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Deutsche Staaten waren schon immer sammelwütig, wenn
es um die Daten ihrer Bürger/innen ging egal ob
sie sich bürgerlich-demokratisch oder sozialistisch nannten.
Auch die DDR konnte ihren Kasernenhofsozialismus niemals überwinden.
So sammelten deutsche Sozialisten zum Zwecke der Staatsicherheit
auch Geruchsproben vermeintlicher Systemgegner
in Einmachgläsern. Diese etwas kafkaesken Archivmethoden
sind nicht allein durch das Ende der DDR passé. Den
Rest besorgte die Digitalisierung der globalen Sicherheit.
Wo früher in kilometerlangen Gängen Akten gehortet
wurden, genügt heute eine simple CD, ein Mikrochip oder
ein moderner Computer. Einen zusätzlichen Boom garantierte
der 11. September 01 jetzt hatte der imperiale Westen
einen Feind, bei dessen globaler Jagd die letzten Freiheiten
im eigenen Land gleich mitpulverisiert werden konnten. In
Abu Ghraib hieß der Folterbefehl im Army-Jargon: Gitmozise
them - Behandelt sie wie in Guantánamo Bay. Das
Bild des Kapuzenmanns aus Abu Ghraib erinnerte unwillkürlich
an den KuKluxKlan - nur tragen heute die Opfer die Kapuze.
Sollte die KKK-Kutte den Terror noch anonymisieren, die Weißen
verbargen ihre Identität, sind die heutigen Opfer die
Gesichtslosen, und die Täter knipsen Schnappschüsse.
US-Bürgerrechtler nennen die neuen Sicherheitsgesetze
auch die Guantanamoisierung der Bürgerrechte.
Der Patriot Act ermöglicht den grenzenlosen Zugriff,
juristisch wie optisch und macht die Szenarien der
US-Militärs über die städtischen Kriege
der Zukunft (Mike Davis) erst gewinnbar. Natürlich findet
die Digitalisierung der Kontrolle auch in old europe statt.
Wir haben in dieser Ausgabe einiges zu den neuen Augen des
Gegners auch im Alltag zusammengestellt. Den Zusammenhang
zwischen globalem Krieg und dem alleinigen Recht, keine Rechte
zu haben, wird von der deutschen Linken noch viel zu selten
berücksichtigt. Zurecht greifen die antirassistischen
Kampagnen die Lager-Regime in Schengen-Europa an, die Diskussion
um die Folter-Lager wie Camp X-Ray aber überlässt
die radikale Linke zumeist der Selbstfindung des bürgerlich-demokratischen
Milieus.
Das Volk sind wir weg mit Hartz IV.
Man kann die Parole der Anti-Hartz-Proteste mit der antideutschen
Brille sehen, d.h. von vorne herein gänzlich humorlos
deutsch, ideologisch verbrämt und das Schlechteste unterstellend.
Die Parole kann aber ironisch gedeutet werden, als quasi Retourkutsche
an die deutsch-deutschen Vereinigungsprotagonisten. Den Beginn
der Montagsdemos setzten auf jeden Fall Arbeitsloseninitiativen
und Bürgerrechtsgruppen in Ostdeutschland, die sich schnell
von der Rest-ML belästigt sahen, die ihre Parolen mit
Kommunismus verwechselten. Anstatt konsequent die anwesenden
Nazis auf den Demos anzugreifen und sich dabei auch bewusst
mit den rassistischen Ressentiments der (ostdeutschen) Bevölkerung
anzulegen, bedienten ihre Lautsprecher den populistischen
Jargon der rechten Schläger und riefen zum Sturz der
volksfeindlichen Regierung auf. Aber radikale
Politik ist kein Busunternehmen. Man holt die Leute nicht
dort ab, wo sie vermeintlich stehen, sondern eröffnet
mit eigenen Initiativen neue gesellschaftliche Interventionslinien.
Dass von links das Herrschaftsprojekt der neuen working poor
sehr gut ohne rechte Argumente angegangen werden kann, zeigt
der Aufruf am 3. Januar die Arbeitsagenturen lahm zu
legen. Die Redaktion
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