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Neben Singapur und Monaco gilt Großbritannien als Vorreiter
für den exzessiven Einsatz von Videokameras. Es begann
sinnigerweise 1984, als während des großen Streiks
der Berarbeiter/innen Kameras installiert wurden, um die Aktivist/innen
besser identifizieren zu können. 1985 wurden dann Fußballstadien
überwacht, und die Kameras in U-Bahnstationen verbreiteten
sich in dieser Zeit zunehmend. Im selben Jahr wurden erste
Videoüberwachungsanlagen im öffentlichen Raum installiert,
um gegen Vandalismus vorgehen zu können.
Inzwischen sollen bereits mehr als 3.000.000 Kameras installiert
sein. Kein anderes Land setzt mehr Kameras pro Kopf ein, um
seine Bevölkerung zu beobachten. Beispiele: National
Car Parks, Betreiber von 580 innerstädtischen Garagenanlagen
und an Flughäfen hat seine digitalen Kameras vernetzt,
und überwacht sie zentral. London hat inzwischen ein
digitales Videoüberwachungssystem, welches das Mautsystem
ergänzt und zusätzlich eine Gesichtserkennungs-Software
verwendet. Der gesamte Innenstadtring kann nicht mehr befahren
werden, ohne dass alle Kfz-Kennzeichen registriert und überprüft
werden. Der Financial District ist sogar so stark kontrolliert,
dass automatisch Alarm ausgelöst wird, wenn ein Auto
in einen bestimmten Bereich fährt und diesen nicht innerhalb
kurzer Zeit wieder verlässt. Aber auch Geisterfahrer/innen
und Geschwindigkeitsübertretungen lassen sich selbständig
erfassen.
Allein in der Londoner U-Bahn stehen heute 5.000 Kameras,
weitere 450 dienen der Überwachung des Straßenverkehrs,
und unzählige von Polizei oder Unternehmen betriebene
Kameras filmen Fußgängerzonen oder Wohnviertel.
Nicht eingerechnet sind dabei all die Kameras in Banken, Tankstellen,
Kaufhäusern, Restaurants, Parkhäusern, Schulen,
Bussen, Kneipen, Krankenhäusern, Altersheimen etc. und
sogar in Toiletten von Schulen.
Vor allem aber die Innenstädte und Geschäftsviertel
sind im Focus der Kameras. Der Einzelhandel setzt sich aktiv
für die Einführung der Kontrollsysteme ein. In Public-Private
Partnerschaften - also in Verbindung mit der Polizei oder
den Kommunen - werden dann Überwachungsanlagen installiert.
Bürgermeister und Stadtdirektoren sehen darin einen wesentlichen
Ansatz zur Verbesserung der Attraktivität der Innenstädte
und zur Verhinderung von unerwünschten Erscheinungsformen
wie Betteln, Straßenhandel oder Skateboardfahren. Aber
auch Versicherungen drängen auf den Einsatz von Videoüberwachung,
und bieten in manchen Städten bis zu 30 Prozent Discount
bei Tarifen, wenn Videoüberwachung eingesetzt wird. Neben
den Innenstädten werden aber auch sogenannte soziale
Brennpunkte und Industrieviertel überwacht und auch Bewohner/innen
von wohlhabenderen Stadtteilen fordern Videoüberwachung
und bezahlen diese oftmals. Ja sogar in Dörfern verbreiten
sich, aus Angst vor einer Verlagerung von Kriminalität,
Initiativen zur Videoüberwachung.
Widerstand gegen Big Brother
Trotz massiver Zustimmung zur Videoüberwachung bei Umfragen
entstanden auch Gegeninitiativen. Außerdem zahlreiche
Sabotageaktionen, die auch die z.T. mit kugelsicheren Gehäusen
und mit automatischen Alarmsystemen ausgerüsteten Anlagen
in Mitleidenschaft zogen: mittels Laser wurden die Objektivlinsen
getrübt, ätzende Flüssigkeiten wurden in Behälter
der Reinigungsflüssigkeit gegossen, unter Systemen, die
Bilder mittels Mikrowellen übertragen, wurden Kindertreffpunkte
eingerichtet und die Kinder bekamen mit Helium gefüllte
Luftballons mit reflektierenden Industriefoliestreifen in
die Hand gedrückt, Überwachungszentralen wurden
besetzt, Kameras mit Laken verdeckt, entsprechende Theateraufführungen
vor den Augen der Kameras aufgeführt und Straftaten fingiert
- Leute brachen in ihre eigenen Autos ein, simulierten Drogenhandel
oder Schlägereien und fuchtelten mit Waffenattrappen
vor den Kameras herum. Auch Kampagnen mit Aufklebern, die,
massenhaft verklebt, auf Videoüberwachung hinwiesen,
förderten das Bewusstsein über die permanente Videoüberwachung.
Der Protest ist vielfältig.
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