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Die Bourgeoisie hat die buntscheckigen Feudalbande, die
den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften,
unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch
und Mensch übriggelassen als das nackte Interesse, als
die gefühllose bare Zahlung. Sie hat die
heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen
Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in dem
eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. Sie
hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst
und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen
Freiheiten die gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt.
Die Verfasser dieser Sätze, ein Philosoph aus Trier
und ein Fabrikant aus Wuppertal, waren glühende Globalisierungsanhänger
und Gegner jeder volkstümelnden Besitzstandswahrung und
nationaler Ressentiments. Weder empfahlen sie dem Bauern den
eigenen Pflug, noch dem Arbeiter den heimischen Fabrikbesitzer
als besseren Weg zur eigenen Emanzipation. Vor 150 Jahren
waren sie sicher, dass nur im Furor der kapitalistischen Modernisierung
selbst die Chance ihrer Überwindung liegt. Wenn Marx
und Engels Recht behalten, sind wir dem Kommunismus näher
als je zuvor. Nicht als Möglichkeit für ein Heute,
aber als Perspektive für ein Morgen. Das klingt abstrakt
und ist dennoch konkreter als man denkt. Der Kapitalismus
hat die Welt erobert und in den Industriegesellschaften, im
Herz seiner Macht, den sozialen Krieg eröffnet. Darauf
die Kämpfe auszurichten ist Aufgabe jeder Linken. Es
stellt Bedingungen für die Bestimmung eigener Ziele,
Bündnisse und Mobilisierungen und verlangt die Vergangenheit
mit der Zukunft zu verbinden. Sonst sind wir überflüssig.
Im Jahr 2003 hat es keine So oder So gegeben. Dennoch hat
Libertad! nicht geschwiegen. Wir erinnerten zusammen mit antifaschistischen
Gruppen an den RAF-Militanten Wolfgang Grams, der vor zehn
Jahren ermordet wurde, und unterstützten die Angeklagten
im Magdeburger 129a-Prozess. In München mobilisierten
wir gegen die NATO-Konferenz und verdeutlichten, dass der
Protest gegen den Besatzungsterror im Irak ohne den Widerstand
gegen die EU-Militärpolitik nur falschen Kräften
in die Hände spielt. In den eigenen Diskussionen bemühten
wir uns um ein Verständnis möglicher Zukunftsperspektiven.
Die Linke ist dabei, eine neue Internationalität zurückzugewinnen.
Auf dem Weltsozialforum in Mumbai wurde der Aufruf laut, Widerstand
gegen die US-Kriegspolitik im Irak zu leisten. Damit stellt
sich auch die Organisierungsfrage auf regionaler Ebene. Libertad!
hat natürlich keinen Bewegungsplan, aber wir glauben,
dass das Morgen nicht ohne das Heute und Gestern zu verstehen
ist. Für uns gehören dazu auch die Stimmen der Besiegten,
die dennoch Spuren hinterließen. Für das Gestern
stehen z.B. die Erfahrungen des griechischen 17. November
und des kürzlich in Athen verstorbenen Militanten Rolf
Pohle. Für das Heute steht der Kampf um Menschenrechte
gegen Lagerterror und Liquidationsbefehle aus Washington,
Tel Aviv und Moskau. Für das Morgen steht der Aufruf
von Genoss/innen aus der Türkei zu einer neuen migrantischen
Linken. Für das Morgen steht auch unser Wunsch, weiter
solidarisch gegen staatliche Unterdrückung einzustehen
und beizutragen zu einer neuen interventionistischen radikalen
Linken. Wir grüßen alle, die uns mögen und
unsere Zeitung lesen!
Die Redaktion
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