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Spaniens
"Held der Demokratie"
Polizei verhaftet baskische Internationalist/innen
(pe-lib)
Am 29. Januar 2000 nahm die spanische Polizei acht Mitarbeiter/innen
linker baskischer Organisationen fest. Die Bask/innen sind in der Gefangenenhilfsorganisation
Gestoras pro Amnistia, der Partei Herri Batasuna sowie der Solidaritätsorganisation
Askapena jeweils für internationale Zusammenarbeit zuständig.
Die
spanische Polizei wirft ihnen vor, einem "Außenministerium"
ETA anzugehören. Die Internationalist/innen wurden in Kasernen
der spanischen Polizei verhört, wurden aber nicht gefoltert. Inigo
Elkoro durfte sogar seine Anwältin sprechen, was ausgesprochen
ungewöhnlich ist. Der Auslöser war wohl ein Brief der Menschenrechtskommission
des Europaparlaments an die spanische Regierung, in dem sie sagten,
sie arbeiten mit Inigo Elkoro zusammen und warnten die Regierung insbesondere
davor, ihn zu foltern.
Anschließend
wurden sie dem Haftrichter des Sondergericht Audiencia Nacional vorgeführt.
Richter ist der "Menschenrechtskämpfer" Balthasar Garzon,
der sich international mit Pinochet einen Namen machte, im Baskenland
aber vorallem deshalb berüchtigt ist, weil er die baskischen Zeitungen
und Parteien verfolgen läßt.
Die
Festnahme der Mitglieder der internationalen Abteilung von Herri Batasuna
ist ein weiterer Versuch des spanischen Staates, die linke Partei zu
kriminalisieren. Zuletzt war 1997 die 25-köpfige Parteiführung
in einem Schauprozess wegen der Mitgliedschaft in ETA zu jeweils acht
Jahren Haft verurteilt worden - ein Urteil, daß inzwischen für
verfassungswidrig erklärt worden ist. Eine der nun Festgenommenen
war deshalb 1999 erst aus dem Gefängnis entlassen worden.
Die
festgenommenen Mitglieder von Gestoras pro Amnistia sind Anwält/innen
der 600 baskischen politischen Gefangenen und der knapp 2000 baskischen
politischen Flüchtlinge, die vor polizeilicher Verfolgung in Ländern
Europas und Lateinamerikas Schutz gesucht haben. Der spanische Staat
bemüht sich, die Auslieferung dieser Flüchtlinge zu erreichen.
Zur Zeit wird unter anderem in den USA und Mexiko vor Gericht um Auslieferungen
gerungen. Im Mittelpunkt dieser Verfahren stehen regelmäßig
die vom Europarat oder dem UN-Sonderbeauftragten gegen Folter erhobenen
Vorwürfe der Folterung baskischer Oppositioneller. Auch in Deutschland
hatte es deshalb ein eineinhalbjähriges juristisches und politisches
Tauziehen um die Auslieferung von Benjamin Ramos Vega gegeben. An der
Verteidigung Ramos Vegas vor dem Berliner Kammergericht hatten die festgenommenen
Anwält/innen maßgeblich mitgewirkt.
Die
Verteidigung baskischer politischer Flüchtlinge, die international
auf die Folter politischer Gefangener in Spanien aufmerksam gemacht
hat, wird den Mitgliedern von Gestoras pro Amnistia nun zur Last gelegt.
In den Worten der spanischen Polizei handelt es sich dabei um eine Koordination
zwischen verschiedenen Gliederungen der bewaffneten Organisation ETA.
Die Kriminalisierung der legal und öffentlich arbeitenden baskischen
Organisationen entspricht der Politik der spanischen Regierung im Konflikt
mit der baskischen Unabhängigkeitsbewegung. Während das Bündnis
von Lizarra, in dem die bedeutendsten baskischen Gewerkschaften, Vereinigungen
und Parteien zusammengeschlossen sind, eine politische Lösung des
Konflikts fordert, kennt die spanische Regierung nach wie vor nur polizeiliche
Verfolgung. Jede baskische Dissidenz wird zu Terrorismus erklärt:
nachdem die vielgelesene linke Tageszeitung egin 1998 mit der Erklärung,
es handele sich um das "Finanzministerium" ETAs polizeilich
geschlossen wurde, nachdem Herri Batasuna immer wieder zu deren "legalen
Arm" erklärt wurde, nun ein Schlag gegen die internationale
Solidarität.
Libertad!
arbeitet eng mit der Gestoras pro Amnistia zusammen. Im April 1999 richteten
die Organisationen zusammen mit weiteren Gruppierungen in Berlin eine
internationale Konferenz zur Solidarität mit politischen Gefangenen
aus. In der letzten Ausgabe von "so oder so" war ein Interview
mit dem nun verhafteten Gestoras-Mitglied Inigo Elkoro veröffentlicht.
Die Initiative Libertad! unterstützt die Verteidigung der baskischen
politischen Flüchtlinge und Gefangenen und fordert die Freilassung
der baskischen Internationalist/innen.
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