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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 6 / März 2000 - Seite 10
"Wir werden hungern bis zum Tod"
Hungerstreik in der Abschiebehaft in Köpenick
[ Inhalt Nr. 6.]
"Wir werden hungern bis zum Tod"
Hungerstreik in der Abschiebehaft in Köpenick

Seit 8. Februar findet im Abschiebeknast Köpenick bei Berlin ein Hungerstreik statt. Mindestens 13 Gefangene aus der Türkei und Kurdistan, aus afrikanischen Ländern, aus Rußland und der Ukraine haben sich unterschiedlich lange diesem Hungerstreik angeschlossen. Sie protestieren für ihre sofortige Freilassung aus der Abschiebehaft. "Wir Kurden werden weiter hungern bis zum Tod", erklärte Turgut Dogan gegenüber der Antirassistischen Initiative. Insgesamt beteiligen sich 6 kurdische Gefangene am Hungerstreik.

Zwei der Hungerstreikenden mußten aufgrund ihres dramatischen Gesundheitszustandes aus der Abschiebehaft entlassen werden.
Die Hungerstreikenden wurden aus verschiedenen Zellentrakten zusammengelegt, streng isoliert von allen anderen Häftlingen. Die medizinische Versorgung der Hungerstreikenden durch den Polizeiärztlichen Dienst ist entgegen der Aussage eines Beamten nicht gewährleistet. "Wir werden einmal am Tag gewogen, mehr geschieht nicht", sagte ein an dem Protest beteiligter Häftling.

Am 23. Februar befand sich auf jeden Fall noch Turgut Dogan im Hungerstreik und seit mindestens 5 Tagen auch im Durststreik. Turgut Dogan sagt, daß er auf jeden Fall weitermachen wird. Von den anderen kurdischen Gefangenen soll niemand mehr im Hungerstreik sein. Als letzter hat Erdal Topyürek abgebrochen. Er will ausreisen.
Der 17jährige Wladimir Matweizew befindet sich 18 Tagen im Hungerstreik. Er ist erst 17. Jahre alt! Sergej Gliniakov war in der Zwischenzeit im Haftkrankenhaus in Moabit und wurde am 21. Feb. wieder nach Köpenick in den Abschiebeknast gebracht und am 24.2. entlassen.
Ali Quattara hat aus gesundheitlichen Grünen abgebrochen. Alexandr Ljaschenko und Semjon Bender wurden entlassen. Hüseyin Atalay wurde am 16.2. abgeschoben. Lukubami Nudjo aus Angola hat sich vor 5 Tagen dem Hungerstreik angeschlossen. Mamadou Diane aus Guinea-Conacry sollte abgeschoben werden. Er hat seit 18 Jahren in der BRD gelebt und seinen Aufenthaltstitel verloren, weil er im letzten Jahr 7 Monate in Guinea war und aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen nicht rechtzeitig zurückkommen konnte.

Auch in der Vergangenheit führten Gefangene aus den Berliner Abschiebegefängnissen Hungerstreiks durch, um ihre oft ausweglose, bedrohliche Lage in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Sie greifen zu diesem letzten Mittel, um gegen Abschiebungen in Ländern, in denen ihnen Krieg, Hunger Verfolgung und Folter drohen, gegen ihre teils jahrelange Inhaftierung und für ihre Freilassung zu protestieren.

Für Rückfragen:
Antirassistische Initiative e.V., Yorckstr. 59, 10965 Berlin,
Telefon: 030 - 785 72 81 -
Fax: 030 - 786 99 84
ari@ipn.de

Bank für Sozialwirtschaft - BLZ 100 205 00 - Kto. 303 96 00


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