Am 10. Mai beginnt vor dem Geschworenengericht in Zürich
ein Prozess gegen den in der Schweiz und Italien seit langen
Jahren als Anti-AKW-Aktivisten bekannten Marco Camenisch. Verhandelt
wird dort seine Flucht von 1981, weil ein Wärter umgekommen
und ein weiterer verletzt wurde. Angeklagt ist er außerdem
wegen einem Grenzzwischenfall von 1989, bei dem ein Grenzwächter
ums Leben kam. Der Schweizer Staatsschutz und die Medien hatten
Marco Camenisch dafür verantwortlich gemacht.
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Ein gesprengter Strommast: hier beim AKW Krümmel am
25. Januar 1985 |
Vor Prozessbeginn ist Marco Camenisch seit dem 01. April
im Flughafengefängnis Zürich-Kloten in den Hungerstreik
getreten. Mit diesem vorläufig auf einen Monat befristeten
Protest fordert Marco Camenisch u.a. das unverzügliche
Ende der massiven Beschränkungen seiner Kommunikation
durch die soziale, politische und sprachliche Diskriminierung
und die unverzügliche Verlegung in den normalen Vollzug.
Seit gut zwei Jahren sitzt Marco Camenisch, Militanter der
schweizer Anti-AKW-Bewegung und kämpferischer Anarchist,
erneut in Schweizer Knästen. In Italien saß er
u.a. für Sabotage-Aktionen an Strommasten bereits mehr
als zehn Jahre in Hochsicherheitsknästen bei permanenter
Kleingruppenisolation.
In der Schweiz hatte das Kantonsgericht Chur Marco Camenisch
für Sabotage an Strommasten und an einem Unterwerk der
Nordostschweizer Kraftwerke (NOK) bei Bad Ragaz zur drakonischen
Strafe von zehn Jahren verurteilt. Ende 1981 war ihm zusammen
mit fünf weiteren Gefangenen die Flucht aus dem Knast
gelungen. Die von der Strafe noch offenen acht Jahre muss
er jetzt absitzen.
In der Schweiz hat sich eine Solidaritätsinitiative zum
bevorstehenden Prozess gebildet. Sie schreibt: Natürlich
geht es da um mehr, als auf dem Papier steht. Abgeurteilt
werden soll nicht zuletzt Marcos Entscheidung, militant gegen
die Herrschenden zu kämpfen. Er soll auf Biegen und Brechen
ein weiteres Mal verknackt werden, damit allen wieder einmal
bewiesen wurde, dass es sich nicht lohnt so zu kämpfen.
Zudem kann der Prozess von der jüngsten europaweiten
Repressionswelle gegen die revolutionäre Linke nicht
losgelöst betrachtet werden.
Haftbedingungen
In der Schweiz ist Marco Camenisch andauernder Isolationshaft
unterworfen. Die medizinische Versorgung ist unzureichend,
bei Besuchen hat er Trennscheibe, die Post wird zensiert und
verschwindet. Er war der Willkür der jeweiligen
Knastleitung und den Weisungen der mit den Untersuchungen
beauftragten Zürcher Bezirksanwältin (und Tochter
des langjährigen NOK-Chefs) Wiederkehr unterworfen. Wiederholt
wird er in die verschiedenen Schweizer Gefängnisse verlegt.
Zunächst in Pfäffikon, wurde er kurz vor der Demo
im Dezember 2002 in die Knastfestung Thorberg bei Bern verlegt.
Mit einem Hungerstreik konnte Marco Camenisch seine Verlegung
nach Chur in den Normalvollzug erreichen. Im April 2003 wurde
er dann nach Pfäffikon zurückverlegt. Natürlich
wurde das Haftregime wieder verschärft. Gegenwärtig
ist er im Flughafengefängnis von Zürich.
Im Herbst 2003 wurde Marcos Zelle durchsucht. Begründung:
Er sei der capo einer 'terroristischen Vereinigung' und habe
aus seiner Zelle heraus Anschläge angeordnet.
Solidarität
Bereits in den vergangenen zwei Jahren unterstützte
die Solidaritätsinitiative Marco Camenisch in seinem
Kampf. Mit unterschiedlichen Aktionen, regelmässigen
Knastspaziergängen und einigen Veranstaltungen versuchten
wir in den letzten zwei Jahren, zum einen Marco als politischen
Gefangenen konkret zu unterstützen, zum anderen seine
Geschichte als Teil militanter Kämpfe in den Metropolen
nach 68 zu vermitteln. Besonders wichtig war und ist uns dabei,
ihn in die laufenden Kämpfe miteinzubeziehen.
Zum bevorstehenden Prozess schreibt die Initiative: Klar,
wir werden unseren Genossen im Gerichtssaal nicht alleine
lassen. Es gilt, der zu erwartenden Hetze, der versuchten
Entsolidarisierung, Vereinzelung und Entpolitisierung unsere
kämpferische Solidarität und die Kontinuität
des Widerstands entgegenzusetzen: Betroffen ist einer, gemeint
sind viele!
Im April wurden in verschiedenen Schweizer Städten zahlreiche
Infoveranstaltungen organisiert. In ihnen stand Marcos Geschichte,
die Geschichte des Anti-AKW-Kampfs und die Mobilisierung auf
den Prozess im Mittelpunkt.
Am Wochenende vor dem Prozessbeginn sind verschiedene Aktivitäten
geplant:
- Samstag 8. Mai 04: Demo 'Freiheit für Marco
Camenisch - Solidarität mit den politischen Gefangenen
- gegen Repression', 14.00 Hechtplatz, Zürich
am Abend: Veranstaltung mit internationalen Prozessbeobachter/innen,
20.00 Volkshaus, Zürich
- Sonntag 9. Mai 04: Brunch und Diskussion mit Prozessbeobachter/innen,
ab 11.00 Squat Kalkbreite, Zürich
- Montag 10. Mai 04, Prozessbeginn 8.30 h vor dem
Obergericht (Hirschengraben 15, Zürich)
Kontakt: marco_camenisch@bluemail.ch
Informationen: www.freecamenisch.net, www.indymedia.ch, www.srirhi.org,
apa.online.free.fr
Solikonto: PC 87112365-3 (PAN-IG, 8000 Zürich)
schreibt Marco: Marco Camenisch, Flughafengefängnis,
Abteilung Untersuchungshaft und Vollzug, CH-8058 Zürich-Flughafen
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