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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 7 / Herbst 2000 - Seite 20
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[ Inhalt Nr. 7.]
So oder So
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„Krankheit im Recht“. Unlängst fand sich im Redaktionspostkasten ein Abholschein für ein Einschreiben mit Rückschein.Was konnte das sein? Nachdem wir endlich einen dicken Umschlag einer mannheimer Rechtsanwältin in den Händen hielten, wunderten wir uns noch mehr: heraus purzelten unzählige Anzeigen, Anklageschriften, Rechtsvorbehalte und dergleichen. Was hatten wir verbrochen? In der Besprechung von Margrit Schillers Buch im Magazin Nr. 2, hatten wir auch das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK) erwähnt. Das geht aber so nicht, wie wir rechtsmittelbelehrt wurden: denn über das SPK darf nur das SPK bzw. SPK/Patientenfront bzw. Wolfgang Huber bzw. „Krankheit im Recht“ bzw. die beauftragte Rechtsanwältin sprechen. Alle anderen lügen nur, insbesondere wurden wir vor „Ehemaligen und Abtrünnigen wie Lutz Taufer und Klaus Jünschke“ gewarnt, denn das SPK hatte nie was mit den Linksradikalen oder der RAF zu tun. Penibel werden alle möglichen falschen Behauptungen über das SPK aufgelistet, in der Art, dass W. Huber nicht ein Mit-, sondern der Gründer des SPK war. Vorallem aber, dass es nie aufgehört hat zu existieren. Das zeigt auch die Internetseite: „Das Ausbreitungsprinzip von SPK/PF heißt Multi-Fokaler Expansionismus (MFE)“. Die „Kränkschriften“ liegen inzwischen in sieben europäischen Sprachen vor. Näheres über den Fortgang an der Patientenfront unter dem Motto: „Tun und Gluecken kraft Kranksein“ unter dieser Adresse: www.spkpfh.de

Per Mausklick nach Palästina. Im Libanon verfolgen palästinensische Flüchtlinge die Ereignisse in ihrer Heimat über das Internet. Im Flüchtlingslager Bourj-El-Schamali nahe der libanesischen Stadt Tyros leben 17.000 Palästinenser; teilweise bereits seit 1948. Das Lager ist eine Ansiedlung von Wohnhäusern, Geschäften, Tankstellen und Restaurants. Drei Schulen gibt es, und einige der gerade eingeschulten Kinder gehören schon der dritten Generation an, die im Lager geboren wurde.
Palästina kennen sie nur aus den Erzählungen der Älteren, doch die Sehnsucht, in die Heimat ihrer Groß- und Urgroßväter zu ziehen, sitzt tief: als vor wenigen Wochen die blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Intifada und der israelischen Armee begannen, erlebten die Lagerbewohner die Ereignisse hautnah mit. Denn neben den herkömmlichen Medien nutzen die Bewohner von Bourj-El-Schamali zum ersten Mal auch das Internet, um mit Palästinensern aus aller Welt zu kommunizieren.
Studenten und Professoren der Universität Bir-Zeit im Westjordanland vernetzen 1998 die palästinensischen Flüchtlingslager im Nahen Osten über das Internet miteinander und überschritten so die Grenzen: das Projekt „Across The Borders“. Die erste Internetseite und ein Rechenzentrum wurden in Kahn Yunis im Gazastreifen eingerichtet, wenig später schloss sich das Lager Dheisheh an. Nun wurde auch Bourj-El-Schamali vernetzt und seine Bewohner erhielten erste Einführungskurse: „Gleich in der ersten Oktoberwoche schrieben Kinder aus dem Lager an junge Palästinenser in den besetzten Gebieten“, berichtet ein kanadischer Netzwerkadministrator, der die Internetseite täglich updated. Auf ihr beschreiben Augenzeugen den Aufstand im Gazastreifen und Westjordanland, schildern persönliche Eindrücke und bitten Palästinenser aus anderen Gebieten um Unterstützung für die neue Intifada gegen Israel.
Neben Englisch- oder Arabischkenntnissen ist derzeit Geduld beim Mausklick aufzubringen: wie bei anderen palästinensischen Webseiten ist der Zugriff auf „Across The Borders“ erschwert. Ungewöhnlich viele Aufrufe aus Israel von staatlichen Adressen blockieren, so Dheisheh, seit Ausbruch der Kämpfe die Seite und lassen sie vermutlich immer wieder gezielt abstürzen:
www.dheisheh.acrossborders.org
PS: Wer keinen Zugriff bekommt, aber umfassende News möchte, dem sei das „September 2000 Clashes Information Center“ der mit Libertad! befreundeten palästinensischen Gefangenenhilfsorganisation Addameer empfohlen. Dort finden sich Tagesberichte, Aufrufe & erstklassige Links zu weiteren palästinensischen wie israelischen Informationsquellen:
www.addameer.org/september2000

Stickmusteruntergrund vs. startup-Millionäre. www.napster.com gehört zu den wenigen nichtkommerziellen Internetprojekten, die in analogen Medien für Schlagzeilen sorgten: die Musikindustrie hatte versucht, die Schliessung der Seite gerichtlich zu erzwingen, weil napster das Geschäft mit CDs bedrohe. Bei napster tauschen Musikfans Madonna und Metallica einfach im MP3-Format und bezahlen lediglich ihre online-Zeit. Über einen ähnlichen, aber fast unbekannten Konflikt zwischen User/innen und eCommerce berichtete Janko Röttgers am 5. August in telepolis (www.heise.de/tp). Hier geht es um Muster statt Musik. Die Geschichte: das Unternehmen Pegasus Originals verkauft Stickmuster, die bekanntlich von zumeist lebenserfahrenen Damen auf Sofakissen verewigt werden. Eine einfache und schöne Sache, die früher unter Seniorinnen bei Kaffee getauscht und jetzt, die neue Zeit, von einem cleveren startup-Unternehmen angeboten wird. Doch seit 1997 klagte Pegasus Originals über Umsatzverluste von bis zu 40%. Der Grund: die lieben Omas sind auch nicht von gestern. Sie scannen ihre Stickmuster ein und tauschen sie im Netz über Chaträume und Mailinglisten. „Sie sind Hausfrauen, und sie sind Hacker. Es ist mir egal, ob sie Kinder haben. Es ist mir egal, dass es Großmütter sind. Sie bootleggen uns aus dem Geschäft", empörte sich die Firma. „Warum sollten Freunde einander nicht aushelfen und ein bisschen Geld sparen?", konterte eine Sprecherin der Netstitchers. Manche der Mitglieder der Mailinglist "Pattern Piggies Unite!" gehen noch weiter und stellen die Existenzberechtigung von Pegasus Originals in Frage: "Sticken muss frei sein!" Die Stickmusterkapitalisten holten zum Gegenschlag aus: zunächst schlichen sie sich in die Stickerinnen-Foren ein und erwirkten deren Schliessung. Ein Pegasus-Sprecher erklärte, die Tauschbörsen würden aber im Untergrund weiterbetrieben, man bekomme nur noch gegen persönliche Empfehlungen Zutritt. Gegen diesen harten Kern will Pegasus Originals juristisch vorgehen. Aber die Seniorinnen zeigen sich kampfbereit: ein Fonds für juristische Auseinandersetzungen ist eingerichtet und die Sprecherin Jo Weiss erklärte: „Wir sind zu allem bereit!"


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:19
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