Anfang April durchbrach
eine Meldung das amtliche Schweigen über den monatelangen Hungerstreik
der politischen Gefangenen. „122 Gefangene stehen an der Schwelle zum Tode"
berichtete unter Berufung auf Angehörige die staatliche Nachrichtenagentur
Anadolu. Am gleichen Tag erklärte Justizminister Türk, dass „trotz
intensiver Bemühungen der Verantwortlichen sich noch immer 319 Gefangene
im Todesfasten und 425 im Hungerstreik befinden." 1.209 politische
Gefangene seien, so Türk, in die F-Typ-Gefängnisse verlegt worden
und in Krankenhäusern würden 36 Gefangene zwangsernährt.
Der Justizminster bekräftigte, dass es keinerlei Verhandlungen mit
Gefangenen geben werde. Auch schloss er die Rückverlegung aus den F-Typ-Gefängnissen
aus, da diese den Gefängnisstandards der UNO und des Europarats entsprechen
würden.
Bis dahin hatte das Justizministerium beharrlich dementiert, dass der Hungerstreik
sich nach der Gefängnismassaker vom 19. Dezember sogar ausgeweitet
hatte. Als Kommentar eigener Art hatte Türk kurz nach dem Tod von Cengiz
Soydas, der am 21.3. nach 60 Tagen Todesfasten in Sincan starb, die Menükarte
des Gefängnisses veröffentlichen lassen. „Fünf-Sterne-Menü
im F-Typ" titelte daraufhin das Massenblatt Hürriyet.
Die Gefangenen ihrerseits sind entschlossen den Kampf gegen die Isolation
fortzusetzen. Angesichts der verstärkt durchgeführter Zwangsernährung,
erklärten sie am 165. Tag: „Ich leiste Widerstand im Todesfasten und
beteilige mich aus eigenem Willen an der Aktion. Ob ich das Bewusstsein
verliere oder nicht, gegen die Fortsetzung der Aktion kann nicht interveniert
werden. Falls irgendeine Intervention durchgeführt wird, werde ich
aus eigenem Willen die Einnahme von Salz und Zucker einstellen."
siehe
dazu Seiten 9-12