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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 7 / Herbst 2000 - Seite 2
Anwälte berichten über den Stand des juristischen Verfahrens
[ Inhalt Nr. 7.]
Mumia Abu Jamal
Anwälte berichten über den Stand des juristischen Verfahrens

Am 8. August verwarf Bundesbezirksrichter William H. Yohn Jr. vier "amicus curiae briefs" ('friends of the court'), d.h. Rechtsgutachten sachverständiger Berater des Gerichts, die zur Unterstützung von Mumia Abu Jamal eingereicht worden waren. Die Entscheidung ist nach Meinung von Pam Africa ("International Concerned Family & Friends of Mumia Abu-Jamal") präzedenzlos. Sie stellte fest, dass die Gutachten Rechtsfragen behandelten, die für Jamals schwebendes Berufungsverfahren von entscheidender Bedeutung sind.
Africa sagte, dass Yohn keine Stellungnahme abgegeben habe, als zwei Rechtsgutachten Anfang des Jahres eingereicht wurden. Eines der Rechtsgutachten wurde im Namen der National Lawyers Guild, der National Conference of Black Lawyers und anderer Anwaltsgruppen eingereicht. Das andere wurde gemeinsam von der National Association for the Advancement of Colered People-NAACP und der Pennsylvania American Civil Liberties Union verfasst. Anders aber reagierte Richter Yohn, als 22 Mitglieder des britischen Parlaments und die Chicana/Chicano Studies Foundation aus Los Angeles diesen Sommer zwei weitere Gutachten einreichten.

Heben Sie Mumias Verurteilung auf!

Die letzten beiden Gutachten behandeln eingehend die Ablehnung des Rechts von Jamal, sich 1982 selbst zu verteidigen, als er wegen Mordes an dem Polizisten Daniel Faulkner aus Philadelphia zum Tode verurteilt wurde. Unterstützer des preisgekrönten Journalisten und ehemaligen Black Panther sagen, dass das rassistische Polizeidepartment von Philadelphia falsche Anschuldigungen gegen ihn erhoben habe. Das Rechtsgutachten der Chicana/Chicano Studies Foundation präsentiert außerdem Jamal und seinen Unterstützern bisher unbekannte Beweise für eine Verschwörung zwischen dem vom Gericht bestellten Pflichtverteidiger Anthony Jackson, dem Richter Albert Sabo und dem Staatsanwalt Joseph McGill. Das Rechtsgutachten fordert, dass die Verurteilung von Mumia Abu-Jamal aufgehoben wird. Bei Zurückweisung der Rechtsgutachten sagte Yohn: "Ich werde die Verfahrensanträge als unnötig und nicht hilfreich ablehnen."
"Er sagt, er habe sie nicht durchgesehen, obgleich diese Gutachten doch plötzlich Handlungsbedarf zu erzeugen schienen," stellte Marlene Kamish, eine Anwältin der Chicana/Chicano Studies Foundation auf einem US-weiten Treffen von Unterstützergruppen am 23. September fest.

