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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 8 / Frühjahr 2001 - Seite 5
75 Jahre Lufthansa: Immer die Nase im Wind der Zeit...
[ Inhalt Nr. 8.]
75 Jahre Lufthansa: Immer die Nase im Wind der Zeit...

Die Lufthansa, „Diener von Volk und Staat", so lautete der Ehrentitel für den Konzern in Nazideutschland. Vor dem Hintergrund ihrer Mitschuld an der Ausbeutung und Ermordung vieler Zwangsarbeiter/innen ist die Lufthansa der Stiftung der deutschen Industrie für die Entschädigung der Zwangsarbeiter/innen schnell beigetreten. Die Lufthansa hatte allen Grund, dies möglichst geräuschlos zu machen. Eine öffentliche Diskussion über ihre Beteiligung an den Naziverbrechen könnte zu einem internationalen Imageschaden führen.

Die Lufthansa war in die deutschen Kriegsvorbereitungen verstrickt. Seit ihrer Gründung 1926 war die Fluglinie an der Planung und Durchführung geheimer Rüstungsprogramme beteiligt. Seit 1933 wurden verstärkt Anstregungen unternommen, eine kriegsfähige Luftwaffe zu entwickeln. Hermann Göring und sein Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium Erhard Milch, der Direktor der Lufthansa, waren die Hauptverantwortlichen bei der geheimen Aufstellung der deutschen Luftwaffe.
Die zivilen Flugzeuge der Lufthansa wurden seit 1933 als sog. Behelfsbomber im Krisenfall eingeplant. 1936 beteiligte sich die Lufthansa mit Flugzeugen für die Truppen des Generalisimo Franco am Krieg gegen die spanische Republik. Schon vor dem zweiten Weltkrieg hatte es zahlreiche geheime Einsätze gegeben. So erteilte Milch am 17.10.1938 einem Piloten den Auftrag, Lufaufnahmen von der (künftigen) Sudeten-Grenze bei Mährisch-Ostrau zu machen. Zu Beginn der „Sudetenkrise" 1938 standen Lufthansa-Flugzeuge mit SS-Mannschaften für den Fall bereit, dass die Besetzung des „Sudetenlandes" auf Widerstand stoßen sollte. Diese „Friedenseinsätze" wurden nach offiziellem Kriegsbeginn erheblich ausgeweitet. Besatzungen der Lufthansa beteiligten sich an Militäroperationen und geheimen Kommandounternehmungen. Ab Kriegsbeginn arbeiteten die Lufthansa-Werkstätten ausschließlich für die Luftwaffe. In diesen kriegswichtigen Betrieben wurden schon früh die ersten Kriegsgefangenen und Zwansarbeiter/innen zur Arbeit gezwungen.

In München mussten 248 Kriegsgefangene für die Lufthansa arbeiten. In Lübeck unterhielt das Luftwaffenzeugamt zusammen mit der Lufthansa drei Lager für 480 zivile „Fremdarbeiter/innen". In Echterdingen bei Stuttgart waren 247 holländische Zwangsarbeiter am Flughafen zur Wartung der Flugzeuge eingesetzt. 1942 wurden noch einmal zusätzlich 477 Russ/innen in dieses Lager verschleppt. Rund um den heutigen Rhein-Main-Flughafen bei Frankfurt gab es mehrere Lager von Zwangsarbeiter/innen, die für den Ausbau des Flufhafens eingesetzt wurden.

Jan Matusiak, ein polnischer Zwangsarbeiter, über das Gemeinschaftslager Deutsche Lufthansa AG Berlin-Staaken: „Das Leben im Lager war schrecklich. In einem Zimmer schliefen 20 Personen. Eine schwere Strafe für uns war der Hunger, einen halben Liter wässrige Suppe täglich und anderthalb Kilo Brot für sechs Personen. Stahl jemand Steckrüben oder Kartoffeln, so wurde er an Händen und Beinen an der Barackenwand aufgehängt, und er hing solange, bis er fast ohnmächtig wurde... Und zusätzlich wurden wir für jedes Vergehen verprügelt. Juden und Polen wurden schlechter als ein Hund behandelt..."

Die Lufthansa-Verantwortlichen wurden nach dem Krieg nicht belangt. Nur Erhard Milch wurde im Nürnbeger Kriegsverbrecherprozess „wegen Zwangsarbeit und Deportation zur Sklavenarbeit" u.a. Kriegsverbrechen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, aber 1954 begnadigt. Einer seiner Fürsprecher: Otto Graf-Lambsdorf, später u.a. Wirtschaftsminister, wegen Steuerhinterziehung vorbestraft - und heutiger Aufsichtsrat der Lufthansa AG und der Beauftragte der Bundesregierung für die Entschädigung der Zwangsarbeiter. Die Lufthansa hat in den vergangen 56 Jahren keinen Pfennig an die Zwangsarbeiter/innen als Entschädigung bezahlt.


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:19
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