RZ-Prozess
in Berlin begonnen - Rulf S. erneut festgenommen
Sorge um grünen beistand und autonome Vorwürfe
Seit dem 22.3.01
läuft in Berlin der RZ-Prozess gegen Sabine E., Matthias B.,
Harald G. und Axel H.. Es ist nach dem OPEC-Prozeß gegen H.
J. Klein und Rudolf S. und dem Prozess gegen den Kronzeugen Tarek
Mousli der dritte RZ-Prozess innerhalb eines Jahres. Weil Rudolf im
OPEC-Prozess freigesprochen worden war, hatte es das Berliner Kammergericht
abgelehnt, gegen ihn ein Verfahren zu eröffnen und ihn freigelassen
- und das, obwohl er laut Aussagen von Tarek Mousli bei den Anschlägen
in Berlin der Rädelsführer" gewesen sein soll.
Am 30.3.01 hat nun der BGH entschieden, dass Rudolf wieder in U-Haft
genommen wird und in Berlin doch ein Prozess gegen ihn geführt
werden muss. Derweil schlägt die Debatte um den Prozess sowohl
in der bürgerlichen wie in der linken Presse hohe Wellen.
Grüner
Beistand für Revoluzzer" und Aufruf zugunsten mutmaßlicher
Terroristen" - nach Fischer, Trittin und Castor jetzt auch noch
das: Da sind doch tatsächlich Jetzt-Parteichefin der Grünen,
Claudia Roth und Jetzt-Ministerin für BSE und MKS, Renate Künast
(neben vielen anderen) Erstunterzeichner/innen eines Aufrufs, in dem
die Aufhebung der Haftbefehle gegen die Gefangenen im Berliner RZ-Verfahren
und die Einstellung des §129a Ermittlungsverfahrens gefordert
werden. Von der Abschaffung des Ausforschungsparagrafen §129a",
von Verjährung, Kronzeugenregelung und - welch böse Worte
- von der zunehmend inhumaneren bundesdeutschen Flüchtlingspolitik",
gegen die sich die Anschläge der RZ gerichtet haben, ist in dem
gutformulierten Aufruf die Rede. Unterzeichnet wurde der Aufruf von
Roth und Künast bereits im März letzten Jahres, also bevor
sie in diesen Ämtern und Würden waren. Deshalb beeilen sie
sich jetzt auch festzustellen, dass sie selbstverständlich nicht
gegen eine Verurteilung der Angeklagten sind, sofern die Vorwürfe
nachgewiesen würden. Also: wieder zurück auf los. Die Initiative
Bis gleich", die diesen Aufruf gestartet hat, sorgt sich
wegen der grossen Aufregung um diese Unterschriften völlig grundlos
darum, dass nun auch das rechtsstaatliche Engagement von Politiker/innen
der Bündnisgrünen und anderer Unterzeichner/innen Gegenstand
einer solchen Diffamierungskampagne werden wird."
Gemeint ist hier, dass beide auch einer solchen Diffamierungskampagne"
wie die armen Grünen Fischer und Trittin ausgesetzt sein könnten.
Worum wir uns als Linke heutzutage alles kümmern müssen,
nun auch noch um lauter Minister/innen und Vorsitzende... - aber die
Gründe für derlei Sorgen sind nicht allzu viele, hält
sich doch das rechtsstaatliche Engagement" gegen die inhumane
Flüchtlingspolitik" und den Ausforschungsparagrafen
§129a" (der hauptsächlich Kurd/innen betrifft) bei
den Bündnisgrünen und deren Minister/innen und Vorderfrauen
sichtlich in Grenzen.
