor einer Verlagerung von Kriminalität, Initiativen zur Videoüberwachung.

Widerstand gegen Big Brother

Trotz massiver Zustimmung zur Videoüberwachung bei Umfragen entstanden auch Gegeninitiativen. Außerdem zahlreiche Sabotageaktionen, die auch die z.T. mit kugelsicheren Gehäusen und mit automatischen Alarmsystemen ausgerüsteten Anlagen in Mitleidenschaft zogen: mittels Laser wurden die Objektivlinsen getrübt, ätzende Flüssigkeiten wurden in Behälter der Reinigungsflüssigkeit gegossen, unter Systemen, die Bilder mittels Mikrowellen übertragen, wurden Kindertreffpunkte eingerichtet und die Kinder bekamen mit Helium gefüllte Luftballons mit reflektierenden Industriefoliestreifen in die Hand gedrückt, Überwachungszentralen wurden besetzt, Kameras mit Laken verdeckt, entsprechende Theateraufführungen vor den Augen der Kameras aufgeführt und Straftaten fingiert - Leute brachen in ihre eigenen Autos ein, simulierten Drogenhandel oder Schlägereien und fuchtelten mit Waffenattrappen vor den Kameras herum. Auch Kampagnen mit Aufklebern, die, massenhaft verklebt, auf Videoüberwachung hinwiesen, förderten das Bewusstsein über die permanente Videoüberwachung. Der Protest ist vielfältig.


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:18
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