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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 6 / März 2000 - Seite 10
Wie war das mit der Würde des Menschen in Büren?
Drei Beispiele zum Thema Abschiebehaft und Abschiebung
[ Inhalt Nr. 6.]
Wie war das mit der Würde des Menschen in Büren?
Drei Beispiele zum Thema Abschiebungshaft und Abschiebung.

(Frank Gockel, mfm Paderborn) Als ich das Angebot erhielt, einige Zeilen über Europas größten Abschiebeknast im westfälischen Büren zu schreiben, wurde mir schnell bewußt, daß ich kaum in der Lage sein werde, die menschenverachtende Praxis der Abschiebehaft und der Abschiebung auf den vorgegebenen kleinen Platz darzustellen. Ich entschloß mich daher, anhand von drei konkreten Beispielen die Inhumanität darzulegen. Diese Beispiele stehen stellvertretend für über dreitausend Abschiebehäftlinge alleine in der JVA Büren, die jedes Jahr unschuldig eingesperrt werden.

Rachid Sbaai befand sich schon fast drei Monate in Abschiebehaft, als er am 27.9.99 bei einem Fußballspiel gefoult wurde. Es kam zu einer kleinen Rangelei zwischen vier Spielern. Am 30.9.99 wurden dann alle Beteiligten zu sieben Tagen Arrest verurteilt. Beamte brachten Rachid in den Bunker. Dort mußte er sich komplett ausziehen und erhielt spezielle Kleidung. Alle persönlichen Gegenstände wurden ihm abgenommen. Es gibt in dieser Zelle keine Möglichkeit der Ablenkung. Bücher, Zeitungen, Fernseher, Radio, all dieses ist verboten. Das Mobilar ist mit der Wand verschraubt. Absolutes Rauchverbot. Kein Kontakt zu Mithäftlingen. Die totale Isolation. Aus lauter Verzweiflung setzte Rachid seine Zelle in Brand. Als er merkte, was er getan hatte, versuchte er mit seinen Händen die Flammen zu ersticken. Er löste Alarm aus, doch der Raum, in dem solche Alarme zusammenlaufen, war von keinem Beamten besetzt. Rachid schrie um Hilfe, Mithäftlinge hörten 10 Minuten lang sein Schreien, dann starb er an einer Rauchvergiftung.

Herr S. klagte schon, bevor er in Abschiebehaft kam, über ständige Kopfschmerzen. In der JVA Büren wurde er anfangs nicht behandelt. Als er endlich dem Anstaltsarzt vorgeführt wurde, war kein Dolmetscher anwesend. Herr S. konnte sich nicht verständigen. Der Arzt schickte ihn zu Spezialisten. Während der Fahrt zu diesen Ärzten und während der Behandlung war er gefesselt. Auch hier war kein Dolmetscher anwesend. Nachdem Herr S. nun immer noch nicht wußte, woran er erkrankt war, bat er einen ehrenamtlichen Betreuer des Vereins “Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V.” ihn zu helfen. Obwohl Herr S. den Arzt von der Schweigepflicht entband, erhielt auch der Betreuer keine Antwort. Jetzt hat Herr S. erfahren, daß er operiert werden müßte, aber kein Termin frei sei. Er weiß noch immer nicht, woran er erkrankt ist, was operiert werden soll und wann und wo dieses evt. stattfinden wird.
Am 17.3.99 wurden 17 Flüchtlinge aus Guinea abgeschoben. Die Regierung in Conakry verweigerte aber die Einreise und sie kamen zurück. Während des ganzen Fluges waren sie an Händen und Füßen bis zur Unbeweglichkeit gefesselt. Einem von ihnen setzte der BGS einen Motorradhelm auf. Sie drückten seinen Kopf beim Start der Maschine so nach unten, daß der Helm ihm den Kehlkopf zuschnürte. Er wäre fast erstickt.
Wer von den Flüchtlingen während der 16 Stunden dauernden Fluges etwas essen oder trinken wollte, wurde vom BGS gefüttert. Selbst bei den Toilettengängen wurde ihnen von den Grenzschützern die Fesseln nicht abgenommen. Sie mußten sich von den Beamten die Hose öffnen lassen. Diese taten daß nicht, ohne sich über die anatomischen Verhältnisse lustig zu machen. Beleidigungen wie: “Du Nigger f... keine deutsche Frau mehr” waren während des ganzen Fluges an der Tagesordnung. Am 30.6.99 erfolgte erneut die Abschiebung. Nachforschungen von mfm (Medienbüro für Menschenrechte) vor Ort erbrachten, daß von 14 Abgeschobenen drei inhaftiert waren, vier verstorben sind und sieben noch als vermißt gelten. Es wird noch immer nach Guinea abgeschoben, obwohl selbst das Auswärtige Amt zugeben mußte, daß bei Abschiebungen immer wieder Menschen verschwinden.

Dieses stellt nur einen kleinen Teil der menschenverachtenden Abschiebepolitik der BRD da. Die Menschenwürde wird auch in diesem Land immer wieder mit Füßen getreten. Flüchtlinge, die abgeschoben werden sollen, gelten als Menschen vierter Klasse. Sie werden eingesperrt, beleidigt, mißhandelt und in den Selbstmord getrieben. Es gibt nur einen Ausweg aus dieser inhumanen Praxis: ABSCHIEBEHAFT ABSCHAFFEN!!!.

Weitere Informationen: Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V., c/o Frank Gockel, Harbortweg 11, 33102 Paderborn, Fax: 05251-690442.


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:19
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