Tiefpunkt",
Dokument der Verantwortungslosigkeit" und autonomer
Versuch einer Counter-counter Strategie" (!), so steht´s
in analyse & kritik und so sehen es die, die die Solidaritätsarbeit
zum RZ-Prozess machen - starke Worte gegen ein Papier einiger
Autonomer" in der Berliner Interim. Die hatten geschrieben, dass
einige Verteidiger wohl eher auf dem Fischer-Kurs der Deligitimierung
militanter Politik sind und dass sie mehr damit beschäftigt sind,
die eigenen Reihen zu säubern (...), als der BAW Contra
zu bieten". Das mit den eigenen Reihen säubern ist so gelaufen,
da lässt sich nichts gegen sagen. Kritiklos hinzunehmen, dass
so jemand wie der Vergewaltiger-Verteidiger und TAZ-Anwalt Jony Eisenberg
in diesem Verfahren Anwalt ist, fällt schwer - entweder es ist
Programm oder man unterstellt bei allen Beteiligten kollektive Amnesie.
Den Gefangenen wird in dem Papier inhaltliches Wegtauchen und Nichtverhalten
gegenüber der Soliarbeit und der gelaufenen Diskussion vorgeworfen,
den Anwält/innen falsche Taktik, weil sie nicht offensiv genug
sind und Tarek schlicht Verrat. Auch gibt es viele Ratschläge
und Feststellungen, was die Autonomen bzw. die radikale Restlinke
hätten tun können und was sie tun sollten, aber bisher nicht
getan haben, damit militanter Widerstand eine Option bleibt und das
Schreiben der RZ-Geschichte nicht Sache der BAW ist.
Da ist möglicherweise, vor allem aus einer spezifischen Sicht
aus den 80er Jahren heraus, vieles dran richtig. Das Problem ist nur,
dass die ganze eingeforderte Diskussion gelaufen ist und alle Entscheidungen
bezüglich der Prozessführung bereits gefallen sind. Sie
sind längst anders entschieden, als einige Autonome"
sich das wünschen. Und dass die Anwälte, die Gefangenen
und die, die im Augenblick die praktische Soliarbeit machen, einen
ganz anderen Zugang haben, als die Option auf militanten Widerstand"
und diesen Prozess miteinander zu verkoppeln, wie es dieses Papier
wünscht, ist seit langem offensichtlich.
Der Prozess gegen
Sabine, Matthias, Harald und Axel findet jeweils Donnerstag und Freitag
im Sicherheitsbereich in Berlin-Moabit statt. Bisher ist er über
Vorgeplänkel noch nicht hinaus gekommen und er wird über
die BGH-Entscheidung zu Rudolf weiter verzögert. Es sieht so
aus, dass Rudolf keinen eigenen Prozess bekommt, wie es ursprünglich
aussah, sondern in dem laufenden Prozess dazu kommt. Dann würde
der Prozess für sechs Wochen unterbrochen, um die Akten einzuführen
und er ginge dann mit Rudolf weiter. Wegen der Verzögerung haben
die Anwälte Haftprüfung beantragt. Es gibt eine Prozessbeobachtung
mit Prozessbeobachter/innen aus fünf europäischen Ländern,
die auch erste Erfahrungen mit den deutsche Sicherheitsbehörden
gemacht haben: Abtasten mit Gummihandschuhen, im Gerichtssaal sind
sogar Zettel un Bleistift verboten. Dafür dürfen die Personenschützer
von Tarek Mousli im Gerichtssaal bewaffnet sein.
Lothar E., der in Kanada verhaftet wurde und gegen den ein Auslieferungsverfahren
in die BRD läuft, ist gegen eine Kaution von DM 160.000 frei.
Die kanadischen Behörden haben bereits Zweifel an der Zulässigkeit
der Auslieferung geäußert, das Verfahren wird im Sommer
statt finden. Sonja S. und Christian G., die in Paris ebenfalls wegen
RZ-Vorwürfen festgenommen worden waren, sind frei: eine Auslieferung
ist von der französischen Justiz abgelehnt worden. Der war der
OPEC-Vorwurf zu windig und zu lange her.

Die erwähnten Papiere und weitere Informationen incl. einer fortlaufenden
Prozessberichterstattung sind im Internet zu finden unter: www.freilassung.de