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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr. 11 -
Frühjahr 2002 -Beilage Seite 1
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Ausnahmezustand
in München
Protest gegen die NATO-Sicherheitskonferenz
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Ausnahmezustand
in München
Protest gegen die NATO-Sicherheitskonferenz
[aus: Info des
Münchener Bündnis gegen die Nato-Sicherheitskonferenz "Von
Genua nach München und weiter! Gegen Nato-Kriegspolitik und kapitalistische
Globalisierung" - Beilage zur So oder So Nr. 11 ]
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| der demonstrationszug
wird in der frauenstrasse gestoppt |
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argum, münchen
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Vom 1. bis
3. Februar 2002 fand in München die 38. Münchner Konferenz
für Sicherheitspolitik statt. Während in der hermetisch
abgeriegelten Tagungsfestung, dem Hotel Bayerischer Hof,
rund 250 Militärexperten, darunter 38 Außen- und Kriegsminister
der NATO- und EU-Staaten, das 40jährige Gründungsjubiläum
der Sicherheitskonferenz abfeierten, waren etwa 10 000
Menschen - trotz des über ganz München verhängten Demonstrationsverbotes
- auf den Straßen der Bayernmetropole unterwegs, um ihren Protest
und Widerstand gegen die Anwesenheit und aggressive Interventionspolitik
dieser Kriegsstrategen zu artikulieren.
Von Genua
nach München!
Mit diesem Motto
stellte sich das Bündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz
bewusst in die Tradition der internationalistischen Bewegung gegen
die kapitalistische Globalisierung und mobilisierte europaweit gegen
das Treffen der Welt-Kriegselite in der Bayrischen Landeshauptstadt.
Mehr als 120 Organisationen - aus München, zahlreichen Städten
der Bundesrepublik, Europa u.a. Kontinenten (Schweiz, Slowenien, Schweden,
Belgien, Niederlande, Österreich, Spanien, Italien, Großbritannien,
Kroatien - Nepal, Nordamerika, Laos, Chile und Iran) - haben den Bündnisaufruf
unterstützt. Beeindruckend ist nicht nur die große Zahl
der UnterstützerInnen, sondern auch die Breite des politischen
Spektrums: Linke und sozialistische Organisationen; außerdem
Jugend-und Studentenverbände, Antifa-, Autonome-, Dritte-Welt-
und Internationalistische-Gruppen.
Eigenständige
Aufrufe formulierten das Anti-NATO-Komitee, SchülerInnen-Gruppen,
die CarnevalistInnen, Attac und die im Münchner
Friedensbündnis zusammen geschlossenen pazifistischen Gruppen.
Im Vorfeld der Aktivitäten gegen das Treffen der Welt-Kriegselite
fanden mehrere Mobilisierungsveranstaltungen statt: AktivistInnen
vom Bündnis waren mit einem einem Mobilisierungsbus
auf dem EU-Gipfel in Brüssel am 14. Dezember 2001 und bei der
Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht-Demo am 13. Januar 2002 in Berlin.
Die Internetpräsenz wurde häufig in Anspruch genommen. Als
Resultat dieser breiten Mobilisierung und den organisatorischen Bemühungen
der VeranstalterInnen kamen tausende Demonstrantinnen am ersten Februarwochenende
in der Münchner Innenstadt, um gegen die Nato-Kriegspolitik zu
protestieren und ihr Grundrecht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit,
zumindest teilweise, zurück zu erkämpften.
Die weltweite
Ausbeutung und Unterdrückung und die mörderische Kriegspolitik
der führenden NATO-Staaten sind zwei Seiten ein und der selben
Medaille - das war der gemeinsame Nenner bei der Mobilisierung. In
diesem Sinne verstanden die OrganisatorInnen und Trägerorganisationen
die Gegenaktionen in München als Teil der internationalen Protestbewegung,
die von Seattle bis Genua mit Hunderttausenden auf die Straße
gegangen war und die auch an diesem Wochenende sowohl in New York
als auch in Porto Alegre gegen den globalisierten Kapitalismus demonstrierte.
Staatliches
Säbelrasseln
Das Bayerische
Innenministerium und die Münchner Polizeiführung lieferten
bereits im November 2001 die Stichworte für eine Kampagne zur
Kriminalisierung der geplanten Gegenaktionen, die im Wortlaut die
Polizei- und Medienhetze vor dem Weltwirtschaftsgipfel 1992 wiederholten.
Linksextremisten, Chaoten und gewaltbereite Autonome würden
aus ganz Europa anreisen und München zu einem zweiten Genua
machen, hieß es. Die Polizei rüstet sich für
Straßenkrawalle, München droht das Chaos,
lauteten die Schlagzeilen in der Münchner und überregionalen
Presse.
