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Die
Tage es Zorns
I.
Yom Kippur
Am
Vorabend des jüdischen Yom Kippur Fastenfeiertags (9. Oktober)
nahmen jüdische klerikal-faschistische Elemente, sowohl unter den
Kolonistensiedlern in den besetzten Gebieten, als auch in
Israel selbst, den nach tagelangen Kämpfen erzwungenen Rückzug
der israelischen Besatzer zum Anlass, diese Niederlage durch ausgesprochen
mörderische Pogrome, Angriffe auf palästinensische Zivilisten
und Wohngebiete in den besetzten Gebieten zu vergelten. Siedler
richteten Pogrome in verschiedenen palästinensischen Städten
und Dörfern, sowie auf Überlandstraßen an, bei welchen
mindestens fünf Palästinenser ermordert wurden. In Israel
selbst drangen einige hundert rassistische jüdische Klerikalfaschisten
aus der jüdischen Stadt Nazareth-Illit kommend in die arabische
Stadt Nazareth mit Rufen wie Tod den Arabern ein und richteten
dort Verwüstung und Totschlag an. Zwei arabische Bürger wurden
an Ort und Stelle totgeschlagen, ein weiterer erlag seinen Verletzungen
im Krankenhaus. Ähnlich rassistische Umtriebe gab es in Akko, Jaffa,
Haifa, Ramleh, Taibeh und Umm-el-Fahm. Der Kabinettsminister Matan Vilnai
verglich diese rassistischen Schandtaten mit Pogromen in der zaristischen
Ukraine und mit antijüdischen Pogromen der Nazis.
Hans Lebrecht, Kibbutz Beit-Oren,
11.10.2000
II. Tödliches Gummi
In
den aktuellen Medienberichten heißt es immer wieder, israelische
Soldaten würden mit Gummigeschossen gegen palästinensischen
Demonstrationen vorgehen. Ein irreführender Begriff, denn im Gegensatz
zu Großbritannien und den USA, die ebenfalls Gummigeschosse
zur inneren Aufstandsbekämpfung einsetzen, bestehen die israelischen
Geschosse nicht aus Gummi, sondern aus konventionellen Stahlkugeln,
also scharfer Munition, die lediglich mit einer hauchdünnen Hartgummischicht
ummantelt sind.
In den vergangenen Jahren wies die israelische Menschenrechtsgruppe
B'Tselem mehrfach auf die tödliche Wirkung dieser Geschosse hin
und forderte die Armee vergeblich auf, den Einsatz derartiger Gummigeschosse
zu unterlassen. Nach den Statistiken von B'Tselem haben die israelischen
Sicherheitskräfte in den letzten zehn Jahren mit Gummigeschossen
etwa tausend Palästinenser erschossen und fünftausend verletzt.
Israel
verwendet nach Angaben von B'Tselem zwei Typen von Gummigeschossen,
die jeweils zwanzig beziehungsweise fünfzig Gramm wiegen. Die Bozener
Prüfstelle für Baustoffe untersuchte unlängst
ein solches Gummigeschoss. In dem Bericht heißt es:
Aus den durchgeführten Analysen geht hervor, dass die Gewehrkugel
aus einem metallischen Kern und einer weichen Kunst-stoffhülle
besteht. Der metallische Kern ist ein Hochofenstahl, welcher anschließend
bearbeitet worden ist. Von 17,84 Millimeter Gesamtdurchmesser
der Kugel nehme der metallische Kern 16 Millimeter und die Hartgummihülse
nur 1,84 Millimeter ein.
Gemäß dem israelisch-palästinensischen Abkommen von
Oslo 1993 darf Israel die 1990 in der Armee eingeführten Gummigeschosse
gegen palästinensische Demonstranten - bei den zuweilen durchaus
militant verlaufenen Demonstrationen orthodoxer Juden kommt das israelische
Gummi nicht zum Einsatz - erst dann benutzen, wenn die Menge
durch zuvor abgegebene Warnschüsse in die Luft und Tränengas
nicht zerstreut werden kann. Gummigeschosse dürfen
nicht unter vierzig Meter, nicht gegen Kinder und nicht bei Nacht verwendet
werden. Zudem dürfen die Schützen nur auf die Beine zielen.
