Peru: Gefahr
eines erneuten Massakers
Seit Wochen versuchten
die politischen Gefangenen des Hochsicherheitsgefängsnisses von
Yanamayo, Peru, auf die Gefahr eines Massakers durch Armee und Polizei
aufmerksam zu machen. Am 6. Februar, einem Sonntag weigerten sich
die Gefangenen aus Protest gegen ihre Isolierung und die desolaten
Haftbedingungen nach dem täglichen Spaziergang in ihre Zellen
zurückzukehren. Spezialeinheiten der Polizei schossen auf die
Gefangenen und töteten einen von ihnen.
Das war der Anlaß zum Aufstand der Gefangenen, die drei Polizisten
als Geiseln nahmen. Diese verlangten die Anwesenheit der Presse, des
Internationalen Roten Kreuzes und der Defensoría del Pueblo
(eine Art Bürger- und Menschenrechtsbeauftragte des Justizministeriums).
Nach Verhandlungen kamen die Gefangenen zu einer Vereinbarung mit
der Gefängnisleitung. Daraufhin wurden nach 48 Stunden die drei
Geiseln freigelassen. Die Lage ist aber nach wie vor sehr kritisch.
Reguläre Truppen der Armee haben das Gefängnis umstellt.
Die Gefangenen verlangen die Erfüllung der Vereinbarung.
Aufgrund
der Ereignisse um die politischen Gefangenen in den vergangenen Jahren
darf man die Ernsthaftigkeit dieses Vorfalls nicht unterschätzen.
1986 wurden in drei Gefängnissen Perus 300 Gefangenen der Guerilla
Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad), ermordet. 1992 wiederholte
der peruanische Staat, diesmal unter der Regierung Fujimoris, ein Massaker
gegen die Gefangenen derselben Organisation mit über 100 Toten.
Die Gefangenen protestieren seit geraumer Zeit gegen ihre Haftbedingungen.
Das Hochsicherheitsgefängnis von Yanamayo, das sich am Titicacasee
auf 4000 Meter über den Meeresspiegel mit Temperaturen unter Minus
10 Grad befindet, ist das berüchtigtste von allen. Die Insassen
haben nur für eine halbe Stunde täglich Ausgang aus ihren
Dunkelzellen und dürfen nur einmal im Monat für eine Stunde
den Besuch direkter Verwandter empfangen. Den Gefangenen ist der Besitz
von Büchern untersagt und ihnen steht nur eine dünne Decke
zur Verfügung, die kaum vor der eisigen Kälte schützt.
Die tägliche Ration Essen und medizinische Versorgung sind so miserabel,
daß die Gefangenen an Unterernährung und unzählige Krankheiten
leiden. Die meisten von ihnen wurden in Eilverfahren an Militärgerichtshöfen
von Richter ohne Gesicht (mit anonymisierenden Kapuzen)
und ohne ein ordentliches Verfahren verurteilt.
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