.: Hallo :.

Saturday, den 11.02.2012 - 06:05



.: online :.

»Editorial
»Online NEWS
»Ergänzungen zu Artikeln


.: zeitung :.

.: index :.
» alle Druckausgaben
» Materialien: Ergänzungen zu Artikeln
» Autor/innen-Index
» Foto-Index
» Editorial-Index
» SoOderSo-Webwatcher
» ...

.: service :.

» Impressum
» Vertrieb
» An die Redaktion
» Artikel schreiben
» Infodienst abonnieren
» SUCHEN

 
Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 13- Frühjahr 2004 - Seite 9
Solidarität mit Marco Camenisch
Militanter der Anti-AKW-Bewegung in der Schweiz vor Gericht
[ Inhalt Nr. 13 .]

Am 10. Mai beginnt vor dem Geschworenengericht in Zürich ein Prozess gegen den in der Schweiz und Italien seit langen Jahren als Anti-AKW-Aktivisten bekannten Marco Camenisch. Verhandelt wird dort seine Flucht von 1981, weil ein Wärter umgekommen und ein weiterer verletzt wurde. Angeklagt ist er außerdem wegen einem Grenzzwischenfall von 1989, bei dem ein Grenzwächter ums Leben kam. Der Schweizer Staatsschutz und die Medien hatten Marco Camenisch dafür verantwortlich gemacht.

Ein gesprengter Strommast: hier beim AKW Krümmel am 25. Januar 1985

Vor Prozessbeginn ist Marco Camenisch seit dem 01. April im Flughafengefängnis Zürich-Kloten in den Hungerstreik getreten. Mit diesem vorläufig auf einen Monat befristeten Protest fordert Marco Camenisch u.a. das unverzügliche Ende der massiven Beschränkungen seiner Kommunikation durch die soziale, politische und sprachliche Diskriminierung und die unverzügliche Verlegung in den normalen Vollzug.

Seit gut zwei Jahren sitzt Marco Camenisch, Militanter der schweizer Anti-AKW-Bewegung und kämpferischer Anarchist, erneut in Schweizer Knästen. In Italien saß er u.a. für Sabotage-Aktionen an Strommasten bereits mehr als zehn Jahre in Hochsicherheitsknästen bei permanenter Kleingruppenisolation.

In der Schweiz hatte das Kantonsgericht Chur Marco Camenisch für Sabotage an Strommasten und an einem Unterwerk der Nordostschweizer Kraftwerke (NOK) bei Bad Ragaz zur drakonischen Strafe von zehn Jahren verurteilt. Ende 1981 war ihm zusammen mit fünf weiteren Gefangenen die Flucht aus dem Knast gelungen. Die von der Strafe noch offenen acht Jahre muss er jetzt absitzen.
In der Schweiz hat sich eine Solidaritätsinitiative zum bevorstehenden Prozess gebildet. Sie schreibt: „Natürlich geht es da um mehr, als auf dem Papier steht. Abgeurteilt werden soll nicht zuletzt Marcos Entscheidung, militant gegen die Herrschenden zu kämpfen. Er soll auf Biegen und Brechen ein weiteres Mal verknackt werden, damit allen wieder einmal bewiesen wurde, dass es sich nicht lohnt so zu kämpfen. Zudem kann der Prozess von der jüngsten europaweiten Repressionswelle gegen die revolutionäre Linke nicht losgelöst betrachtet werden“.

Haftbedingungen

In der Schweiz ist Marco Camenisch andauernder Isolationshaft unterworfen. Die medizinische Versorgung ist unzureichend, bei Besuchen hat er Trennscheibe, die Post wird zensiert und „verschwindet“. Er war der Willkür der jeweiligen Knastleitung und den Weisungen der mit den Untersuchungen beauftragten Zürcher Bezirksanwältin (und Tochter des langjährigen NOK-Chefs) Wiederkehr unterworfen. Wiederholt wird er in die verschiedenen Schweizer Gefängnisse verlegt. Zunächst in Pfäffikon, wurde er kurz vor der Demo im Dezember 2002 in die Knastfestung Thorberg bei Bern verlegt. Mit einem Hungerstreik konnte Marco Camenisch seine Verlegung nach Chur in den Normalvollzug erreichen. Im April 2003 wurde er dann nach Pfäffikon zurückverlegt. Natürlich wurde das Haftregime wieder verschärft. Gegenwärtig ist er im Flughafengefängnis von Zürich.
Im Herbst 2003 wurde Marcos Zelle durchsucht. Begründung: Er sei der capo einer 'terroristischen Vereinigung' und habe aus seiner Zelle heraus Anschläge angeordnet.

Solidarität

Bereits in den vergangenen zwei Jahren unterstützte die Solidaritätsinitiative Marco Camenisch in seinem Kampf. „Mit unterschiedlichen Aktionen, regelmässigen Knastspaziergängen und einigen Veranstaltungen versuchten wir in den letzten zwei Jahren, zum einen Marco als politischen Gefangenen konkret zu unterstützen, zum anderen seine Geschichte als Teil militanter Kämpfe in den Metropolen nach 68 zu vermitteln. Besonders wichtig war und ist uns dabei, ihn in die laufenden Kämpfe miteinzubeziehen“.
Zum bevorstehenden Prozess schreibt die Initiative: „Klar, wir werden unseren Genossen im Gerichtssaal nicht alleine lassen. Es gilt, der zu erwartenden Hetze, der versuchten Entsolidarisierung, Vereinzelung und Entpolitisierung unsere kämpferische Solidarität und die Kontinuität des Widerstands entgegenzusetzen: Betroffen ist einer, gemeint sind viele!“

Im April wurden in verschiedenen Schweizer Städten zahlreiche Infoveranstaltungen organisiert. In ihnen stand Marcos Geschichte, die Geschichte des Anti-AKW-Kampfs und die Mobilisierung auf den Prozess im Mittelpunkt.

Am Wochenende vor dem Prozessbeginn sind verschiedene Aktivitäten geplant:

- Samstag 8. Mai 04: Demo 'Freiheit für Marco Camenisch - Solidarität mit den politischen Gefangenen - gegen Repression', 14.00 Hechtplatz, Zürich
am Abend: Veranstaltung mit internationalen Prozessbeobachter/innen, 20.00 Volkshaus, Zürich

- Sonntag 9. Mai 04: Brunch und Diskussion mit Prozessbeobachter/innen, ab 11.00 Squat Kalkbreite, Zürich

- Montag 10. Mai 04, Prozessbeginn 8.30 h vor dem Obergericht (Hirschengraben 15, Zürich)

Kontakt: marco_camenisch@bluemail.ch
Informationen: www.freecamenisch.net, www.indymedia.ch, www.srirhi.org, apa.online.free.fr

Solikonto: PC 87112365-3 (PAN-IG, 8000 Zürich)
schreibt Marco: Marco Camenisch, Flughafengefängnis, Abteilung Untersuchungshaft und Vollzug, CH-8058 Zürich-Flughafen


[ document info ]
CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:18
[HOCH]Artikel empfehlendrucken
Interessiert an mehr Infos von u. über Libertad! - Abonniere den elektronischen So oder So-Infodienst

CopyLeft © SoOderSo & Libertad!