| Unser Genosse Julio Peralta ist tot. Julio, Mitglied der MLN-Tupamaros
Uruguay, starb im Dezember bei seiner Liebsten auf der Estancia
Espartaco.
Im September '97, in Madrid, während des Prozesses gegen
Benjamin Ramos Vega, waren sie plötzlich vor uns auf
der Straße: Ein älteres Paar, Hand in Hand, ihre
Liebe ausstrahlend in jeder alltäglichen Bewegung. Julio
und Gloria waren zufällig zu diesem Zeitpunkt in Madrid
auf ihrer Fahrt durch Europa. Sie haben dann mit uns und den
anderen Beobachter/innen den Prozeß besucht. Es war
nicht das erste Mal. 1994 waren sie beide selbst Prozessbeobachter/in
beim Kaindl-Prozeß in Berlin. Für sie war es immer
eine Selbstverständlichkeit, sich für diese Gefangenen
einzusetzen.
Julio und Gloria haben sich Ende der 80er Jahre, erst nach
ihrer Knastzeit, kennen und lieben gelernt. Sie waren sich
die Liebe ihres Lebens. Sie lebten auf der Estancia Espartaco,
einer der historischen Zentralen der MLN-Tupamaros. Julio
war ein Arbeiter. Er stand früh auf, verbrachte den Tag
mit seinem Maté bei den Tieren auf der Weide und an
der Werkbank. Er liebte große Fleischstücke und
grappa con limon. Er lebte dort, verbunden mit dem Land, der
Erde, den Landarbeitern, mit seiner Liebsten Gloria. Sie haben
sich dort die Zeit genommen, die sie nach Kampf und Knast
füreinander brauchten.
Julio ist erst spät zu den Tupamaros gekommen, erst Anfang
der '70er, als die Niederlage schon absehbar war, viele schon
verhaftet oder tot. Als die Arbeiter/innen sich mit Streiks
und Kämpfen der aufkommenden Diktatur entgegenstellten.
Julio war Metallarbeiter in Montevideo, Kommunist, gewerkschaftlich
organisiert, war in den '60ern beteiligt an den bewaffneten
Kämpfen für Arbeiterrechte, gegen Betriebsschließungen,
gegen Militär und Diktatur. Er war ein Kämpfer und
schätzte die, die nicht redeten, sondern handelten. Diese
Kämpfe hatten für ihn nichts heroisches, es war
der Kampf um Leben, um Essen, um Bildung, um Würde. In
seinen Berichten kamen die befreundeten Genossinnen und Genossen
vor, die plötzlich verschwunden oder tot waren. Seine
Kinder kamen während seiner Knastzeit ums Leben.
Julio hat immer gewusst, wo er herkommt und auf welcher Seite
er steht. Er hat das auch im Knast immer als ein Vorteil gegenüber
denen gesehen, die nicht so politisiert waren, als sie eingeknastet
wurden. Er hat ideologische Verhärtung ebenso abgelehnt
wie die, die auf dem Rücken der Geschichte versucht haben,
sich individuell zu profilieren. Härte und klare Fronten
waren für ihn auf der einen Seite so selbstverständlich,
wie Solidarität, Wärme und Liebe auf der anderen.
Wir haben Julio und Gloria '93 auf der Estancia kennen gelernt.
Es war immer ein offenes Haus für alle Genoss/innen,
es wurde gewärmt von ihrer beider Großherzigkeit
und Liebe. Ihre gemeinsame Zeit war kurz, zu kurz. Julio,
du fehlst.
Freundinnen und Freunde aus Berlin und Frankfurt
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