Die Verbreitung
dieser Horror-Szenarien durch die Medien erreichte ihren Höhepunkt,
als sich Mitte Januar der Münchner SPD-Oberbürgermeister,
Christian Ude, an die Spitze der Diffamierungskampagne stellte. Er
unterstellte den OrganisatorInnen der Aktivitäten gegen die NATO-Militärtagung
den Wunsch nach Straßenschlachten und die Planung
von gewalttätigen Ausschreitungen. Auf Grundlage
derartiger Verleumdungen untersagte OB Ude Veranstaltungen zum Thema
Kapitalismus und Krieg im städtisch geförderten Eine
Welt Haus und drohte städtisch unterstützten Projekten
und Einrichtungen Konsequenzen an, falls diese das Bündnis unterstützten
oder auswärtige DemonstrationsteilnehmerInnen beherbergen würden.
Im Rahmen der
Kriminalisierungsversuche gegen das Bündnis eröffnete das
Landgericht München am 30. Januar ein Ermittlungsverfahren gegen
Unbekannt wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten.
Auf Grundlage eines kriminalisierten Flugblattes und Plakates wurde
der Infoladen München von Staatsschutzbeamten durchsucht
und alle Computer beschlagnahmt. - Zudem wurde einer der Pressesprecher
des Bündnisses am Donnerstag Abend in Unterbindungsgewahrsam
genommen.
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Ausnahmezustand
in München ...
Auf Betreiben
von Bayerischer Staatsregierung, Münchner Polizeipräsidium
und der Stadt wurde am ersten Februarwochenende, von Freitag 8.00
Uhr bis Sonntag 20.00 Uhr, der Ausnahmezustand über
das gesamte Stadtgebiet verhängt. Herbei konstruierte Erkenntnisse
der Verfassungsschutzämter aus Bund und Land, die den Aufmarsch
von bis zu 3.000 gewaltbereiten Teilnehmern heraufbeschworen
hatten, dienten als Grundlage für die Außerkraftsetzung
fundamentaler Grundrechte. Das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit
sollte, durch die Verbotsverfügung des Kreisverwaltungsreferates,
von den Münchner Straßen gefegt werden; das Recht auf Freizügigkeit
verlor sich in polizeistaatlichen Gefilden.
Den obrigkeitsstaatlichen
Vorstellungen von Demokratie und Innerer Sicherheit, fest verankert
im reaktionären Politikverständnis eines Stoiber und Beckstein,
beugten sich auch die Bayerischen Verwaltungsgerichte, indem sie dem
Totalverbot in Eilverfahren ihren juristischen Segen erteilten. Das
letzte Mittel juristisch dagegen vorzugehen, der Weg vor das Verfassungsgericht,
blieb dem Bündnis versperrt, da die Rechtsanwältin Angelika
Lex die Verbotsbegründung der zweiten Instanz viel zu spät
erhielt: Innerhalb von zwei Stunden hätte sie einen Schriftsatz
für die höchste und anspruchsvollste Gerichtsinstanz der
BRD erstellen müssen!
... wird durchbrochen!
Tausende von DemonstrantInnen,
überwiegend aus München und näherer Umgebung, jedoch
auch aus mehreren europäischen Ländern und den unterschiedlichsten
politischen Spektren, sind trotz des absoluten Demonstrationsverbotes
nach München angereist und ließen sich von der sogenannten
bayerischen Linie nicht abschrecken. Lautstark, kreativ
und unübersehbar haben sie den Versuch der bayerischen Institutionen,
ihrem legitimem Recht auf Protest und Widerstand den kollektiven
Maulkorb zu verpassen, ins Leere laufen lassen und die Entsorgung
ihrer Grundrechte nicht hingenommen.
Obwohl die Einreise
nach München massiv behindert wurde, etwa komplette Busse wieder
auf den Heimweg geschickt wurden, beispielsweise aus Wien, Zürich
und Berlin, und unzählige Platzverweise, nicht nur
im Münchner Stadtgebiet, sondern selbst am Nürnberger Hauptbahnhof
erteilt wurden, waren Tausende in die Weltstadt mit Herz
geströmt.
Bayerische
Wadlbeißer
Da die Versuche,
die Proteste gegen die Kriegstreiber im Bayerischen Hof
im Keim zu ersticken, eindeutig fehlgeschlagen waren, reagierte die
Bayerische Staatsregierung auf den zivilen Ungehorsam
tausender Menschen mit weiteren polizeistaatlichen Maßnahmen.
