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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 10 - Winter 2001 - Seite 2
Italien: Razzien gegen die Bewegung
[ Inhalt Nr. 10.]
Italien: Razzien gegen die Bewegung

[ aus: So oder So - Die Libertad!-Zeitung Nr. 10 /Winter 2001, Seite 2 ]

Mit dem Vorwurf der „Mitgliedschaft in subversiven Vereinigungen“ versucht der italienische Staatsschutz die aktivistische Linke aufzurollen. Der September wurde so zum Monat der Hausdurchsuchungen und Verhaftungen. In Mailand wurden am 12.9. drei Aktivist/innen des Centro Sociali „Vittoria“ festgenommen und nach 10 Tagen Haft unter Hausarrest gestellt. Zwischen dem 17. und dem 19. September wurden in ganz Italien Centri Sociali und Privatwohnungen durchsucht. Mindestens 60 Menschen aus dem anarchistischen Spektrum erwartet danach die Anklage wegen „Mitgliedschaft in einer subversiven Vereinigung“ - die italienische Variante des deutschen § 129a.
Am 24.9. wurden die Wohnungen von acht jungen Arbeiter/innen und Student/innen in Florenz durchsucht; wieder war der Grund die „Mitgliedschaft“ in einer imaginären „subversiven Vereinigung“.

Hintergrund der Razzien ist das Erstarken einer emanzipatorischen und antagonistischen Linken in Italien. Die Tage von Genua verdeutlichten, dass es eine zwar sehr heterogene aber massive Bewegung gibt, die die Frage nach einer internationalen Veränderung der kapitalisierten Weltverhältnisse unübersehbar auf die Straße trägt. Hinzu kommt: der Widerstand gegen die Globalisierung wie gegen den Krieg hat in Italien eine Basis und eine sich entwickelnde Dynamik, die - wie sich bereits in Genua manifestierte - die institutionellen Muster des Protestes längst verlassen hat.

Der Schlag in Florenz

CPA-LogoSeit 12 Jahren bot das „Centro Populare Autogestito“ (CPA) im Süden von Florenz täglich Raum für Kultur und Politik, und war als Treffpunkt gleichermaßen beliebt wie bekannt.
Die Stadtverwaltung dagegen ließ seit langem nichts unversucht, das rebellische, auf einem besetzten Fabrikgelände gelegene Centri Sociali räumen zu lassen. Nach ihren Plänen soll auf dem weiträumigen Gelände des CPA ein futuristisches Konsum-Center incl. einer riesigen Shopping-Mall und Kinos entstehen. Um die Räumungsklagen politisch durchzusetzen und das CPA öffentlich zu diskreditieren, wurde auch vor der spezifisch italienischen „Strategie der Spannung“ nicht zurückgeschreckt. So wurden wiederholt und zuletzt im September dieses Jahres von der Stadtverwaltung angebliche an sie adressierte Briefbomben präsentiert, die mit dem Absender des Centri Sociali versehen waren. Und bereits im Februar drohte eine Räumung, die aber durch eine breite Mobilisierung der Linken in Florenz noch einmal abgewendet werden konnte.

Zwei Monate nach dem 12. Jahrestag der Besetzung, den das CPA noch mit einem öffentlichen Festessen mit über 500 Gästen feierte, schlug die Stadtverwaltung entgültig zu. Am frühen Morgen des 28.11. besetzte ein Großaufgebot der Polizei das zu diesem Zeitpunkt noch menschenleere Gelände und begann mit dem sofortigen Abriss der alten Fabrikhallen. Die Bewegung antwortete noch am gleichen Tag mit Demonstrationen, Strassenblockaden und einer symbolischen Wiederbesetzung des Abrissgeländes, an der über 300 Menschen teilnahmen.

„Das CPA existiert nicht mehr, aber das Kollektiv, das es getragen hat, ist noch am Leben“, erklärte eine Sprecherin des Centri Sociale noch am gleichen Abend auf einer Kundgebung. „Es wird nicht hier und heute enden, ein neues CPA wird besetzt werden - bald!“

[ © So oder So / Libertad! Falkstr. 74, 60487 Frankfurt ]


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