Untersuchungskommission
Andrea Wolf: Ermittlungen in der Türkei/Deutsches Außenministerium
sagte die Unwahrheit
Die
türkische Staatsanwaltschaft Catak bei Van hat Ermittlungen im
Fall Andrea Wolf aufgenommen. Dies berichtete Rechtsanwältin
Eren Keskin, die von Lilo Wolf, der Mutter von Andrea und der Internationalen
Untersuchungskommission beauftragt wurde, Strafanzeige zu stellen.
(siehe auch so oder so Nr. 7)
Andrea Wolf war gemeinsam mit anderen PKK-Kämpfer/innen am 23.
Oktober 1998 in der Gegend von Van nach einem Gefecht von türkischen
Militärs festgenommen und hingerichtet worden. Seit dem bemüht
sich die Internationale Untersuchungskommission den Nachweis zu führen,
das Andrea Wolf und andere Guerillas bereits entwaffnet und gefangen
waren, bevor sie getötet wurden. Das türkische Militär
leugnete, das überhaupt ein Gefecht stattgefunden hat. Der Untersuchungskommission
liegen aber inzwischen Aussagen vor, dass Andrea Wolf unverletzt festgenommen,
von Soldaten nackt ausgezogen, verunstaltet und durch Schüsse
in den Kopf getötet wurde.
Auf Grund der Anzeige von Eren Keskin vom vergangenen September nahm
der Staatsanwalt von Catak, Raif Bikmaz, die Ermittlungen auf. Bikmaz,
der vor allem untersucht, ob Andrea Wolf ermordet wurde, forderte
zunächst die Akten des Staatssicherheitsgericht (DGM) und der
Jandarma an. Dort fanden sich die Aussagen von vier bei dem Gefecht
lebend festgenommenen Guerillas, die alle Namen der Kämpfer/innen
der Guerillaeinheit nannten, und damit die Liste bestätigten,
die im Buch „Leben und Kampf von Andrea Wolf" veröffentlicht
wurde. Sie schilderten in ihren Aussagen auch den Ablauf des Gefechts
und der Gefangennahme von Andrea Wolf.
Besonderes Interesse zeigt der Staatsanwalts an Informationen über
den Ort des Grabes von Andrea Wolf. Eren Keskin berichtete in der
kurdischen Zeitung Yeni Gündem: „Beim Treffen mit dem Staatsanwalt
sagte er, dass das Ereignis in der Türkei stattgefunden habe
und der Prozess auch in der Türkei stattfinden solle, d.h. dass
es nicht nötig sei, den Fall vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof
zu bringen. Er wollte von uns die Aussagen haben, die gegenüber
der Untersuchungskomission in Deutschland gemacht wurden... Ausserdem
ist es notwendig, das Grab zu öffnen. Wir wissen, wo das Grab
ist. Der Staatsanwalt sagte dazu 'Zeigen Sie es mir, wir werden es
öffnen'."
Die Untersuchungskommission schätzt die Situation in der Türkei
allerdings nicht so ein, dass eine unabhängige Untersuchung garantiert
ist. Zu befürchten ist vielmehr, dass das türkische Militär
versuchen wird, den Leichnam verschwinden zu lassen, um so den Fall
zu vertuschen. Obwohl inzwischen aus ihren eigenen Akten die Umstände
des Gefechts, der Gefangennahme und Tötung nachweisbar sind,
streitet das Verteidiungs- und Außenministerium weiterhin alles
ab.
Anders als sein türkischer Kollege läßt der in Deutschland
für das Todesermittlungsverfahren zuständige frankfurter
Staatsanwalt Volker Rath nicht einmal den Anschein eines Ermittlungsinteresses
aufkommen. Als Schwert und Schild der CDU war er die letzten Monate
damit beschäftigt mittels der Anklagevertretung im OPEC-Prozess
Joseph Fischer an den Karren zu fahren. Dessen Außenministerium
behauptet, gestützt auf die Akten des StA V. Rath, auch weiter,
nichts über den Tod von Andrea Wolf, Zeitpunkt und Umstände
des Gefechts, an dessen Ende sie getötet wurde, zu wissen. Dabei
sind BKA, Staatsanwaltschaft und Außenministerium schon vor
Jahren detailliert durch die türkische Interpol-Dependance mit
Informationen versorgt worden.

„In den Bergen Kurdistans... Leben und Kampf von Andrea Wolf",
AWI'92-Vertrieb
Internet: www.libertad.de/andrea