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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr. 12-
Winter 2002 - Seite 1
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Zellennachrichten
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Zellennachrichten
[ aus: So oder So
- Die Libertad!-Zeitung Nr. 12 /Winter 2002 ]
Wärter auf
Hasenjagd
31 große Fische aus Gefängnis entkommen.
Kampala, 24. 05.02. Ein Hase hat die Aufmerksamkeit ugandischer Gefängniswärter
offenbar allzu sehr gefesselt: Während die Wärter im Garten
einer Haftanstalt im Nordosten des Landes nach dem Kleintier jagten,
entkamen 31 der ihnen anvertrauten großen Fische.
Wie die staatliche Zeitung New Vision am Freitag berichtete, versahen
die 31 Gefangenen unter Aufsicht der fünf Beamten Gartendienst
im Gefängnis von Kotido, rund 550 Kilometer nordöstlich der
Hauptstadt Kampala. Als der Hase aus dem Gebüsch gehoppelt sei,
hätten sich die Aufseher auf Hasenjagd begeben. Die Häftlinge
hätten die Gunst der Stunde genutzt und seien geflohen.
Ja, es ist wahr, bestätigte ein Militärsprecher
die Berichte. Einzelheiten wollte der Sprecher aber nicht nennen. Die
Behörden kündigten die Untersuchung des Vorfalls an. Der Großteil
der entflohenen Häftlinge war dem Zeitungsbericht zufolge wegen
illegalen Waffenbesitzes in Haft.
Abdullah Öcalan
Ankara,
3.10.02. Das verhängte Todesurteil gegen den kurdischen Separatistenführer
Öcalan wurde aufgehoben und in lebenslange Haft umgewandelt. Die
Lebensbedingungen für Öcalan sind denkbar schlecht. Auf der
Gefängnisinsel Imrali lebt der kurdische Führer in totaler
Isolation als einziger Gefangener mit seinen Bewachern. Nach wie vor
gibt es keinen Friedensprozess in der Türkei. Die wenigen Zugeständnisse
an die kurdische Bevölkerung sind Makkulatur, um die Aufnahme in
die Europäische Union zu beschleunigen. Real hat sich die Menschenrechtssituation
im Osten der Türkei nicht verbessert. Die Kämpfer/innen der
ARGK (Guerilla der PKK, heute KADEK) werden in ihren Camps in Nordirak
vom türkischen Militär angegriffen, obwohl die kurdische Organisation
seit Jahren einen Waffenstillstand einhält. Die Aussichten für
Öcalan auf Freiheit sind schlecht. Mit Argwohn betrachtet die türkische
Regierung das Bestreben der kurdischen Organisationen im Nordirak, endlich
einen souveränen Staat zu gründen. Ecevit kündigte an,
auch militärisch zu intervenieren, falls die Entwicklung in dem
Gebiet den Interessen zuwiderlaufe. Sollen wir etwa erst intervenieren,
wenn ein Staat ausgerufen und von den europäischen Ländern
anerkannt wird?, fragte Ecevit kürzlich in einem Fernsehinterview.
Die Kurden Nordiraks gelten als potentielle Verbündete der USA
gegen Saddam Hussein. Das erregt das Misstrauen in Ankara.
25 Jahre für Kuba-Agentin
Washington.
Eine US-Bürgerin ist wegen Spionage für Kuba zu einer 25jährigen
Haftstrafe verurteilt worden. Dieses Strafmaß verkündete
ein Bundesrichter am Mittwoch in Washington. Die 45jährige Ana
Belen Montes war Mitarbeiterin des US-Militärgeheimdienstes DIA.
Im März hatte sie gestanden, zwischen 1985 und 2001 Informationen
an die kubanische Regierung geliefert zu haben. Ana Belen Montes hat
aus politischer Überzeugung für Havanna gearbeitet und soll
unter anderem den Namen eines US-Agenten in Kuba sowie die Details von
US-Marinemanövern weitergegeben haben. Im Gegenzug für ihr
Geständnis hatte die Angeklagte von der Staatsanwaltschaft in Aussicht
gestellt bekommen, dass ihre Haftstrafe nicht über 25 Jahre hinausgehen
sollte.
US-Debatte über
Hinrichtungen
Illinois erwägt Begnadigung von 160 Todeskandidaten.
Washington, 13.10.02. Im US-Bundesstaat Illinois beginnen diese Woche
Gnadenanhörungen für vermutlich alle 160 Todeshäftlinge.
Der republikanische Gouverneur und erklärte Todesstrafengegner
George Ryan will Gnade walten lassen, bevor er im Januar aus dem Amt
scheidet. Bereits vor zwei Jahren hatte Ryan ein Hinrichtungsmoratorium
verhängt. Der Umgang mit der Todesstrafe in Illinois sei unfair
und unzuverlässig, sagte der Politiker. Seit Wiedereinführung
der Todesstrafe 1977 waren dort zwölf Menschen hingerichtet und
13 Todeshäftlinge als unschuldig später frei gelassen. Ryan
kündigte an, entscheidend sei für ihn nicht die Schwere der
Verbrechen, sondern ob die Häftlinge fair behandelt worden seien.