Mehr als 4.000 PolizistInnen wurden von Stoiber und Beckstein von
der Leine gelassen.
Die Führungsriege in der Bayerischen Staatskanzlei trägt
eindeutig die politische Verantwortung für die Massenfestnahmen
- lt. Polizeibericht, vom 3.2.02, kam es zu 849 Verhaftungen, davon
424 unter 21 Jahren und 133 unter 18 Jahren! (AZ München vom
5.2.02) -, sowie für die massiven Polizeiübergriffe und
Provokationen durch Zivilbeamte.
Während das
Münchner Stadtoberhaupt, am Freitag Abend, die Militärs
aus NATO und EU im Bayerischen Hof herzlich willkommen hieß,
gingen Sondereinheiten der Polizei brutal gegen die friedlich demonstrierende
Bevölkerung auf dem Marienplatz vor. Willkürlich wurden
mehr als 300 Menschen festgenommen.
Am Samstag Mittag
wurde der Versammlungsleiter der geplanten Gegendemonstration mit
der fadenscheinigen Begründung Aufruf zu einer verbotenen
Versammlung von Staatsschutzbeamten aus der Menschenmenge gerissen
und festgenommen. Gleichzeitig versammelten sich rund 10.000 DemonstrantInnen
auf dem Marienplatz und zogen anschließend in einem spontanen
Demonstrationszug durch die Münchner Innenstadt.
Über den
ganzen Tag hinweg wurden immer wieder Hunderte von KriegsgegnerInnen
von den Einsatzkräften stundenlang eingekesselt. Beispielsweise
mussten ca. 300 überwiegend jugendliche DemonstrantInnen, die
auf dem Weg zur Internationalen Veranstaltung im Gewerkschaftshaus
waren, bis zu fünf Stunden in der abendlichen Kälte verharren,
um anschließend erste Knasterfahrungen in einer rund zehn Quadratmeter
großen Zelle zu machen. Etwa 50 Personen wurden
dort bis zu drei Stunden eingepfercht! Eine 76 Jahre alte langjährige
Münchner Friedensaktivistin wurde von einem Polizisten gezielt
über den Haufen gerannt und einfach liegen gelassen! Sie musste
mehrere Tage wegen eines Schädel-Hirn-Traumas im
Krankenhaus verbringen.
Gewerkschaftshaus
erstmals seit 1933 von der Polizei umstellt
Am Samstagabend
war das Gewerkschaftshaus, Ort der Internationalen Veranstaltung mit
dem Titel Schulter an Schulter gegen NATO und Kapital,
von der Polizei stundenlang umstellt und abgeriegelt worden. So etwas
ähnliches gab es zuletzt am 5. März 1933! Die TeilnehmerInnen
der Veranstaltung sollten gezwungen werden, das DGB-Haus einzeln und
unter Angabe ihrer Personalien zu verlassen. Einige der Anwesenden
befürchteten zudem, dass es zu einer Stürmung des Gewerkschaftshauses
kommt; erst nach stundenlangen Verhandlungen (Forderung: Vollständiger
Abzug der Polizei), wurden die Einsatzkräfte zurückgezogen.
Innerhalb der
Gewerkschaften hat diese unglaubliche Provokation durch die Polizeiführung
zu kontroversen Diskussionen sowie zu breiten Unmutsäußerungen
geführt. Die Behinderung einer durch das Grundgesetz (Art.
8) geschützten, friedlichen Veranstaltung im Gewerkschaftshaus
durch Abriegelung mit Polizeiketten ist ein Skandal. Die dafür
Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden,
so der Landesvorsitzende der GEW-Bayern, Georg Wiesmaier, einer der
Verhandlungsführer vom Samstag Abend.
Whose
streets? ... Our streets!
Rund 10.000 DemonstrantInnen,
vorwiegend junge Menschen, hatten sich ihr Grundrecht auf Versammlungs-
und Meinungsfreiheit zurückerobert. Der Brückenschlag zwischen
den Bewegungen gegen Globalisierung und Militarismus war damit auch
praktisch - zumindest ansatzweise - gelungen. Darüber haben wir
uns sehr gefreut: Es ist ein wichtiger politischer Schritt in die
richtige Richtung. Die vielen Menschen, die sich selbstbewusst, entschlossen
und mit viel Spaß und Kreativität trotz Polizeiübermacht
in den Straßen unterwegs waren, lassen uns für die Zukunft
hoffen.
