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März: Geschichte von Unterdrückung und Widerstand
1923 wurde durch
die Internationale Rote Hilfe zum ersten mal der 18. März als internationaler
Tag der politischen Gefangen ausgerufen.
Die desolate wirtschaftliche
Situation nach dem 1. Weltkrieg und der Revolution in der Sowjetunion
1917/18 führte zur massiven Verschärfung im Kampf gegen die
revolutionären Kräfte und die Arbeiter/innenbewegung. In zahlreichen
Staaten Nord- und Osteuropas wurden schon 1918 Konzentrationslager errichtet,
in denen allein in Finnland mehr als 26.000 Menschen umkamen. In Bulgarien
und Bessarabien wurden ca 30.000 Menschen ermordet, in Polen wurde mit
Giftgas gegen streikende Arbeiter/innen vorgangen. In Deutschland ließen
Sozialdemokraten auf streikende Arbeiter/innen und Matrosen schießen
und revolutionäre Führer/innen einkerkern oder, wie Rosa Luxemburg
und Karl Liebknecht, ermorden.
Weltweit landeten
zahllose Revolutionäre im Knast. Sie selbst waren übelsten
Schikanen und Folter ausgesetzt, ihre Familien hatten durch politische
Repression und materielle Not ebenfalls zu leiden. Vor diesem Hintergrund
entstanden in mehreren Ländern, unter anderem in Deutschland, Polen
und Bulgarien, lose Hilfsorganisationen, in denen vor allem die Angehörigen
der getöteten, verhafteten oder geflohenen Revolutionär/innen
wirkten.
In Deutschland gründete sich die ersten Hilfsvereine bereits 1919.
Beschleunigt wurde das durch die Ereignisse um den Kapp-Putsch und den
Mitteldeutschen Aufstand und der daraus folgenden Verfolgung. Aus den
Hilfsvereinen entwickelte sich die Rote Hilfe Deutschlands.
Auf Anregung von Julian Marchlewski wurde am 22.11.1922 auf dem IV.
Weltkongreß der kommunistischen Internationale die IRH gegründet.
Einer der ersten Beschlüsse der IRH war der zur Durchführung
eines internationalen Tag der politischen Gefangenen, der bereist ein
halbes Jahr später, 1923, zum ersten mal durchgeführt wurde.
Der 18. März
wurde gewählt, weil er in der Geschichte der Klassenkämpfe
mehrfach Bedeutung hatte. Er erinnert an den 1848-Märzaufstand
und seine Niederschlagung durch das Bündnis der Geldsäcke
und Aristokraten gegen das entstehende Proletariat. Und 1871 für
den Beginn der Pariser Commune, diesem ersten Versuch die bourgeoise
Herrschaft zu beseitigen. Bis in die 20er Jahre hinein war der 18. März
in der proletarischen Bewegung der Tag der Pariser Commune.
Mit der Festlegung eines internationalen Tages der politischen Gefangenen
sollte vor allem das Bewußtsein und Solidarität für
die Lage der politischen Gefangenen weltweit erzeugt, verankert werden
und zum praktischen Ausdruck kommen. So auch heute! Ein Tag, an dem
wir ungeachtet aktueller und unmittelbarer Anlässe das Bewußtsein
um die politischen Gefangenen wachhalten und unsere Solidarität
und Verbundenheit mit ihnen demonstrieren.
Deswegen griff Libertad! 1995 den 18. März als Kampftag wieder
auf. Als Aktionstag der Solidarität gegen politische Unterdrückung
und mit den politischen Gefangenen.
An der Lage der
politischen Gefangen hat sich seit 1923 nicht viel geändert.
"Das ganze kapitalistische Gefängnisregime ist darauf angelegt
die politischen Gefangenen körperlich und seelisch zu zermürben,
Folterungen, Karzer, Einzelhaft, geisttötende Arbeit, Schikanen
wie Fernhaltung revolutionärer Presse und Literatur, schlechte
Kost usw. sind tägliche Erscheinungen." (Clara Zetkin 1932).
Auch wenn Clara Zetkin noch nichts von den Perversitäten der Herrschenden,
von den faschistischen Mordfabriken oder der modernen Forschung der
weißen Folter, der sensorischen Deprivation gegen politische Gefangenen
wissen konnte, so könnte ihre Beschreibung auch erst in den heutigen
Tagen verfaßt worden sein.
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