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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 8 / Frühjahr 2001 - Seite 2
Untersuchungskommission Andrea Wolf: Ermittlungen in der Türkei/Deutsches Außenministerium sagte die Unwahrheit
[ Inhalt Nr. 8.]

Untersuchungskommission Andrea Wolf: Ermittlungen in der Türkei/Deutsches Außenministerium sagte die Unwahrheit

Die türkische Staatsanwaltschaft Catak bei Van hat Ermittlungen im Fall Andrea Wolf aufgenommen. Dies berichtete Rechtsanwältin Eren Keskin, die von Lilo Wolf, der Mutter von Andrea und der Internationalen Untersuchungskommission beauftragt wurde, Strafanzeige zu stellen. (siehe auch so oder so Nr. 7)

Andrea Wolf war gemeinsam mit anderen PKK-Kämpfer/innen am 23. Oktober 1998 in der Gegend von Van nach einem Gefecht von türkischen Militärs festgenommen und hingerichtet worden. Seit dem bemüht sich die Internationale Untersuchungskommission den Nachweis zu führen, das Andrea Wolf und andere Guerillas bereits entwaffnet und gefangen waren, bevor sie getötet wurden. Das türkische Militär leugnete, das überhaupt ein Gefecht stattgefunden hat. Der Untersuchungskommission liegen aber inzwischen Aussagen vor, dass Andrea Wolf unverletzt festgenommen, von Soldaten nackt ausgezogen, verunstaltet und durch Schüsse in den Kopf getötet wurde.

Auf Grund der Anzeige von Eren Keskin vom vergangenen September nahm der Staatsanwalt von Catak, Raif Bikmaz, die Ermittlungen auf. Bikmaz, der vor allem untersucht, ob Andrea Wolf ermordet wurde, forderte zunächst die Akten des Staatssicherheitsgericht (DGM) und der Jandarma an. Dort fanden sich die Aussagen von vier bei dem Gefecht lebend festgenommenen Guerillas, die alle Namen der Kämpfer/innen der Guerillaeinheit nannten, und damit die Liste bestätigten, die im Buch „Leben und Kampf von Andrea Wolf" veröffentlicht wurde. Sie schilderten in ihren Aussagen auch den Ablauf des Gefechts und der Gefangennahme von Andrea Wolf.

Besonderes Interesse zeigt der Staatsanwalts an Informationen über den Ort des Grabes von Andrea Wolf. Eren Keskin berichtete in der kurdischen Zeitung Yeni Gündem: „Beim Treffen mit dem Staatsanwalt sagte er, dass das Ereignis in der Türkei stattgefunden habe und der Prozess auch in der Türkei stattfinden solle, d.h. dass es nicht nötig sei, den Fall vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof zu bringen. Er wollte von uns die Aussagen haben, die gegenüber der Untersuchungskomission in Deutschland gemacht wurden... Ausserdem ist es notwendig, das Grab zu öffnen. Wir wissen, wo das Grab ist. Der Staatsanwalt sagte dazu 'Zeigen Sie es mir, wir werden es öffnen'."
Die Untersuchungskommission schätzt die Situation in der Türkei allerdings nicht so ein, dass eine unabhängige Untersuchung garantiert ist. Zu befürchten ist vielmehr, dass das türkische Militär versuchen wird, den Leichnam verschwinden zu lassen, um so den Fall zu vertuschen. Obwohl inzwischen aus ihren eigenen Akten die Umstände des Gefechts, der Gefangennahme und Tötung nachweisbar sind, streitet das Verteidiungs- und Außenministerium weiterhin alles ab.

Anders als sein türkischer Kollege läßt der in Deutschland für das Todesermittlungsverfahren zuständige frankfurter Staatsanwalt Volker Rath nicht einmal den Anschein eines Ermittlungsinteresses aufkommen. Als Schwert und Schild der CDU war er die letzten Monate damit beschäftigt mittels der Anklagevertretung im OPEC-Prozess Joseph Fischer an den Karren zu fahren. Dessen Außenministerium behauptet, gestützt auf die Akten des StA V. Rath, auch weiter, nichts über den Tod von Andrea Wolf, Zeitpunkt und Umstände des Gefechts, an dessen Ende sie getötet wurde, zu wissen. Dabei sind BKA, Staatsanwaltschaft und Außenministerium schon vor Jahren detailliert durch die türkische Interpol-Dependance mit Informationen versorgt worden.


„In den Bergen Kurdistans... Leben und Kampf von Andrea Wolf", AWI'92-Vertrieb
Internet: www.libertad.de/andrea


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:19
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