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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr. 10-
Winter 2001 - Seite 12
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: Web-tv: Sharon als Soap
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/ So oder So webwatcher
[ aus: So oder
So - Die Libertad!-Zeitung Nr. 10 /Winter 2001, Seite 12 ]
Web-tv: Sharon
als Soap
Für manche Araber beginnt der Humor, wo er für die meisten
(linken) Europäer längst aufgehört hat. Wo für
hiesige Verfechter der political correctness der Ernst des Lebens
beginnt, fängt der Spaß - etwa im arabischen Fernsehen
- erst so richtig an. Konkret, in Bildern ausgedrückt, wenn der
israelische Ministerpräsident Sharon zur Flasche greift, einen
großen Schluck daraus nimmt, sich die Finger leckt und mit leuchtenden
Augen den Geschmack des Gesöffes preist - es handelt sich um
das Blut palästinensischer Kinder.
Seit dem Beginn des Fastenmonats Ramadan wird der israelische Regierungschef
in der arabischen Soap Die Verbrecher derart rüde
karikiert. Sharon erscheint hier als blutsaufender, größenwahnsinniger
Psychopath und notorischer Ehebetrüger, der sich, wann immer
es das Palästinensermorden erlaubt, auf seine Yacht zurückzieht,
um das Bett mit der jungen Susi zu teilen. Und ist Susi
einmal nicht da, so findet sich schnell eine Andere.
Für seine Untergebenen hat Sharon nur Beleidigungen übrig:
die Agenten des Geheimdienstes nennt er faule Penner, die mir
nur das Geld aus der Tasche ziehen. Mit ihren Spitzhüten,
vernarbten Gesichtern und dunklen Umhängen erscheinen seine Handlanger
wie eine leibhaftige Kreuzung aus Dracula und Harry Potter. Die
Intifada, brüllt Sharon sie an, sollte nur ein Jahr
dauern, habt ihr gesagt. Aber sie geht weiter, obwohl wir jeden Tag
Palästinenser schlachten. Ebenfalls eine Hauptrolle in
dieser Comedy spielt ein orthodoxer, homosexueller Jude mit Namen
Ehud. Er läuft niemals ohne Kippa durch die Sendung, seine Locken
wippen im Takt seines stets übertrieben gesäß- und
hüftbetonten Gangs. Ehud ist der Berater des Ministerpräsidenten.
Seinen Meister begrüßt er allmorgendlich mit samtweichhoher
Stimme: Hello Mister Sharooooon.
Ausgestrahlt wird diese Soap, bei der es schwer fällt, keine
antisemitische Passage zu finden, nicht zufällig in Zeiten des
Ramadan. Denn der arabische Fastenmonat ist in der sich entwickelnden
Mediengesellschaft des Nahen Ostens immer mehr der Zeitraum, in dem
verstärkt aufgrund glaubensbedingter leiblicher Enthaltsamkeit
das Fernsehen an erster Stelle des Massenkonsums steht. Und hier ist
die Soap des arabischen Satellitensenders Abu Dhabi TV mit Sharon
als Hauptfigur ein wahrer Strassenfeger. Die Verbrecher
bringt derart hohe Einschaltquoten, dass einzelne Folgen mittlerweile
dreimal täglich ausgestrahlt werden. Das hat auch Israel bemerkt.
Den Protest des israelischen Außenministers Peres wies allerdings
unlängst der Kulturminister von Kuweit - ein Emirat, welches
ansonsten in Sachen Zensur nicht zimperlich ist und wo die Serie auch
ausgestrahlt wird - mit dem bezeichnenden Hinweis auf die Pressefreiheit
zurück.
Trotz aller Freiheit zur Satire kann die entsprechende Antwort auf
einen derart puren Antisemitismus letztlich nur lauten: nicht nur
antinationale Netzpiraten aller Länder vereinigt euch! - und
schickt eure Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS) oder andere
Cybertorpedos an den auch über das Internet empfangbaren livestream
des TV-Senders: <http://www.arab2.com/radiotv/abudabi.htm>
[ © So oder
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