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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 8 / Frühjahr 2001 - Seite 20
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So oder So webwatcher

Cyberintifada?

 

Um den Rückzug der deutschen Kfor-Einheiten zu erzwingen, legt eine internationale Terrorgruppe das Telefonnetz und die Stromversorgung Berlins lahm, Chaos bricht aus: Cyberwar! Und all dies nur mithilfe einiger Laptops. Die virtuellen Attacken, die nun auch die Bundeswehr simuliert, stehen der Phantasie des us-amerikanischen Vorbilds kaum nach. Das Pentagon hat den Cyberspace neben Land, Wasser, Luft und Weltraum längst zum fünften battleground erklärt. Dass Osama Bin Laden persönlich mit ein paar Befehlszeilen die Macht über das Leitsystem eines Flugzeugträgers erlangt, ist heute - nur ein Szenario. Der bekannte Islamist zumindest nutzt das Internet eher, um seine Korrespondenz in westlich-dekadenten Porno-Dateien zu tarnen.
Cyberwar - ein Produkt des Internethype oder eine Geldbeschaffungsmaßnahme für das US-Militär? Gabriel Weimann, Leiter der Fakultät für Kommunikation der Universität in Haifa, sieht im aktuellen Nahostkonflikt „das erste Mal in der Geschichte des Internet, dass ein wirklicher Krieg zwischen zwei Parteien auf sehr deutliche Weise stattgefunden hat."
7. Oktober 2000: Die Hisbollah hatte gerade mit der Festnahme dreier israelischer Soldaten einen militärischen Coup gelandet, da brach Stunden später ihre Website unter der Last von Aufrufen aus Israel und den USA zusammen. Eine israelische Site hatte unter dem Slogan „ATTACK & DESTROY HIZBALLAH" ein Programm ins Netz gestellt, das den Nutzer/innen ermöglichte, automatisiert immer wieder die angepeilte Seite zu laden, bis diese überlastet wird. Keine 24 Stunden später schlug das arabische Lager mit gleichen Mitteln zurück: „Defend the Resistance!" - die Websites der israelischen Regierung, der Knesset sowie der Börse gingen in die Knie. Einige Tage später war im Gegenzug die Palästinensische Verwaltung nicht mehr erreichbar. Diese sogenannten Denial of Service-Attacken zerstörten keine Daten. Als jedoch auch die Seiten, mit deren Hilfe die Angriffe ausgeführt worden waren, zusammenbrachen, nahm die Auseinandersetzung andere Züge an. Die pakistanischen Hackercrews „GForce" und „m0r0n and nightman" drangen in über 100 israelische Websites ein, wo sie unter anderem Fotos des in den Armen seines Vaters erschossenen Jungen Mohammed Al-Durah hinterließen. „GForce" stahl außerdem 700 Kreditkartennummern von Spender/innen der proisraelischen Lobbygruppe AIPAC. Unterdessen knackten Hacker aus dem Umfeld des „Israeli Internet Underground" etwa 30 propalästinensische Websites. Unterstützung bekamen sie von Ehud Tenenbaum, bekannt als Hacker „Analyzer", der 1998 in das System des Pentagon vorgedrungen war und heute die israelische Sicherheitsfirma „2XS" leitet. Der vormalige Hacker, den Israel nicht an die USA ausliefern wollte, sicherte nun kostenlos israelische Websites und versuchte, vergeblich allerdings, die GForce-Crew aufzuspüren.
Im Januar 2001 zog die US-Sicherheitsfirma „iDefense" eine erste Bilanz: 166 proisraelische und 34 propalästinensische websites, mail- und name-server waren attackiert worden. Während israelische Regierungsstellen etwas hilflos über „virtuellen Terrorismus" klagten, freute sich die Hisbollah: „Arabische Menschen auf der ganzen Welt wollen, je nach eigener Leistungskraft und eigenem Wissen, einen Beitrag für den Widerstand leisten, und der Cyberwar hat dazu eine Tür geöffnet."
Tatsächlich erlitt Israel eine Niederlage, allerdings keine, die in militärischen Kategorien zu erklären ist: Versorgung und Kommunikation der Armee und Regierung waren nie in Gefahr. Trotz martialischer Begriffe handelte dieser erste Cyberwar nicht von Radaranlagen und Kraftwerken, sondern im wesentlichen von sich selbst. Seine Wirkung entfaltete er als Bild. Die Hacker hypten das Bild klappernder Laptops in Beiruter Hinterhöfen, gegen die Israel mit seinen Lenkkopfraketen machtlos erschien - so machtlos wie die Besatzungssoldaten es gegenüber den Steinwürfen 12-jähriger Kinder während des ersten Aufstandes waren. Cyberintifada!

Mehr im Internet unter:
www.heise.de/tp/deutsch/special/info


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:19
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