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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 6 / März 2000 - Seite 14
Peru: gefahr eines erneuten Massakers
[ Inhalt Nr. 6.]

Peru: Gefahr eines erneuten Massakers

Seit Wochen versuchten die politischen Gefangenen des Hochsicherheitsgefängsnisses von Yanamayo, Peru, auf die Gefahr eines Massakers durch Armee und Polizei aufmerksam zu machen. Am 6. Februar, einem Sonntag weigerten sich die Gefangenen aus Protest gegen ihre Isolierung und die desolaten Haftbedingungen nach dem täglichen Spaziergang in ihre Zellen zurückzukehren. Spezialeinheiten der Polizei schossen auf die Gefangenen und töteten einen von ihnen.
Das war der Anlaß zum Aufstand der Gefangenen, die drei Polizisten als Geiseln nahmen. Diese verlangten die Anwesenheit der Presse, des Internationalen Roten Kreuzes und der Defensoría del Pueblo (eine Art Bürger- und Menschenrechtsbeauftragte des Justizministeriums). Nach Verhandlungen kamen die Gefangenen zu einer Vereinbarung mit der Gefängnisleitung. Daraufhin wurden nach 48 Stunden die drei Geiseln freigelassen. Die Lage ist aber nach wie vor sehr kritisch. Reguläre Truppen der Armee haben das Gefängnis umstellt. Die Gefangenen verlangen die Erfüllung der Vereinbarung.

Aufgrund der Ereignisse um die politischen Gefangenen in den vergangenen Jahren darf man die Ernsthaftigkeit dieses Vorfalls nicht unterschätzen. 1986 wurden in drei Gefängnissen Perus 300 Gefangenen der Guerilla ”Sendero Luminoso” (Leuchtender Pfad), ermordet. 1992 wiederholte der peruanische Staat, diesmal unter der Regierung Fujimoris, ein Massaker gegen die Gefangenen derselben Organisation mit über 100 Toten. Die Gefangenen protestieren seit geraumer Zeit gegen ihre Haftbedingungen. Das Hochsicherheitsgefängnis von Yanamayo, das sich am Titicacasee auf 4000 Meter über den Meeresspiegel mit Temperaturen unter Minus 10 Grad befindet, ist das berüchtigtste von allen. Die Insassen haben nur für eine halbe Stunde täglich Ausgang aus ihren Dunkelzellen und dürfen nur einmal im Monat für eine Stunde den Besuch direkter Verwandter empfangen. Den Gefangenen ist der Besitz von Büchern untersagt und ihnen steht nur eine dünne Decke zur Verfügung, die kaum vor der eisigen Kälte schützt. Die tägliche Ration Essen und medizinische Versorgung sind so miserabel, daß die Gefangenen an Unterernährung und unzählige Krankheiten leiden. Die meisten von ihnen wurden in Eilverfahren an Militärgerichtshöfen von Richter „ohne Gesicht“ (mit anonymisierenden Kapuzen) und ohne ein ordentliches Verfahren verurteilt.


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:19
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