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So oder So webwatcher
Cyberintifada?
Um den Rückzug
der deutschen Kfor-Einheiten zu erzwingen, legt eine internationale
Terrorgruppe das Telefonnetz und die Stromversorgung Berlins lahm,
Chaos bricht aus: Cyberwar! Und all dies nur mithilfe einiger Laptops.
Die virtuellen Attacken, die nun auch die Bundeswehr simuliert, stehen
der Phantasie des us-amerikanischen Vorbilds kaum nach. Das Pentagon
hat den Cyberspace neben Land, Wasser, Luft und Weltraum längst
zum fünften battleground erklärt. Dass Osama Bin Laden persönlich
mit ein paar Befehlszeilen die Macht über das Leitsystem eines
Flugzeugträgers erlangt, ist heute - nur ein Szenario. Der bekannte
Islamist zumindest nutzt das Internet eher, um seine Korrespondenz
in westlich-dekadenten Porno-Dateien zu tarnen.
Cyberwar - ein Produkt des Internethype oder eine Geldbeschaffungsmaßnahme
für das US-Militär? Gabriel Weimann, Leiter der Fakultät
für Kommunikation der Universität in Haifa, sieht im aktuellen
Nahostkonflikt das erste Mal in der Geschichte des Internet,
dass ein wirklicher Krieg zwischen zwei Parteien auf sehr deutliche
Weise stattgefunden hat."
7. Oktober 2000: Die Hisbollah hatte gerade mit der Festnahme dreier
israelischer Soldaten einen militärischen Coup gelandet, da brach
Stunden später ihre Website unter der Last von Aufrufen aus Israel
und den USA zusammen. Eine israelische Site hatte unter dem Slogan
ATTACK & DESTROY HIZBALLAH" ein Programm ins Netz gestellt,
das den Nutzer/innen ermöglichte, automatisiert immer wieder
die angepeilte Seite zu laden, bis diese überlastet wird. Keine
24 Stunden später schlug das arabische Lager mit gleichen Mitteln
zurück: Defend the Resistance!" - die Websites der
israelischen Regierung, der Knesset sowie der Börse gingen in
die Knie. Einige Tage später war im Gegenzug die Palästinensische
Verwaltung nicht mehr erreichbar. Diese sogenannten Denial of Service-Attacken
zerstörten keine Daten. Als jedoch auch die Seiten, mit deren
Hilfe die Angriffe ausgeführt worden waren, zusammenbrachen,
nahm die Auseinandersetzung andere Züge an. Die pakistanischen
Hackercrews GForce" und m0r0n and nightman"
drangen in über 100 israelische Websites ein, wo sie unter anderem
Fotos des in den Armen seines Vaters erschossenen Jungen Mohammed
Al-Durah hinterließen. GForce" stahl außerdem
700 Kreditkartennummern von Spender/innen der proisraelischen Lobbygruppe
AIPAC. Unterdessen knackten Hacker aus dem Umfeld des Israeli
Internet Underground" etwa 30 propalästinensische Websites.
Unterstützung bekamen sie von Ehud Tenenbaum, bekannt als Hacker
Analyzer", der 1998 in das System des Pentagon vorgedrungen
war und heute die israelische Sicherheitsfirma 2XS" leitet.
Der vormalige Hacker, den Israel nicht an die USA ausliefern wollte,
sicherte nun kostenlos israelische Websites und versuchte, vergeblich
allerdings, die GForce-Crew aufzuspüren.
Im Januar 2001 zog die US-Sicherheitsfirma iDefense" eine
erste Bilanz: 166 proisraelische und 34 propalästinensische websites,
mail- und name-server waren attackiert worden. Während israelische
Regierungsstellen etwas hilflos über virtuellen Terrorismus"
klagten, freute sich die Hisbollah: Arabische Menschen auf der
ganzen Welt wollen, je nach eigener Leistungskraft und eigenem Wissen,
einen Beitrag für den Widerstand leisten, und der Cyberwar hat
dazu eine Tür geöffnet."
Tatsächlich erlitt Israel eine Niederlage, allerdings keine,
die in militärischen Kategorien zu erklären ist: Versorgung
und Kommunikation der Armee und Regierung waren nie in Gefahr. Trotz
martialischer Begriffe handelte dieser erste Cyberwar nicht von Radaranlagen
und Kraftwerken, sondern im wesentlichen von sich selbst. Seine Wirkung
entfaltete er als Bild. Die Hacker hypten das Bild klappernder Laptops
in Beiruter Hinterhöfen, gegen die Israel mit seinen Lenkkopfraketen
machtlos erschien - so machtlos wie die Besatzungssoldaten es gegenüber
den Steinwürfen 12-jähriger Kinder während des ersten
Aufstandes waren. Cyberintifada!
Mehr im Internet
unter:
www.heise.de/tp/deutsch/special/info