Die Absicht der
staatlichen Institutionen und der Medien, einen Spaltkeil ins Bündnis
zu treiben, schlug eindeutig fehl. Vor dem Hintergrund der politischen
Breite des Bündnisses halten wir es für einen nicht zu unterschätzenden
Erfolg, dass wir uns nicht in Gute und Böse haben
aufspalten lassen. Militanter Widerstand sollte so kriminalisiert
und entpolitisiert werden: darauf haben wir uns nicht eingelassen
und deutlich gemacht, dass es nicht die Aufgabe einer Protestbewegung
ist, den Herrschenden und Mächtigen dieser Welt zu gefallen.
Wir werden auch weiterhin die Wahl der Mittel unseres Protestes und
Widerstandes selber bestimmen! - Ude, Beckstein oder Stoiber können
zwar Verbote aussprechen, jedoch Protest und Widerstand gegen Kapital
und Krieg nicht unterbinden; das hat das Wochenende in München
eindeutig gezeigt!
Ein weiterer Aspekt,
der überhaupt nicht eingeplant und deshalb umso wertvoller ist,
wird wahrscheinlich erst im nachhinein zum Tragen kommen, nämlich
ein gewisses Aufbrechen der eingefahrenen (politischen) Strukturen
in München selber. Der staatliche Rundumschlag mit der Repressionskeule
hat auch die städtisch geförderten Gruppen und die Gewerkschaften
in den Fokus staatlicher Begierde gezerrt, was auch in diesen Strukturen
zu einer politischen Auseinandersetzung und einem solidarischen Verhalten
führte und weitergedacht, zu einem Rütteln an den bayerischen
Verhältnissen führen könnte. Diese neue Lebendigkeit
gilt es auszubauen, zum Beispiel eigene Räumlichkeiten zu schaffen,
um sich einerseits vom städtischen Gängelband zu befreien
und andererseits, sowohl im politischen als auch kulturellen Bereich,
selbstbestimmt zusammen zu kommen.
Das Verhalten
der Bayerischen Staatsregierung, das eher einem Obrigkeitsstaat, als
einer Demokratie zu Gesicht steht, ist nicht nur in Deutschland zur
Kenntnis genommen worden. Aus Protest gegen das Totalverbot in München
kam es zum Beipiel. in mehreren italienischen Städten zu Solidaritätskundgebungen
vor deutschen Botschaften und Konsulaten, selbst aus Nicaragua und
El Salvador haben uns Solidaritätserklärungen erreicht.
Auch in Porto Alegre und New York war der Ausnahmezustand in München
Thema. - Internationale Solidarität war praktisch geworden!
Aber zugleich
wurden unsere politischen Inhalte an diesem Wochenende durch den polizeistaatlichen
Ausnahmezustand massiv beeinträchtigt! Den aus aller Welt angereisten
ReferentInnen war es verwehrt, sich öffentlich politisch zu äußern
und auch die angestrebte Entwicklung gemeinsamer Perspektiven einer
bewegungsübergreifenden Zusammenarbeit, im Rahmen der Internationalen
Veranstaltung, scheiterte an Bedingungen im Gewerkschaftshaus.
Eine wichtige
Erkenntnis dieses Wochenendes ist auch, dass die Außerkraftsetzung
diverser Grundrechte nicht nur als ein bayerischer Zustand
zu betrachten ist, sondern eindeutig eine europäische Dimension
darstellt. Von Göteborg bis München hat es sich zur Tradition
entwickelt, dass Menschen an den Grenzen zurückgewiesen, ihnen
das Recht zur Demonstration genommen und der Polizei alle Rechte zur
Gewaltanwendung zugestanden werden.
Der Ausnahmezustand über München hat auch weiterhin konkrete
Auswirkungen auf die Arbeit des Bündnisses. Wir werden noch geraume
Zeit damit beschäftigt sein, die Folgen dieses Wochenendes aufzuarbeiten,
es geht darum den angewachsenen Schuldenberg abzuarbeiten, sich um
die anstehenden Verfahren zu kümmern und um die Feststellungsklage,
die gegen das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs durchgefochten
werden muss.
Teltschik lässt
bitten
Die sog. Münchner
Konferenz für Sicherheitspolitik hat auch in diesem Jahr
wieder den Beweis dafür geliefert, dass es sich hierbei um eine
Kriegskonferenz handelt. Den Repräsentanten der führenden
NATO- und EU-Mächte ging es selbstverständlich nicht um
internationale Sicherheit, sondern um Absprachen über ihre derzeitigen
und zukünftigen Militärinterventionen. Der stellvertretende
US-Verteidigungsminister, Paul Wolfowitz, brachte das auf die Formel:
Die einzige Verteidigung gegen Terrorismus ist, den Krieg zum
Feind zu bringen. (s. Artikel Kriegsgetrommel)
Von München
nach ...