Der Verteidigung Kollaboration vorgeworfen

Kamish schilderte Protokolle über Besprechungen zwischen Jackson, Sabo und McGill in den Beratungsräumen des Richters, in denen sie diskutierten, wie sie eine Verurteilung erreichen könnten, die gegen eine Berufung abgesichert sei. Die Protokolle beweisen zudem, dass Jackson Jamals Verteidigungsstrategie mit dem Staatsanwalt und dem Richter besprach. Die Weigerung des Gerichts, Jamal zu gestatten, sich selbst zu vertreten oder John Africa als Rechtsberater im Gerichtssaal zu haben, wird in dem Rechtsgutachten der britischen Parlamentsmitglieder behandelt. Kamish erläuterte, dass der damalige Reporter Jamal fünf Monate vor seinem eigenen Prozess den Gründer der Organisation MOVE, John Africa, sich selbst wirkungsvoll vor einem Bundesgericht verteidigen und als freier Mann herauskommen gesehen hatte. Als er im Kampf um sein eigenes Leben stand, rang er um das Recht, jemanden, dem er vertraute, neben sich sitzen zu haben, um bei seiner Verteidigung zu helfen.
Sabo verwarf Jamals Antrag, Africas Beistand zu erhalten. Stattdessen bestimmte er Jackson, am Tisch der Verteidigung zu sitzen und ließ ihn letztlich trotz wiederholter Einwände von Jamal den Fall übernehmen. "Oft wird gesagt, das Problem sei gewesen, dass Jackson untauglich gewesen sei", bemerkte Pam Africa. "Tatsächlich jedoch war er sehr tauglich - allerdings nur für die Anklage, nicht für die Verteidigung." Africa und Kamish sagten, Jackson habe keine Eingangserklärung im Namen von Jamal abgegeben. Er unterließ es, Hauptzeugen vorladen zu lassen, darunter den Polizisten Wakshul, dessen Zeugenaussage die fingierte Geschichte der Anklage vom "Geständnis" hätte widerlegen können. Auch weitere Leumundszeugen in der Strafzumessungsphase des Verfahrens wurden versäumt zu benennen.

Leumundszeugen

Das Gutachten der Chicana/Chicano Studies Foundation legt auch zwingende Beweise aus Abu-Jamals Anhörungen in der nachträglichen Entlastungsberufung im Jahre 1995 vor. Damals präsentierte die Verteidigung, nun von dem bekannten Bürgerrechtsanwalt Leonard Weinglass geleitet, einige zur Person des Angeklagten zu hörende Zeugen, darunter den verstorbenen Abgeordneten des Staates Pennsylvania, David P. Richardson, dessen Zeugenaussage die Grundlage für eine Aufhebung der Todesstrafe hätte sein müssen. Die Zeugen sagten alle, dass sie 1982 zu einer Zeugenaussage bereit waren, Jackson sie aber nie aufgerufen habe.
Ihre Aussagen über Jamals mitfühlendes, nichtgewalttätiges Wesen waren so glaubhaft, dass der Bezirksstaatsanwalt in der Berufungsanhörung einräumte, es sei für Jamal "nicht charakteristisch“, einen Mord zu begehen.
Kamish erläuterte, dass es keine Veranlassung gebe, die Todesstrafe zu beantragen, wenn der Angeklagte nicht vorbestraft ist, und nachweislich anderen Menschen wertvoll ist, Beziehungen und Bindungen in seiner Gemeinde hat und einen nichtgewalttätigen Charakter besitzt.
Sabo, der auch in der Berufung von 1995 den Vorsitz führte, entschied "unbegründet und irrtümlich", dass die strafmildernden Beweise in der nachträglichen Entlastungsberufung (PCRA) "irrelevant" seien, sagte Kamish, obgleich die Anklagevertretung ihre Relevanz einräumte. Im Jahre 1982 bewerkstelligte Sabo unter Mitwirkung von Jackson und McGill die Ablösung einer schwarzen Geschworenen. Diese Geschworene war die einzige, die von Jamal während der zwei Tage, als ihm gestattet war, als sein eigener Verteidiger zu handeln, ausgewählt worden war. Sabo ersetzte die Frau durch einen weißen Mann, welcher der Obmann der Geschworenen wurde, obgleich der Mann dreimal zugab, dass er nicht unparteiisch sein könne. Dazu bemerkte Kamish: "Er hatte nicht im geringsten das Recht, seinen Mann einzusetzen. Sabo trieb bei der Zusammensetzung der Jury ein abgekartetes Spiel."

Betsey Piette, Philadelphia


Workers World Newspaper, 5.10.2000,
Die genannten Rechtsgutachten und weitere Informationen sind im Internet abrufbar unter: http://www.mumia2000.org.
Am Tag X sind Aktionen geplant. Ankündigung unter: http://www.mumia.de


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:19
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