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Wie
war das mit der Würde des Menschen in Büren?
Drei Beispiele zum Thema Abschiebungshaft und Abschiebung.
(Frank
Gockel, mfm Paderborn) Als ich das Angebot erhielt, einige Zeilen über
Europas größten Abschiebeknast im westfälischen Büren
zu schreiben, wurde mir schnell bewußt, daß ich kaum in
der Lage sein werde, die menschenverachtende Praxis der Abschiebehaft
und der Abschiebung auf den vorgegebenen kleinen Platz darzustellen.
Ich entschloß mich daher, anhand von drei konkreten Beispielen
die Inhumanität darzulegen. Diese Beispiele stehen stellvertretend
für über dreitausend Abschiebehäftlinge alleine in der
JVA Büren, die jedes Jahr unschuldig eingesperrt werden.
Rachid
Sbaai befand sich schon fast drei Monate in Abschiebehaft, als er am
27.9.99 bei einem Fußballspiel gefoult wurde. Es kam zu einer
kleinen Rangelei zwischen vier Spielern. Am 30.9.99 wurden dann alle
Beteiligten zu sieben Tagen Arrest verurteilt. Beamte brachten Rachid
in den Bunker. Dort mußte er sich komplett ausziehen und erhielt
spezielle Kleidung. Alle persönlichen Gegenstände wurden ihm
abgenommen. Es gibt in dieser Zelle keine Möglichkeit der Ablenkung.
Bücher, Zeitungen, Fernseher, Radio, all dieses ist verboten. Das
Mobilar ist mit der Wand verschraubt. Absolutes Rauchverbot. Kein Kontakt
zu Mithäftlingen. Die totale Isolation. Aus lauter Verzweiflung
setzte Rachid seine Zelle in Brand. Als er merkte, was er getan hatte,
versuchte er mit seinen Händen die Flammen zu ersticken. Er löste
Alarm aus, doch der Raum, in dem solche Alarme zusammenlaufen, war von
keinem Beamten besetzt. Rachid schrie um Hilfe, Mithäftlinge hörten
10 Minuten lang sein Schreien, dann starb er an einer Rauchvergiftung.
Herr
S. klagte schon, bevor er in Abschiebehaft kam, über ständige
Kopfschmerzen. In der JVA Büren wurde er anfangs nicht behandelt.
Als er endlich dem Anstaltsarzt vorgeführt wurde, war kein Dolmetscher
anwesend. Herr S. konnte sich nicht verständigen. Der Arzt schickte
ihn zu Spezialisten. Während der Fahrt zu diesen Ärzten und
während der Behandlung war er gefesselt. Auch hier war kein Dolmetscher
anwesend. Nachdem Herr S. nun immer noch nicht wußte, woran er
erkrankt war, bat er einen ehrenamtlichen Betreuer des Vereins Hilfe
für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V. ihn zu helfen.
Obwohl Herr S. den Arzt von der Schweigepflicht entband, erhielt auch
der Betreuer keine Antwort. Jetzt hat Herr S. erfahren, daß er
operiert werden müßte, aber kein Termin frei sei. Er weiß
noch immer nicht, woran er erkrankt ist, was operiert werden soll und
wann und wo dieses evt. stattfinden wird.
Am 17.3.99 wurden 17 Flüchtlinge aus Guinea abgeschoben. Die Regierung
in Conakry verweigerte aber die Einreise und sie kamen zurück.
Während des ganzen Fluges waren sie an Händen und Füßen
bis zur Unbeweglichkeit gefesselt. Einem von ihnen setzte der BGS einen
Motorradhelm auf. Sie drückten seinen Kopf beim Start der Maschine
so nach unten, daß der Helm ihm den Kehlkopf zuschnürte.
Er wäre fast erstickt.
Wer von den Flüchtlingen während der 16 Stunden dauernden
Fluges etwas essen oder trinken wollte, wurde vom BGS gefüttert.
Selbst bei den Toilettengängen wurde ihnen von den Grenzschützern
die Fesseln nicht abgenommen. Sie mußten sich von den Beamten
die Hose öffnen lassen. Diese taten daß nicht, ohne sich
über die anatomischen Verhältnisse lustig zu machen. Beleidigungen
wie: Du Nigger f... keine deutsche Frau mehr waren während
des ganzen Fluges an der Tagesordnung. Am 30.6.99 erfolgte erneut die
Abschiebung. Nachforschungen von mfm (Medienbüro für Menschenrechte)
vor Ort erbrachten, daß von 14 Abgeschobenen drei inhaftiert waren,
vier verstorben sind und sieben noch als vermißt gelten. Es wird
noch immer nach Guinea abgeschoben, obwohl selbst das Auswärtige
Amt zugeben mußte, daß bei Abschiebungen immer wieder Menschen
verschwinden.
Dieses
stellt nur einen kleinen Teil der menschenverachtenden Abschiebepolitik
der BRD da. Die Menschenwürde wird auch in diesem Land immer wieder
mit Füßen getreten. Flüchtlinge, die abgeschoben werden
sollen, gelten als Menschen vierter Klasse. Sie werden eingesperrt,
beleidigt, mißhandelt und in den Selbstmord getrieben. Es gibt
nur einen Ausweg aus dieser inhumanen Praxis: ABSCHIEBEHAFT ABSCHAFFEN!!!.
Weitere
Informationen: Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V.,
c/o Frank Gockel, Harbortweg 11, 33102 Paderborn, Fax: 05251-690442.
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