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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 13- Frühjahr 2004 - Seite 1
Editorial:
Herz der Finsternis
[ Inhalt Nr. 13 .]

Die Bourgeoisie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen als das nackte Interesse, als die gefühllose „bare Zahlung“. Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt.

Die Verfasser dieser Sätze, ein Philosoph aus Trier und ein Fabrikant aus Wuppertal, waren glühende Globalisierungsanhänger und Gegner jeder volkstümelnden Besitzstandswahrung und nationaler Ressentiments. Weder empfahlen sie dem Bauern den eigenen Pflug, noch dem Arbeiter den heimischen Fabrikbesitzer als besseren Weg zur eigenen Emanzipation. Vor 150 Jahren waren sie sicher, dass nur im Furor der kapitalistischen Modernisierung selbst die Chance ihrer Überwindung liegt. Wenn Marx und Engels Recht behalten, sind wir dem Kommunismus näher als je zuvor. Nicht als Möglichkeit für ein Heute, aber als Perspektive für ein Morgen. Das klingt abstrakt und ist dennoch konkreter als man denkt. Der Kapitalismus hat die Welt erobert und in den Industriegesellschaften, im Herz seiner Macht, den sozialen Krieg eröffnet. Darauf die Kämpfe auszurichten ist Aufgabe jeder Linken. Es stellt Bedingungen für die Bestimmung eigener Ziele, Bündnisse und Mobilisierungen und verlangt die Vergangenheit mit der Zukunft zu verbinden. Sonst sind wir überflüssig.

Im Jahr 2003 hat es keine So oder So gegeben. Dennoch hat Libertad! nicht geschwiegen. Wir erinnerten zusammen mit antifaschistischen Gruppen an den RAF-Militanten Wolfgang Grams, der vor zehn Jahren ermordet wurde, und unterstützten die Angeklagten im Magdeburger 129a-Prozess. In München mobilisierten wir gegen die NATO-Konferenz und verdeutlichten, dass der Protest gegen den Besatzungsterror im Irak ohne den Widerstand gegen die EU-Militärpolitik nur falschen Kräften in die Hände spielt. In den eigenen Diskussionen bemühten wir uns um ein Verständnis möglicher Zukunftsperspektiven. Die Linke ist dabei, eine neue Internationalität zurückzugewinnen. Auf dem Weltsozialforum in Mumbai wurde der Aufruf laut, Widerstand gegen die US-Kriegspolitik im Irak zu leisten. Damit stellt sich auch die Organisierungsfrage auf regionaler Ebene. Libertad! hat natürlich keinen Bewegungsplan, aber wir glauben, dass das Morgen nicht ohne das Heute und Gestern zu verstehen ist. Für uns gehören dazu auch die Stimmen der Besiegten, die dennoch Spuren hinterließen. Für das Gestern stehen z.B. die Erfahrungen des griechischen „17. November“ und des kürzlich in Athen verstorbenen Militanten Rolf Pohle. Für das Heute steht der Kampf um Menschenrechte gegen Lagerterror und Liquidationsbefehle aus Washington, Tel Aviv und Moskau. Für das Morgen steht der Aufruf von Genoss/innen aus der Türkei zu einer neuen migrantischen Linken. Für das Morgen steht auch unser Wunsch, weiter solidarisch gegen staatliche Unterdrückung einzustehen und beizutragen zu einer neuen interventionistischen radikalen Linken. Wir grüßen alle, die uns mögen und unsere Zeitung lesen!


Die Redaktion


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:18
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