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Unpopuläre Projekte werden mit populären
Begründungen aufs öffentliche Parkett geschoben:
von der flächendeckenden erkennungsdienstlichen Behandlung,
um einen Kindermörder zu fassen; DNA-Analyse, um eines
Vergewaltigers habhaft zu werden; Anordnung von Sicherheitsverwahrung
gegen Sexualstraftäter... Was als konkrete Maßnahmen
gegen die Schlimmsten der Schlimmen daherkommt,
erweist sich bei genauerem Hinschauen als trojanische Pferde,
mit denen allgemein Rechte beschnitten, Freiheiten eingeschränkt
und Machtbefugnisse des Staates ausgedehnt werden.
Laut einer Umfrage in Großbritannien würden drei
Viertel der befragten Eltern eine biometrische Überwachung
ihrer Kinder mittels eines implantierten Chips befürworten.
In Spanien hat man für diese Form der Überwachung
einen einfachen Weg der Zustimmung gefunden: Nur besondere
Leute bekommen einen Chip. Und wer wollte nicht schon immer
mal zu einem auserlesenen Kreis gehören, wo man ganz
unter sich ist: im Baja Beach Club in Barcelona kommt der
Stammgast ohne Ausweis und Geldbörse, aber mit einem
für 125 Euro implantierten Chip im Oberarm durch die
Kontrolle zu seiner VIP-Lounge.
Innere Sicherheit ist auch ein Thema, das von unten
gerne aufgegriffen wird. Mit Emotionalisierung und schwarz-weiß-gezeichneten
Bildern - unter Verwendung gängiger Vorurteile, Stichwort:
Ausländer- und Drogenkriminalität etc. - haben die
Sicherheitsextremisten die Lufthoheit über den deutschen
Stammtischen. Auch wenn tatsächliche Unsicherheiten aus
sozialen Unwägbarkeiten wie Arbeitsplatzverlust den Drang
nach einer imaginären sicheren Gemeinschaft
verstärken: Diese hat mit der Berechenbarkeit einer verläßlichen
Existenzgrundlage für die breite Bevölkerung nichts
zu tun.
Die Politik der Inneren Sicherheit folgt der gleichen Logik
wie die Außenpolitik: Kampf gegen den Terror
um den Folgen der ökonomischen und sozialen Entgrenzung
repressiv zu begegnen. Das betrifft die Verschärfung
militärischer/polizeilicher Maßnahmen - die Konzentration
auf staatliche Gewaltanwendung bei Konflikten - wie auch die
Privatisierung von Gewalt und die Umgehung parlamentarischer
Kontrolle. Wo es vorher noch um Verrechtlichung ging, geht
es jetzt darum, die staatliche Gewaltanwendung von der Fessel
Recht und Gesetz zu befreien. Hierbei dient die Rede von der
Selbstverteidung und dem Schutz von Menschenleben im Innern
wie nach Außen als Dammbrecher; auch um Folter diskutierbar
zu machen.
So wie die Koalition der Willigen ein Fall für
den internationalen Strafgerichtshof wäre, so wäre
die deutschen Innenpolitik einer für den Verfassungsschutz.
Hier wie da wird geltendes Recht bewusst gebrochen, ausgehebelt
und schließlich den eigenen Bedürfnissen und Notwendigkeiten
modifiziert. Was jetzt unter Umgehung bestehender Gesetze
durchgesetzt wird gegen die so genannten Terroristen und Schwerverbrecher,
schafft eine veränderte Normalität für alle.
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