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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr. 11-
Frühjahr 2002 - Seite 10
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Krankheit
durch Folter
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aus: So oder So - Die Libertad!-Zeitung Nr. 11 /Frühjahr 2002 ]
Krankheit durch
Folter
Pilar Hinojosa
Telles war im sechsten Monat schwanger, als sie im Juni 1992 verhaftet,
und mit vielen anderen aufgrund der Antiterrorgesetze des Fujimori-Regimes
verurteilt wurde.
Während ihrer
zweimonatigen Untersuchungshaft wurde Pilar von Mitgliedern der peruanischen
Polizei - PNP - und der Nationalen Antiterrortruppe - DINCOTE brutal
gefoltert. In zwei unterschiedlichen Fällen war der physische
Missbrauch so heftig, dass der Fötus verletzt wurde und Pilar
ins Krankenhaus kam. Aufgrund der Haftbedingungen war ein Kaiserschnitt
nötig, um ihren Sohn Camillo auf die Welt zu bringen. Die Polizei
brachte sie nach der Operation in den Hochsicherheitstrakt des Chorrillos
Gefängnisses zurück, in dem sie verurteilt worden war und
einsaß, noch bevor die Fäden gezogen werden konnten. Sie
wurden schließlich unter so unhygienischen Bedingungen entfernt,
dass es zu einer Infektion kam, in deren Folge Pilar nicht mehr in
der Lage war, Milch zu produzieren. Die Ernährung ihres Kindes
hing davon ab, dass das Gefängnispersonal ihr kochendes Wasser
für heiße Schokolade zur Verfügung stellte.
Als Camillo fast drei Monate alt war, drang die PNP in die Zellen
ein, um die weiblichen politischen Gefangenen zu klassifizieren.
Obwohl alle schwangeren Frauen und Mütter mit Kindern in einen
angrenzenden Raum gebracht wurden, erlitten sie durch den Einsatz
von Gas schwere Irritationen an Haut und Augen. Als die Haut des Kindes
am nächsten Tag immer noch schwere Rötungen aufwies, gab
Pilar das Sorgerecht freiwillig an ihre Mutter ab. Als
Baby und Kleinkind konnte Camillo seine Mutter nun nur einmal im Monat
für 30 Minuten sehen, nachdem er traumatisierende Ganzkörperkontrollen
über sich ergehen lassen musste.
Pilar leidet jetzt unter schweren Rückenproblemen, einer Folge
der Folter. Die Schmerzen zwingen sie die meiste Zeit in ihrer Betonkoje
zu verbringen.
Seit zehn Jahren wird Pilar die notwendige Untersuchung durch Spezialisten
verweigert. Dank des Drucks ihrer Zellengenossinnen und der großzügigen
internationalen Hilfe ihrer Freunde bekam Pilar letztes Jahr endlich
die Erlaubnis zu einer Kernspindtomographie. Sie braucht dringend
medizinische Betreuung und eine Operation, um die Bandscheibenverletzung
in der Lendengegend zu behandeln, die durch die brutale Folter verursacht
wurde. Der Druck auf ihrer Wirbelsäule hat mittlerweile zu grosser
Schwäche geführt, und durch die Verweigerung regelmäßiger
medizinischer Behandlung seitens der Gefängnisleitung besteht
die Gefahr einer vollständigen Lähmung für Pilar.
In dem Bewusstsein, dass ihre aktuellen medizinischen Probleme in
direktem Zusammenhang mit den zahlreichen Menschenrechtsverletzungen
stehen, denen sie seit ihrer Inhaftierung 1992 ausgesetzt ist, hat
sich Pilar dem Hungerstreik angeschlossen.
Pilar ist nur ein Beispiel, viele politische Gefangene brauchen dringend
medizinische Behandlung. Schlechte Ernährung hat besonders bei
jungen Frauen zu Osteoporose, und bei einem großen Teil der
Gefangenen zu schwerer Gastritis, Verstopfung und Hämorriden
geführt. Das vielleicht größte Problem der Gefangenen,
die physisch, psychisch und sexuell gefoltert wurden, ist, dass nicht
ein einziger jemals psychologische Betreuung erhalten hat.
[ © So oder
So / Libertad! Falkstr. 74, 60487 Frankfurt ]
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