Mit dem Aufruf
Von Genua nach München wollten wir verdeutlichen,
dass die politische Auseinandersetzung nicht isoliert in den Teilbereichsbewegungen
geführt werden kann, wenn an den herrschenden Unterdrückungs-
und Ausbeutungsverhältnissen gerüttelt werden soll. Wenn
wir die kapitalistischen Verhältnisse angreifen wollen, können
wir nur Erfolg haben, wenn auch die Militärapparate, die diese
Verhältnisse gewaltsam durchsetzen, in den Fokus von Protest
und Widerstand gerückt werden. Wir denken, dass diese Botschaft
bei vielen angekommen ist, die sich als Teil der Bewegung gegen die
kapitalistische Globalisierung verstehen.
Die Aktionen in
München standen in ihrer Außenwirkung nicht alleine da,
denn am ersten Februarwochenende gab es an verschiedenen Orten auf
der Welt Widerstand und Protest gegen kapitalistische Ausbeutung und
Militarisierung. Wir denken, wir haben deutlich gemacht, dass uns
mit den Menschen, die in Zürich und in New York gegen das World
Economic Forum auf die Straße gegangen sind oder auch
mit den Kämpfen in Argentinien mehr verbindet als nur ein zufällig
gleiches Datum der Aktionen.
München hat
auch gezeigt, wie sehr Militarisierung nach außen und Repression
nach innen zusammenhängen. Wir haben erlebt, wie versucht wurde,
durch Veranstaltungs- und Demonstrationsverbote, die Kommunikation
und öffentliche Sichtbarkeit von KriegsgegnerInnen nicht nur
zu behindern, sondern durch mediale Panikmache zu isolieren und zu
kriminalisieren. Vor dem Hintergrund des 11. September liegt diese
Praxis ganz im Trend der Zeit: Staatliche Angriffe gegen revolutionäre
und soziale Bewegungen werden der Öffentlichkeit als Vorbeugung
gegen Terror verkauft.
Auf Grundlage
der auf dem EU-Gipfel in Brüssel verabschiedeten neuen Terror-Definition
rollt in Spanien und im Baskenland im Moment eine massive Kriminalisierungswelle
gegen die radikale Linke, gegen Studierendenproteste und gegen alle
GegnerInnen der EU. In vielen Ländern der Welt, z.B. in in der
Türkei oder in Kolumbien, wird der Krieg gegen die sozialen Bewegungen
mit mörderischem Terror geführt. - Allein aus diesen Gründen
müssen wir die Kämpfe gegen die kapitalistische Globalisierung,
gegen Militarisierung und Repression als eine Sache begreifen!
Wir sollten uns
zudem bewusst sein, dass wir auch der rassistischen Formierung der
Gesellschaft, unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung, etwas entgegensetzen
müssen. Jede neue Verschärfung der Ausländergesetze,
beispielsweise die von Schily und Beckstein geplante Internierung
von Flüchtlingen in sog. Ausreiselagern, wird als
Antiterrormaßnahme durchgesetzt. Die Kämpfe von Flüchtlingen
und MigrantInnen, die durch Repression und Illegalität unsichtbar
gemacht werden sollen, sind ein wichtiger Ausdruck eines weltweiten
Kampfes um soziale Rechte und globale Bewegungsfreiheit, somit auch
gegen die Zerstörung der sogenannten Dritten Welt und die Ausbeutung
in prekären Arbeitsverhältnissen gerichtet. - Free movement
against imperialism!
Für uns war
es eine wichtige Erfahrung der Mobilisierung gegen das Treffen der
Welt-Kriegselite, Menschen mit sehr unterschiedlicher politischer
Geschichte und Positionen kennen zu lernen und gemeinsam zu handeln.
In diesem Sinne sollten wir weiter überlegen, denn eine Bewegung
kann keine starre Einheit sein, sondern sollte sich viel mehr in einem
offenen Prozess weiterentwickeln, der verschiedene Erfahrungen und
Herangehensweisen respektiert und zulässt.
Auf einer solchen
Grundlage können wir es schaffen, eine Bewegung aufzubauen, die
sich nicht nur an einem einzelnen Teilbereich abarbeitet, sondern
die herrschenden Verhältnisse mit all ihren unterschiedlichen
Formen von Unterdrückung und Ausbeutung in Frage stellt!
Redaktionsgruppe
des Bündnisses gegen die Nato-Sicherheitskonferenz, München
im März 2002
[ © Münchener
Bündnis gegen die Nato-Sicherheitskonferenz ]
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