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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 13 - Frühjahr 2004 - Seite 16
Hasta siempre, Julio
[ Inhalt Nr. 13 .]
Unser Genosse Julio Peralta ist tot. Julio, Mitglied der MLN-Tupamaros Uruguay, starb im Dezember bei seiner Liebsten auf der Estancia Espartaco.

Im September '97, in Madrid, während des Prozesses gegen Benjamin Ramos Vega, waren sie plötzlich vor uns auf der Straße: Ein älteres Paar, Hand in Hand, ihre Liebe ausstrahlend in jeder alltäglichen Bewegung. Julio und Gloria waren zufällig zu diesem Zeitpunkt in Madrid auf ihrer Fahrt durch Europa. Sie haben dann mit uns und den anderen Beobachter/innen den Prozeß besucht. Es war nicht das erste Mal. 1994 waren sie beide selbst Prozessbeobachter/in beim Kaindl-Prozeß in Berlin. Für sie war es immer eine Selbstverständlichkeit, sich für diese Gefangenen einzusetzen.

Julio und Gloria haben sich Ende der 80er Jahre, erst nach ihrer Knastzeit, kennen und lieben gelernt. Sie waren sich die Liebe ihres Lebens. Sie lebten auf der Estancia Espartaco, einer der historischen Zentralen der MLN-Tupamaros. Julio war ein Arbeiter. Er stand früh auf, verbrachte den Tag mit seinem Maté bei den Tieren auf der Weide und an der Werkbank. Er liebte große Fleischstücke und grappa con limon. Er lebte dort, verbunden mit dem Land, der Erde, den Landarbeitern, mit seiner Liebsten Gloria. Sie haben sich dort die Zeit genommen, die sie nach Kampf und Knast füreinander brauchten.
Julio ist erst spät zu den Tupamaros gekommen, erst Anfang der '70er, als die Niederlage schon absehbar war, viele schon verhaftet oder tot. Als die Arbeiter/innen sich mit Streiks und Kämpfen der aufkommenden Diktatur entgegenstellten. Julio war Metallarbeiter in Montevideo, Kommunist, gewerkschaftlich organisiert, war in den '60ern beteiligt an den bewaffneten Kämpfen für Arbeiterrechte, gegen Betriebsschließungen, gegen Militär und Diktatur. Er war ein Kämpfer und schätzte die, die nicht redeten, sondern handelten. Diese Kämpfe hatten für ihn nichts heroisches, es war der Kampf um Leben, um Essen, um Bildung, um Würde. In seinen Berichten kamen die befreundeten Genossinnen und Genossen vor, die plötzlich verschwunden oder tot waren. Seine Kinder kamen während seiner Knastzeit ums Leben.
Julio hat immer gewusst, wo er herkommt und auf welcher Seite er steht. Er hat das auch im Knast immer als ein Vorteil gegenüber denen gesehen, die nicht so politisiert waren, als sie eingeknastet wurden. Er hat ideologische Verhärtung ebenso abgelehnt wie die, die auf dem Rücken der Geschichte versucht haben, sich individuell zu profilieren. Härte und klare Fronten waren für ihn auf der einen Seite so selbstverständlich, wie Solidarität, Wärme und Liebe auf der anderen.

Wir haben Julio und Gloria '93 auf der Estancia kennen gelernt. Es war immer ein offenes Haus für alle Genoss/innen, es wurde gewärmt von ihrer beider Großherzigkeit und Liebe. Ihre gemeinsame Zeit war kurz, zu kurz. Julio, du fehlst.

Freundinnen und Freunde aus Berlin und Frankfurt


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:18
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