Am 9. Mai 1976 wurde
Ulrike Meinhof erhängt in ihrer Zelle im Stammheimer Gefängnis
gefunden. In der Presse war darüber nichts zu lesen - seit Tagen streikten
die Drucker. Die damals noch ausschließlich staatlichen Radio- und
TV-Sender waren die einzigen Informationsquellen: sie gaben unisono die
Regierungsversion wider - die eines Selbstmordes. Nicht nur die Gefangenen
aus der RAF widersprachen. Auch eine internationale Untersuchungskommission
fand Anhaltspunkte für einen Mord.
Ulrike Meinhof wurde im Juni 1972 nach zweijähriger Fahndung verhaftet.
Schon bevor sie mit anderen die Rote Armee Fraktion aufbaute und in die
Illegalität ging, war sie über die Linke hinaus bekannt. Das Mitglied
der illegalen Kommunistischen Partei und Autorin von konkret wurde auch
zu Diskussionen im Fernsehen eingeladen. Die Hetze der Medien hatte sich
vom ersten Tag an auf sie eingeschossen. Jahrelang war sie in Isolationshaft,
lange in dem eigens errichteten Toten Trakt von Köln-Ossendorf.
Als der Tod von Ulrike Meinhof bekannt wurde, demonstrierten in vielen Städten
Westdeutschlands und Europas Tausende und wurden Institutionen des BRD-Staates
im In- und Ausland angegriffen. Der Selbstmord-Legende der Bundesregierung
wurde kein Glauben geschenkt.
25 Jahre nach ihrem Tod ist es u.a. auch eine militante Demonstration, die
1976 anläßlich ihres Todes in Frankfurt stattfand, die eine Debatte
über Gewalt und „'68" auslöste. In dieser wochenlang die
Medien bestimmenden Auseinandersetzung, ging es zu keinem Zeitpunkt um die
politischen Analysen und Ziele von Ulrike Meinhof. Mit dieser Debatte soll
auch die Erinnerung an Ulrike Meinhof abgetötet werden.
siehe
dazu Seiten 16-17