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Krankheit
im Recht. Unlängst fand sich im Redaktionspostkasten
ein Abholschein für ein Einschreiben mit Rückschein.Was konnte
das sein? Nachdem wir endlich einen dicken Umschlag einer mannheimer
Rechtsanwältin in den Händen hielten, wunderten wir uns noch
mehr: heraus purzelten unzählige Anzeigen, Anklageschriften, Rechtsvorbehalte
und dergleichen. Was hatten wir verbrochen? In der Besprechung von Margrit
Schillers Buch im Magazin Nr. 2, hatten wir auch das Sozialistische
Patientenkollektiv (SPK) erwähnt. Das geht aber so nicht, wie wir
rechtsmittelbelehrt wurden: denn über das SPK darf nur das SPK
bzw. SPK/Patientenfront bzw. Wolfgang Huber bzw. Krankheit im
Recht bzw. die beauftragte Rechtsanwältin sprechen. Alle
anderen lügen nur, insbesondere wurden wir vor Ehemaligen
und Abtrünnigen wie Lutz Taufer und Klaus Jünschke gewarnt,
denn das SPK hatte nie was mit den Linksradikalen oder der RAF zu tun.
Penibel werden alle möglichen falschen Behauptungen über das
SPK aufgelistet, in der Art, dass W. Huber nicht ein Mit-, sondern der
Gründer des SPK war. Vorallem aber, dass es nie aufgehört
hat zu existieren. Das zeigt auch die Internetseite: Das Ausbreitungsprinzip
von SPK/PF heißt Multi-Fokaler Expansionismus (MFE). Die
Kränkschriften liegen inzwischen in sieben europäischen
Sprachen vor. Näheres über den Fortgang an der Patientenfront
unter dem Motto: Tun und Gluecken kraft Kranksein unter
dieser Adresse: www.spkpfh.de
Per
Mausklick nach Palästina. Im Libanon verfolgen palästinensische
Flüchtlinge die Ereignisse in ihrer Heimat über das Internet.
Im Flüchtlingslager Bourj-El-Schamali nahe der libanesischen Stadt
Tyros leben 17.000 Palästinenser; teilweise bereits seit 1948.
Das Lager ist eine Ansiedlung von Wohnhäusern, Geschäften,
Tankstellen und Restaurants. Drei Schulen gibt es, und einige der gerade
eingeschulten Kinder gehören schon der dritten Generation an, die
im Lager geboren wurde.
Palästina kennen sie nur aus den Erzählungen der Älteren,
doch die Sehnsucht, in die Heimat ihrer Groß- und Urgroßväter
zu ziehen, sitzt tief: als vor wenigen Wochen die blutigen Auseinandersetzungen
zwischen der Intifada und der israelischen Armee begannen, erlebten
die Lagerbewohner die Ereignisse hautnah mit. Denn neben den herkömmlichen
Medien nutzen die Bewohner von Bourj-El-Schamali zum ersten Mal auch
das Internet, um mit Palästinensern aus aller Welt zu kommunizieren.
Studenten und Professoren der Universität Bir-Zeit im Westjordanland
vernetzen 1998 die palästinensischen Flüchtlingslager im Nahen
Osten über das Internet miteinander und überschritten so die
Grenzen: das Projekt Across The Borders. Die erste Internetseite
und ein Rechenzentrum wurden in Kahn Yunis im Gazastreifen eingerichtet,
wenig später schloss sich das Lager Dheisheh an. Nun wurde auch
Bourj-El-Schamali vernetzt und seine Bewohner erhielten erste Einführungskurse:
Gleich in der ersten Oktoberwoche schrieben Kinder aus dem Lager
an junge Palästinenser in den besetzten Gebieten, berichtet
ein kanadischer Netzwerkadministrator, der die Internetseite täglich
updated. Auf ihr beschreiben Augenzeugen den Aufstand im Gazastreifen
und Westjordanland, schildern persönliche Eindrücke und bitten
Palästinenser aus anderen Gebieten um Unterstützung für
die neue Intifada gegen Israel.
Neben Englisch- oder Arabischkenntnissen ist derzeit Geduld beim Mausklick
aufzubringen: wie bei anderen palästinensischen Webseiten ist der
Zugriff auf Across The Borders erschwert. Ungewöhnlich
viele Aufrufe aus Israel von staatlichen Adressen blockieren, so Dheisheh,
seit Ausbruch der Kämpfe die Seite und lassen sie vermutlich immer
wieder gezielt abstürzen:
www.dheisheh.acrossborders.org
PS: Wer keinen Zugriff bekommt, aber umfassende News möchte, dem
sei das September 2000 Clashes Information Center der mit
Libertad! befreundeten palästinensischen Gefangenenhilfsorganisation
Addameer empfohlen. Dort finden sich Tagesberichte, Aufrufe & erstklassige
Links zu weiteren palästinensischen wie israelischen Informationsquellen:
www.addameer.org/september2000
Stickmusteruntergrund
vs. startup-Millionäre. www.napster.com gehört zu den
wenigen nichtkommerziellen Internetprojekten, die in analogen Medien
für Schlagzeilen sorgten: die Musikindustrie hatte versucht, die
Schliessung der Seite gerichtlich zu erzwingen, weil napster das Geschäft
mit CDs bedrohe. Bei napster tauschen Musikfans Madonna und Metallica
einfach im MP3-Format und bezahlen lediglich ihre online-Zeit. Über
einen ähnlichen, aber fast unbekannten Konflikt zwischen User/innen
und eCommerce berichtete Janko Röttgers am 5. August in telepolis
(www.heise.de/tp). Hier geht es um Muster statt Musik. Die Geschichte:
das Unternehmen Pegasus Originals verkauft Stickmuster, die bekanntlich
von zumeist lebenserfahrenen Damen auf Sofakissen verewigt werden. Eine
einfache und schöne Sache, die früher unter Seniorinnen bei
Kaffee getauscht und jetzt, die neue Zeit, von einem cleveren startup-Unternehmen
angeboten wird. Doch seit 1997 klagte Pegasus Originals über Umsatzverluste
von bis zu 40%. Der Grund: die lieben Omas sind auch nicht von gestern.
Sie scannen ihre Stickmuster ein und tauschen sie im Netz über
Chaträume und Mailinglisten. Sie sind Hausfrauen, und sie
sind Hacker. Es ist mir egal, ob sie Kinder haben. Es ist mir egal,
dass es Großmütter sind. Sie bootleggen uns aus dem Geschäft",
empörte sich die Firma. Warum sollten Freunde einander nicht
aushelfen und ein bisschen Geld sparen?", konterte eine Sprecherin
der Netstitchers. Manche der Mitglieder der Mailinglist "Pattern
Piggies Unite!" gehen noch weiter und stellen die Existenzberechtigung
von Pegasus Originals in Frage: "Sticken muss frei sein!"
Die Stickmusterkapitalisten holten zum Gegenschlag aus: zunächst
schlichen sie sich in die Stickerinnen-Foren ein und erwirkten deren
Schliessung. Ein Pegasus-Sprecher erklärte, die Tauschbörsen
würden aber im Untergrund weiterbetrieben, man bekomme nur noch
gegen persönliche Empfehlungen Zutritt. Gegen diesen harten Kern
will Pegasus Originals juristisch vorgehen. Aber die Seniorinnen zeigen
sich kampfbereit: ein Fonds für juristische Auseinandersetzungen
ist eingerichtet und die Sprecherin Jo Weiss erklärte: Wir
sind zu allem bereit!"
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