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Italien:
Den Teich austrocknen...
Über die jüngste Repression
Der
Einsatz von Ermittlungsverfahren als Instrument der Prävention
und Repression in den letzten Jahren in Italien ist bemerkenswert. Die
Logik die hinter dieser Art von Operationen steckt ist sowohl in Italien,
als auch auf internationaler Ebene immer die gleiche: einen bestimmten
Zusammenhang anzugreifen um einen Angriff auf alle kämpfenden Zusammenhänge
zu konstruieren und um den politischen Bewegungsspielraum für alle
einzuschränken.
Das
Instrument, das normalerweise zu diesem Zweck benutzt wird ist die Anklage
der "Subversiven Vereinigung mit dem Ziel des Umsturzes";
oder die übergestellte Anklage "270bis" die als Notstandsgesetzgebung
eingeführt wurde (nicht nur in Italien sondern auch in Deutschland,
Frankreich, England, Irland usw und kürzlich auch in der Türkei).
Sie wird auch heute noch ungeniert benutzt um Einzelpersonen, Organisationen,
Zusammenschlüsse und Kommunikationsmittel zu kriminalisieren; Festnahmen,
Durchsuchungen und Überwachungen zu ermöglichen und die Dauer
der präventiven Inhaftierung auszudehnen.
Heute
mitten in der Umstrukturierung der NATO, mit einem immer klarer definierten
europäischen Polizeiapparat, der schon jetzt Opfer fordert, mit
der Entfaltung des sogenannten "Dritten Weges" der Sozialdemokratie
Clintons, Jospins, Blairs und D'Alemas müssen wir eine "hausgemachte"
Repression berücksichtigen, die sich immer weiter ausdehnt und
immer schneller alle Ansätze angreift, die sich gegen imperialistische
Politik wenden.
So
wurden 1996 Anklagen gegen anarchistische GenossInnen erhoben, aufgrund
derer einige GenossInnen immer noch im Gefängnis sind; in diesen
Tagen wird das Urteil über einen dieser Genossen vom Mailänder
Gericht gefällt werden.
1999 haben sich mit dem Beginn des Krieges in Jugoslawien zahlreiche
militante Initiativen gegen den Krieg entwickelt. Diese Initiativen
reichten von Demonstrationen bis zu Anschlägen und Sabotage gegen
die NATO und die PDS (Regierungspartei)
Im
Mai 1999 führten die BR-PCC eine Aktion gegen D'Antona durch (der
im "Bericht zur Informationspolitik und Sicherheit" der Abgeordnetenkammer
des 1. Halbjahres 1999 als eine Persönlichkeit dargestellt wird,
die ein Symbol für die Politik der Verständigung war, mit
der Fähigkeit die Streitpunkte zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen
Lagern durch Schlichtung beizulegen...)
Exemplarische
Beispiele
In
diesem Zusammenhang gab es unzählige repressive Initiativen: Verhaftungen,
Durchsuchungen, Räumungen, Repression am Arbeitsplatz ... es ist
unmöglich alle aufzuzählen; die wichtigsten waren:
- Vorwurf der "teroristischen Vereinigung Toskana" im Rahmen
dessen es, eingebettet in eine große Zeitungskampagne, zu zahlreiche
Durchsuchungen bei Genoss/innen aus unterschiedlichen Zusammenhängen
der Region kam. Damit verbunden war ein weiterer Schub in der Kampagne
gegen das CPA (ein selbstverwaltetes Zentrum in Florenz) mit dem Ziel
der Räumung, was im Moment noch durch eine beträchtliche Mobilisierung
verhindert wird.
- Vorwürfe gegen die CARC; in diesem Zusammenhang gab es am 18.
Oktober 1999 an die 50 Hausdurchsuchungen in ganz Italien, zum Teil
mit dem Vorwurf der "associazione sovversiva" (so ähnlich
wie bei uns die kriminelle/terroristische Vereinigung d. Ü.).
- weitere schwere Vorwürfe wegen terorristischer Vereinigung
gegen die Zeitschrift "Quemada" und gegen Genoss/innen, die
sich gegen den Krieg in Jugoslawien engagiert haben.
Das
was hier im Zusammenhang mit der Repression geschieht ist aus politisch-juristischer
Sicht weitgehend präventiv, klar zu erkennen aus dem Document BO33
der Terrorismuskommission des italienischen Parlamentes zu "Berichte
zu den Ermittlungen im Fall D'Antona" in dem einige gefährliche
antagonistische Zusammenhänge definiert werden, die zum Beispiel
das Wiedererscheinen der BR-PCC unterstützen und festgestellt wird
daß "der Teich in dem die Fische schwimmen auszutrocknen
sei".