Die Mehrheit der über hundert in diesen Tagen erschossenen Palästinenser
waren Jugendliche. Sie wurden von den israelischen Scharfschützen
nicht in die Beine, sondern vorwiegend am Kopf oder Oberkörper
tödlich getroffen. Zum Einsatz kam größtenteils Gummigeschosse,
aber auch konventionelle Gewehrmunition. Neu ist dieser Scharfschützeneinsatz
nicht. Er wurde erstmals vom früheren Verteidigungsminister Ariel
Scharon zu Beginn der Besatzung der im Sechstagekrieg von 1967 eroberten
Gebiete angeordnet.
Allerdings
berichtete jetzt die britische Tageszeitung Times über
eine wirkliche Innovation im reichhaltigen Reservoir israelischer Finessen
in der Kriegsführung niederer Intensität. Danach
erprobt die israelische Armee zur Zeit ein Hohlgeschoss, das sich erst
im Körper des Getroffenen wie ein Regenschirm öffnet,
kreisförmig Wunden reißt und nicht wieder austritt. Da die
Palästinenser sich beim Abfeuern konventioneller Munition oder
Gummigeschosse duckten, werde die neuartige Munition aus
Gewehren mit Schalldämpfern verschossen. So würden die Opfer
getroffen, ohne einen Knall gehört zu haben. Die Getroffenen fielen
einfach hin und bluten, berichtete die Times.
III. Gefängnis Jerusalem
Angeblich
wollte der israelische Ministerpräsident Ehud Barak den Palästinensern
in der Jerusalem-Frage wie nie zuvor entgegenkommen. Nur
Arafat willigte nicht ein und so nahm die sog. Al Quds-Intifada
ihren Lauf.
Bekannt gewordene Pläne der israelischen Stadtverwaltung belegen
allerdings, dass Baraks Bereitschaft gegenüber den Palästinensern,
einmal besetztes Terrain auch zurückzugeben, nur bedingt glaubwürdig
ist. Wie das palästinensische Orient House bereits
Anfang August vermeldete, plant die israelische Stadtverwaltung West-Jerusalems
weiterhin unter der Planziffer 6313 den Neubau eines Gefängnisses
in unmittelbar Nähe des palästinensischen Viertels von Sheik
Jarrah. Gebaut wird das Gefängnis auf dem Areal des israelischen
Polizeihauptquartiers, dass in einer Zone liegt, die 1968 annektiert
wurde.
Seit 1968 verloren 40.000 Palästinenser aufgrund behördlicher
Schikanen ihr Jerusalemer Residenzrecht. Unlängst bekräftigte
die israelische Stadtverwaltung die Forcierung ihrer seit längerem
betriebenen Ethnisierungskampagne in der arabischen Altstadt Ost-Jerusalems.
Rechtsanwälte berichten jetzt, dass bei Ausweiskontrollen in der
Westbank vermehrt Pässe von in Jerusalem ansässigen Palästinensern
konfisziert werden und die Betroffenen Gefahr laufen, aufgrund verschärfter
Aufenthaltsbestimmungen ihr Wohnrecht in Jerusalem zu verlieren. Die
Stadtverwaltung kündigte zudem eine Durchdringung der
arabischen Viertel an. Jüdischen Israelis soll das Vorkaufsrecht
bei Grund und Boden in Ost-Jerusalem, sowie Steuererleichterungen und
günstigere Strom- und Wasserpreise bei Zuzug in ein arabisches
Viertel gewährt werden.
Mittels
derartiger demographischer Fakten soll so gezielt der Boden für
eine internationale - und eventuell spätere palästinensische
- Anerkennung der israelischen Souveränität über beide
Teile der Stadt vorbereitet werden.
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