Es wird erwartet, dass Ryan viele oder sogar alle Todeskandidaten zu
lebenslanger Haft begnadigen wird.
Todesstrafe weiter
gegen Minderjährige möglich
Washington,
22.10.02. Die Todesstrafe für Minderjährige bleibt nach einem
Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA weiterhin erlaubt. Sie verstoße
nicht gegen das Verbot grausamer und ungewöhnlicher Strafe
in der Verfassung, urteilten die Richter jetzt mit knapper Mehrheit
von fünf zu vier Stimmen. Der Oberste Gerichtshof lehnte es ab,
sich mit dem Berufungsantrag des zur Tatzeit 17-jährigen Kevin
Stanford aus dem US-Bundesstaat Kentucky zu befassen, der zum Tode verurteilt
worden war. Stanford hatte 1981 eine junge Frau vergewaltigt und ermordet.
Die Entscheidung des Gerichts vom Montag war erwartet worden. Die Einzelstaaten
erhalten damit mehr Zeit, die Praxis selbst zu überprüfen.
16 der 38 US-Bundesstaaten, die die Todesstrafe zulassen, verbieten
Todesurteile gegen minderjährige Täter unter 18 Jahren.
Gefängnis-Brand in Marokko
Rabat.
Bei dem bislang schwersten Gefängnis-Brand in der Geschichte Marokkos
sind 01.11.02 in der Küstenstadt El Jadida im Westen des Landes
49 Häftlinge getötet und 89 verletzt worden. Acht der Opfer
lägen im Koma, teilten die Behörden mit. Der Zustand von sechs
Verletzten sei kritisch. Das Feuer war in der Nacht vermutlich wegen
eines Kurzschlusses in einem der Flügel des Sidi-Moussa-Gefängnisses
ausgebrochen.
Fußball-WM und Knast
Malaga,
Juni 02. Im Gefängnis der südspanischen Stadt wollte sich
drei Gefangene während der Partie Spanien gegen Paraguay verdrücken.
Sie schwangen sich just in dem Moment über die Gefängnismauer,
als Morientes den Ausgleich für Spanien erzielte. Tatsächlich
galt alle Aufmerksamkeit des männlichen Wachpersonals dem Spiel.
Doch leider behielt eine Wärterin statt des Fernsehers die Monitore
der Überwachungskameras im Auge und schlug Alarm.
Sao Paulo, Juli
02- In Sao Paulo haben 17 Gefangene des Staatsgefängnisses darauf
gebaut, dass während der Partie der Brasilianer gegen die Türkei
die komplette Nation die Augen nicht vom Fernseher wenden kann - inklusive
Wärter. Die Flucht durch den Tunnel gelang.
Die nächste WM kommt bestimmt!
14 Festnahmen im Zusammenhang mit Grapo
Madrid/Paris,
19.07.02. Mit der Festnahme von 14 GenossInnen in Madrid und Paris sollen
nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden bevorstehende Aktionen
der spanischen Organisation Antifaschistische Widerstandsgruppen
des 1. Oktober (Grapo) verhindert worden sein. Die Organisation
habe nach Presseberichten bereits zwei Kommandos in Madrid gebildet.
Durch die Festnahmen gelte die Organisation nun als zerschlagen. Die
Grapo war 1975 zum Ende der Diktatur gegründet worden, mit dem
Ziel gegen den Faschismus und für die kommunistische Befreiung
zu kämpfen. Die alten faschistischen Strukturen sollten keine Chance
mehr erhalten.
Auslieferung
Ottawa,
4.08.02. Der kanadische Justizminister Cauchon stimmte der Auslieferung
des Deutschen Lothar E. zu. Der Betroffene legte jedoch Berufung ein,
wodurch die Auslieferung verzögert wird. Lothar E. wird verdächtigt,
von 1985 bis 1993 in den Revolutionären Zellen (RZ) organisiert
gewesen zu sein. Ihm wird vorgeworfen, 1987 an einer Aktion gegen die
Berliner Zentrale Sozialhilfestelle für Asylbewerber und einem
weiteren Anschlag auf die Siegessäule beteiligt gewesen zu sein.
Seit 1996 lebt Lothar E. in Kanada. Er war im Mai 2000 auf Antrag der
deutschen Bundesanwaltschaft verhaftet worden.
Als Besucher aus der Haft entkommen
Paris,
22.8.02. Ein mutmaßliches Kommando-Mitglied der baskischen ETA
ist aus dem Pariser Knast Santé geflohen. Ismael Berasategui
Escudero soll in der Führung des sogenannten Behorburu Kommandos
gewesen sein. Statt seiner blieb der Bruder nach dem Besuch im Knast.
Die französische Polizei teilte weiterhin mit, dass die ETA möglicherweise
fünf Tonnen Sprengstoff hergestellt habe. An der Grenze zu Spanien
wurden hunderte leere Behälter Natriumchlorat, mit dem hochexplosiver
Sprengstoff hergestellt werden kann, gefunden. Zwar werde diese Natriumverbindung
auch als Pflanzenschutzmittel benutzt, aber in so großen Mengen
werde das nicht von Bauern gebraucht.
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