
Chronik: Drei Monate Baskenland
27.8.00
- Mit Beginn der Offensive der ETA hat sich auch der Straßenkampf
(Kale Borroka) der Jugendlichen verschärft. Seit Januar zählte
die Polizei bereits 400 Sabotageaktionen und Anschläge mit Brandsätzen
auf Banken oder öffentliche Gebäude. Der Sachschaden wird
auf mindestens 3,9 Millionen Mark geschätzt. Dem militanten Kern
der Welpen der ETA werden etwa 400 Jugendliche zugerechnet.
23.8.00 - Bei einer Razzia in verschiedenen baskischen Städten
werden sieben Menschen festgenommen. Die Polizeiaktion richtet sich
gegen das Kommando Vizcaya. Waffen und Munition fanden die
Beamten nicht.
14.9.00 - Im Baskenland werden 19 Mitglieder der Gruppe Ekin festgenommen,
die der ETA politisch und strategisch nahesteht. Spaniens Innenminister
Oreja erklärt, dass mit der Verhaftung die politischen Strukturen
der ETA zerschlagen seien. Der Rechtsstaat wisse sich gegen den Terrorismus
durchzusetzen.
18.9.00 - Ignacio Miguel Gracia Arregui, bekannt unter dem Namen Inaki
de Renteria, wird in Frankreich verhaftet. Er steht laut Polizeiangaben
seit 1992 an der Spitze der ETA.
Der Schauspieler Antonio Banderas (in Spielfilmen liebt er die Rollen
des Rächers der Entrechteten) setzt sich inzwischen werbewirksam
gegen die Politik der ETA in Szene. Bei einer Gedenkver-anstaltung für
einen erschossenen Stadtrat verurteilt die ETA.
28.9.00 - Bei Bombenanschlägen auf Zeitarbeitsfirmen in Sevilla,
Valencia und Vigo entsteht Sachschaden. Die Polizei machte die Antifaschistische
Gruppe 1.Oktober (Grapo) verantwortlich.
4.10.00 - Wegen eines Autobombenanschlags 1987 verurteilt ein spanisches
Gericht Francisco Mugica Garmendia zu 12 Jahren Haft. Der Angeklagte
bekennt sich zu seiner ETA-Mitgliedschaft, beantwortet aber sonst keine
Fragen.
Vor kurzem wurde in Frankreich Itziar Imaz Eguizabal wegen Mitgliedschaft
in der ETA verhaftet. Unterdessen verüben Unbekannte einen Brandanschlag
auf das Auto eines baskischen Polizisten.
6.10.00 - Wieder Razzien im Baskenland. Neun Leute werden festgenommen.
Laut Polizei auch mehrere Politiker von Herri Batasuna.
7.10.00 - Wegen des Bombenanschlags 1987 auf eine Polizeikaserne, hat
der nationale Gerichtshof Spaniens Francisco Mugica Garmendia am Freitag
zu 109 Jahren Knast verurteilt. Der 47-jährige war bereits Anfang
der Woche wegen eines Angriffs auf das Marine-Hauptquartier in Madrid
zu 12 Jahren Haft verurteilt worden.
9.10.00 - Der Chef der Staatsanwaltschaft am Obersten Gerichtshof der
Region Andalusien erliegt seinen schweren Schussverletzungen, die ihm
ein Kommando der ETA zugefügt hatte. Am Wochenende hatte die ETA
in Andalusien bereits durch mehrere fehlgeschlagene Aktionen auf sich
aufmerksam gemacht. In den Fahrzeugen von drei in Sevilla stationierten
Militärs waren Bomben versteckt, die jedoch entdeckt wurden.
Am Sonntag hatte Spaniens Innenminister angekündigt, er werde im
Fall vorgezogener Neuwahlen im Baskenland für das Amt des Ministerpräsidenten
kandidieren. Dort bestimmt eine gemäßigt nationalistische
Minderheitsregierung das Geschehen. Mit einer nichtnationalistischen
Regierung werde es weniger Tote und weniger ETA geben, versichert Regierungschef
Aznar.
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