|
So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr. 11-
Frühjahr 2002 - Seite 10
|
|
|
|
Internierungslager
für Flüchtlinge: NEIN!
Freiheit und gleiche Rechte für alle: JA!
|
|
|
[
aus: So oder So - Die Libertad!-Zeitung Nr. 11 /Frühjahr 2002 ]
Internierungslager
für Flüchtlinge: NEIN!
Freiheit und gleiche Rechte für alle: JA!
Die deutsche Parteienpolitik
wird zur Zeit stark bestimmt vom Geplänkel um das so genannte
Zuwanderungsgesetz. Hinter der Nebelwand des inszenierten
Streits verschwindet der entscheidende Kerngehalt, über den sich
Union und rot/grün einiger sind, als sie es uns weismachen wollen:
sie setzen eine Maschinerie der massiven Kriminalisierung, Isolation
und Abschiebung von Flüchtlingen und Migrant/innen in Gang.
Der Clou aus Schilys Repertoire zur Steuerung und Begrenzung von Zuwanderung:
so genannte Ausreisezentren für Flüchtlinge, die als ausreisepflichtig
gelten, die aber im Moment wegen fehlender Passpapiere etc. nicht
abgeschoben werden können. Die Behörden wollen vor allem
solche Flüchtlinge in die Ausreise-Lager stecken,
denen sie fehlende Mitwirkung unterstellen - also diejenigen,
die nicht widerstandslos bei der eigenen Abschiebung mithelfen. Modellprojekte
für diese neue Art der Terrorisierung von Flüchtlingen gibt
es bereits in Niedersachsen (das so genannte Projekt X)
sowie in Sachsen-Anhalt und in Nordrhein-Westfalen. Bayerns Innenminister
Beckstein hat die Einrichtung solcher Lager ab Sommer 2002 angekündigt.
 |
| Ein
kurzer Sieg auf einem langen Weg: Anfang April gelang es während
eines antirassistischen Camps, den Zaun des Internierungslagers
Womeera (Australien) einzureißen. Fünf Flüchtlingen
gelang für einige Tage die Flucht. |
Was geschieht
in den Ausreisezentren?
Die Menschen müssen sich ständig Befragungen durch Behörden-
und Botschaftspersonal unterziehen - eine so genannte intensive ausländerrechtliche
Betreuung - mit dem Ziel, Reisepapiere für die Abschiebung auszustellen.
Sie dürfen nicht arbeiten und bekommen keinerlei Bargeld. Zur
Verpflegung gibt es Essen aus der zentralen Großküche.
Wenn sich eine Person weigert, in ein solches Lager zu gehen, kann
sie ohne weiteres Prozedere in Abschiebehaft genommen werden. Die
Erfahrungen aus den Modellprojekten haben gezeigt: viele
Flüchtlinge, die nicht bereit sind, in einem solchen Zustand
der Rechtlosigkeit und der psychischen Folter mit dem Ziel der Abschiebung
zu leben, entscheiden sich, unterzutauchen - die Ausreisezentren
treiben Flüchtlinge in die Illegalisierung.
Offiziell sind Ausreisezentren keine Gefängnisse,
aber letztendlich handelt es sich um nichts Anderes als um Internierungslager!
Als eine Begründung für solche Internierungslager wird von
Beckstein, Schily und Co. - wen wundert's? - der Kampf gegen
den Terror genannt. Die Ausreisezentren sind eingebettet
in eine europaweite Kampagne der Verschärfung von innerer
Sicherheit und rassistischen Gesetzen. Internierungslager sind
mittlerweile in vielen reichen Staaten ein beliebtes Mittel der repressiven
Flucht- und Migrationskontrolle: England, Italien, USA, Australien...
Aber es entwickeln sich überall dort Kämpfe von Flüchtlingen,
Migrant/innen und Antirassist/innen gegen Lagerinternierung und für
das Recht auf Bewegungsfreiheit.
Weitere Termine
Vor diesem Hintergrund
lädt die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und
Migrant/innen gemeinsam mit anderen Gruppen am 25. Mai ein zu einer
großen Demonstration in München.
Auftakt: 12 Uhr Karlsplatz/Stachus.
Am 29. Juni sind Demonstrationen geplant in Bramsche und in Ingelheim
gegen die dortigen Lager, im Rahmen der bundesweiten Kampagne kein
mensch ist illegal gegen die Ausreisezentren.
Laufende Informationen unter:
www.noborder.org
www.humanrights.de
[ © So oder
So / Libertad! Falkstr. 74, 60487 Frankfurt ]
|