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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr. 12-
Winter 2002 - Seite 1
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Verhaftungen
in Italien
Berlusconis Notwehrjustiz
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Verhaftungen
in Italien
Berlusconis Notwehrjustiz
[ aus: So oder So
- Die Libertad!-Zeitung Nr. 12 /Winter 2002 ]
Am Morgen des 12.
November wurden in Italien mehrere Mitglieder - unter ihnen die Sprecher
- der süditalienischen No-Global Bewegung verhaftet. Gegen insgesamt
42 Personen laufen Ermittlungen wegen Verstoßes gegen den Paragraphen
270/bis, einem Paragraphen, der subversive Tätigkeit und Verschwörung
gegen den Staat unter Strafe stellt. 20 der Beschuldigten wurden tatsächlich
festgenommen, 11 Männer landeten im Knast von Trani, drei Frauen
wurden in den Knast von Latina befördert, die restlichen sieben
stehen unter Hausarrest.
Der Paragraph 270/bis
dient in Italien ähnlichen Zwecken, wie der 129a in Deutschland.
Seit 30 Jahren wurde kein Strafverfahren mehr wegen diesem Paragraphen
durchgeführt, jedoch werden häufig Ermittlungsverfahren damit
eingeleitet. Es handelt sich also primär um ein Werkzeug, mit dessen
Hilfe sich nahezu beliebige Konstruktionen aufbauen lassen, um unliebsame
Gruppen zu verbieten, auszukundschaften oder ihre Arbeit unmöglich
zu machen.
Nach der großen
Demonstration während des Europäischen Sozialforums in Florenz
scheint die Gruppe No-Global den Behörden ein echter Dorn im Auge
zu sein. Neben den klassischen Aktivitäten, die normalerweise
von GlobalisierungsgegnerInnen angepackt werden, hat sich diese Gruppe
nämlich auch aktiv in gesellschaftliche Kämpfe eingemischt,
und das mit beachtlichem Erfolg. Genau an dem Tag, an dem die Festnahmen
stattfanden, war eine große Aktion gegen FIAT geplant, die die
Gewerkschaft FIOM zusammen mit der No-Global Gruppe organisiert hatte.
Als Aktionsform waren Blockaden von FIAT Betrieben geplant, genau ein
Tatbestand, der durch den Paragraphen 270/bis unter Strafe gestellt
wird.
Die Zusammenarbeit
von Gewerkschaften und Globalisierungsgegnern, die sich gegen die konkreten
herrschenden Verhältnisse richtet, wird für die Berlusconi-Regierung
zur Bedrohung. Der Kampf gegen Massenentlassungen bei Fiat, für
das Recht auf Wohnraum und Wasser, für eine Gesundheitsversorgung,
die ihren Namen verdient, mobilisierten in Italien und hier speziell
im Süden nicht nur ein paar radikale Spinner, sondern tatsächlich
die Massen.
Die geplanten Aktionen
konnten durch die Festnahmen nicht verhindert werden. Alleine in Turin
gingen 10000 FIAT-Arbeiter/innen auf die Straße und die Metallarbeitergewerkschaft
FIOM protestierte gegen die Verhaftungen und solidarisierte sich mit
den festgenommenen Globalisierungsgegner/innen.
Nachdem am 3.12.2002
die letzten vier Festgenommenen wieder auf freien Fuß gesetzt
wurden, kam es nur einen Tag später erneut zu Festnahmen. Am Morgen
des 4.12. leiteten Richter Ermittlungen gegen 23 Personen aus verschiedenen
Orten Italiens ein. Im Rahmen dieser Ermittlungen wurden 45 Razzien
durchgeführt und neun der Verdächtigen festgenommen. Wieder
wurden Sicherheitsverwahrung, Hausarrest und Reiseverbot als Mittel
der Repression angewandt - diesmal wegen Vorfällen, die eineinhalb
Jahre zurückliegen. Die Anschuldigungen gegen die Festgenommenen
beziehen sich auf Vorkommnisse während des G8-Gipfels in Genua.
Derweil wird der
Polizist, der Carlo Giuliani beim G8-Gipfel in Genua erschoss, nicht
unter Anklage gestellt. Die Staatsanwaltschaft ist der Meinung, dass
er in Notwehr gehandelt habe, und dass daher das Verfahren eingestellt
werden könne.
[ © So oder
So / Libertad! Falkstr. 74, 60487 Frankfurt ]
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