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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 10 - Winter 2001 - Seite 4
What really happened on 23rd oct 2001
[ Inhalt Nr. 10.]
Nordirland: What really happened on 23rd oct 2001
Die Konversion der IRA-Waffen. Das historische Ereignis von Maudabawn und Dumgoon

[ aus: So oder So - Die Libertad!-Zeitung Nr. 10 /Winter 2001, Seite 4 ]

In der Grafschaft Cavan mit dem Seengewirr des oberen Lough Erne, so heißt es in einem deutschsprachigen Irland-Reiseführer, dominieren Wasser, Weiden und Gehölze. Hier schlug dieser Tage die Sternstunde für Sean McMahon, seines Zeichens Lokalreporter des örtlichen Wochenblattes The Anglo-Celt. In zwei Artikeln (vom 1. und 8. November) durfte Mr. McMahon schildern, wie sich vor zwei Wochen im Unterholz Cavans nahezu die gesamte Special Branch, die politische Polizei der Republik Irland also, drängelte, um auszuspähen, wie die Irisch-Republikanische Armee (IRA) einen Teil ihres Waffenarsenals unbrauchbar machte, das sie zu einem Großteil dem libyschen Revolutionsführer Gaddafi verdankte.
War sich Mr. McMahon letzte Woche noch unsicher, was wirklich in der nahe der Grenze zu Nordirland gelegenen, normalerweise äußerst ereignisarmen Grafschaft geschehen war, so legte er diese Woche nach: „Wenn in den kommenden Jahren die detaillierte Geschichte des Friedensprozesses geschrieben werden wird, werden uns die Ortsnamen Maudabawn und Dumgoon von den Buchseiten entgegen springen.“
In dem Aufmacher des Anglo-Celt aus McMahons Feder heißt es, das IRA-Waffenlager befände sich auf einem Acker in der Nähe eines abgelegenen bäuerlichen Anwesen. Von diesem biete sich ein hervorragender Blick über den malerischen Lough Sillan. Von diesem See, gelegen in der Mitte eines von den geographischen Punkten Cavan, Dundalk, Kells und Monaghan gebildeten Rechtecks, berichtet unser Reisebuch, er sei bekannt für seine großen Hechte.

Das Waffenlager, so freute sich McMahon, „blieb während der dreißig Jahre der nordirischen Troubles intakt und unentdeckt“. Doch dann tauchten die großen Hechte der Spezie homo politicus auf.
McMahon kommt das Verdienst des ersten Berichtes über den genauen Ablauf der irisch-republikanischen Dekommissionierungsaktion zu. Demnach habe sich am Morgen des 23. Oktober 2001 der Armeerat der IRA in Maudabawn zusammen gefunden, um sodann mit zwei PKWs zum Waffenbunker zu fahren. „Zwei weitere Wagen rauschten durch Shercock, an Bord der kanadische General John de Chastelain, Leiter der Internationalen Abrüstungskommission, der frühere finnische Präsident Martti Ahtisaari sowie Cyril Ramaphosa, der frühere Generalsekretär des südafrikanischen African National Congress (ANC).“
Der Sinn-Fein-Chefunterhändler und nordirische Bildungsminister Martin McGuinness und sein Team hätten sich mit den Herren Abrüstern getroffen, dann seien alle zusammen zu dem abgelegenen Gehöft gefahren. Dort hätte De Chastelain Waffen und Munition gezählt sowie den Plastiksprengstoff gewogen, dann sei schnell trocknender Zement der Firma Sean Quinn aus der Grafschaft Fermanagh über die unterirdisch in einer Art Faulbehälter gelagerten Waffen gekippt worden: „Der Zement wurde mit großem fachmännischen Geschick in den Bunker gegossen und die gesamte Operation mit großer Präzision ausgeführt. Vor dem Hereinbrechen der Abenddämmerung war alles erledigt. Als die ländliche Gegend von Dumgoon zur Normalität zurückkehrte, rosteten die Kriegswaffen bereits friedlich vor sich hin.“
Die Betonierungsexperten, so hatte McMahon schon letzte Woche geschrieben, hätten auch nicht vergessen, eine rostfördernde Chemikalie über das Kriegsgerät zu gießen.

Aus irischen Regierungs- und Polizeikreisen verlautete derweil, der Bericht von Mr. McMahon könne nicht bestätigt werden. Es lägen keine Informationen darüber vor, wo sich der erste Akt der Dekommissionierung zugetragen habe. Zudem sei in Dublin von einer „verdeckten Operation“ der Special Branch nichts bekannt.
Dieses Dementi gehört gewiss zu den Vereinbarungen über die Modalitäten der Waffenabgabe durch die IRA. Spätestens seit Ramaphosa und Ahtisaari zum ersten Mal deren Waffenlager inspizieren durften und nach weiteren Besuchen „ungebrochene Siegel“ meldeten, wusste auch die südirische Polizei, wo sich Semtex und die Kalaschnikows befinden, schließlich hatten Special-Branch-Polizisten die Inspekteure eskortiert.

Jürgen Schneider

[ © So oder So / Libertad! Falkstr. 74, 60487 Frankfurt ]


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:18
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