Dieses fruchtbare Terrain, dieser Teich wird nach ihren
Worten von all den politischen und sozialen Zusammenhängen repräsentiert,
die sich im Alltag dafür einsetzten, den Kampf zu unterstützen;
sei es im Sinne von Initiativen oder in der Weiterentwicklung einer
Antwort zur Aneignung der eigenen Bedürfnisse und der Bedürfnisse
der Klasse, im Sinne von Arbeiter/innen, Arbeitslosen, Sozialen Zentren,
Zeitungen, politischen Organisationen.
Ziele
der Verfolgung
Diese
Repressionswelle wurde mittels konkreter Schritte vorbereitet, wobei
eine wohldosierte Unterstützung der Massenmedien dazu beigetragen
hat, jene Kräfte zu demontieren und zu isolieren, die sich innerhalb
der Mobilisierung gegen die NATO und auch innerhalb der Kämpfe
gegen die Verschärfung der Arbeits- und Lebensbedingungen nicht
in imperialistische Vorgaben einbinden ließen.
Die Repression zielt zum einen gegen die, die überlegen wie die
aktuelle Auseinandersetzung vorwärts gebracht werden kann und wo
die Momente der Organisierung sind, sie zu lenken. Zum anderen gegen
die, die auf der Ebene der Kommunikation arbeiten, Informationen und
Analysen verbreiten, die die Dynamik der realen Auseinandersetzung darstellen.
Darum wurden die Genoss/innen der "Quemada" angegriffen, innerhalb
der gleichen repressiven Strategie, die nur wenige Wochen zuvor zu über
50 Hausdurchsuchungen bei den Genoss/innen aus der CARC führte.
Es ist die selbe Strategie, die zu den wiederholten Angriffen gegen
die Basisgewerkschaften, gegen selbstorganisierte Strukturen und auch
zur Auslöschung der historischen Erfahrungen kollektiver Verwaltung
politischer Räume führt, sei es im CPA in Florenz, im sozialen
Zentrum Roter Stern in Bassano, im Volkszentrum Gramigna in Padova,
im sozialen Zentrum Experia in Catania und so weiter...
Die gleiche Repression hat die Avantgarde der Kämpfe im Visier,
die versuchen die Pläne der vereinigten Industrie zur Umstrukturierung
der Arbeitsbedingungen zu durchkreuzen.
Padroni
der Neuen Weltordnung
Hierbei
wird mit vollen Händen aus dem §270bis geschöpft,
der eine programmatische Erklärung der Intention der Macht darstellt.
Es hat keinerlei Wichtigkeit, daß einigen Genoss/innen bestimmte
Aktionen vorgeworfen werden und anderen, daß sie "von Natur
aus" subversiv sind. Wichtig ist, die absolute Homogenität
dieser Angriffe zu verstehen und die Fähigkeit zu haben eine Antwort
zu finden, die keinen Platz läßt für Differenzierung
und Entsolidarisierung im Interesse der Mächtigen, die keinen Platz
läßt für ihre Versuche verbrannte Erde mit den Erfahrungen
der Kämpfe zu machen und ihre Vorherrschaft, ihre Perspektive in
der Veränderung der kapitalistischen Gesellschaft durchzusetzen.
Während die Padroni damit beschäftigt sind ihren starken,
effizienten Staat zu definieren, ist ihr professionelles Heer bereit
in jedem Teil der Welt (und innerhalb der nationalen Grenzen zur Aufstandsbekämpfung
und im Ausnahmezustand) zu intervenieren; ist ihr Polizeiapparat bereit
die Prävention und Repression in jedwedem Konflikt und die totale
Kontrolle zu garantieren, all dies unter bestmöglichster Ausnutzung
des Einflusses der Massenmedien. Wir laufen Gefahr nicht zu verstehen,
daß sie zu diesem Zweck alles ausmerzen müssen, was sie daran
hindern könnte ihr Projekt zu vollenden.
Die aktuell praktizierte Repression wird auch in Zukunft fortgeführt
werden, für sie ist es ein obligatorischer Schritt angesichts einer
offensichtlichen Opposition gegen die Politik der europäischen
Regierungen und die imperialistische Politik der Neuen Weltordnung.
Wir
müßten also beginnen unsere Aufmerksamkeit auf die konterrevolutionären
Aktivitäten, die unser Gegner voran treibt und auf die Komplexität
seines Repressionsapparates zu richten, mit dem er jede antagonistische
politische Initiative vernichten möchte, in diesem Land und auf
internationaler Ebene.
Febbraio
2000
Centro di documentazione Krupskaja Bologna - Italia
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