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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 5 / Januar 2000 - Seite 16
Ein Symbol des Kapitalismus
[ Inhalt Nr. 5.]
Ein Symbol des Kapitalismus

Frankfurt, den 30.11.99. Wohl an die 200 Mächtige des Finanzkapitals strömten in den Frankfurter Dom. Unter ihnen Hilmar Kopper, der ehemalige Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer, der Graf Lambsdorff, Edzard Reuter, die Vorstände der Dresdner Bank und Karstadt-Quelle, BDI-Chef Olaf Henkel, Otto Wolff von Amerongen, die Witwe Herrhausen und zahlreiche weitere Vertreter der „Financial Community“. Grund der feinen Zusammenkunft in schwarz: Vor zehn Jahren hatte ein Kommando der RAF das Leben von Alfred Herrhausen, dem damaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank, mit gut plaziertem Sprengstoff beendet. Damals war der Wind für die Mächtigen des Landes noch etwas rauher: „Die Akteure dieses Systems müssen wissen, daß ihre Verbrechen ihnen erbitterte Feinde geschaffen haben, daß es für sie keinen Platz geben wird in der Welt, an dem sie vor den Angriffen revolutionärer Guerillaeinheiten sicher sein können.“, begründete die Guerilla ihre Aktion im Winter 1989, die sechs Monate nach dem letzten großen Hungerstreik der RAF-Gefangenen eine neue Phase revolutionärer Politik einleiten sollte.
Die Stadtguerilla ist seit März 1998 Geschichte, den Dom aber durften trotzdem nur Geladene betreten, die Tiefgarage am Römer wurde stundenlang gesperrt, als sich 10 Jahre später die Elite ihres „ungekrönten Königs der deutschen Wirtschaft“ (BILD-Zeitung) erinnerte.
Aber völlig ruhig sind die Zeiten dann doch nicht. Wenn auch den Protest diesmal Andere mit anderen Mitteln ausdrückten: Die katholischen Initiative „Ordensleute für die Frieden“ (IOF) hatte sich vor dem Domportal zu einer einstündigen Mahnwache versammelt und dabei sogenannte Gebets- und Sterbezettel mit der Aufschrift: „Wir gedenken Alfred Herrhausens und der zahllosen Opfer unseres Wirtschaftssystems“ verteilt.
Der Eklat folgte: „Pfui, schämen sie sich nicht“ wütete eine der geladenen Damen und zerriß mit diesen Worten das Flugblatt in lauter kleine Schnipsel, um sie dann den Mitgliedern der Mahnwache voller Ekel vor die Füße zu werfen. Wie alle anderen, mußte auch sie an dem großen Transparent mit der Aufschrift „Unser Wirtschaftssystem geht über Leichen“ auf ihrem Weg in den Dom trotzdem vorbei.
Bereits einen Tag zuvor hatte die FAZ die Initiative der Ordensleute als „pietätlos“ und „verwerflich“ verurteilt. Auch die Vorstandsetage der Deutschen Bank und die katholische Kirche hatten sie aufgefordert, zu Hause zu bleiben und das offizielle Gedenken nicht zu belästigen.
Die Ordensleute aber ließen sich nicht erschrecken. Bereits seit 10 Jahren demonstrieren sie einmal im Monat mit einer Mahnwache gegen die Deutsche Bank, das nach ihren Worten „Symbol unseres kapitalistischen Wirtschaftssystems“. Einer ihrer Aktivisten: „Die trauern hier um einen, und wer redet von den Millionen Toten, die die Deutsche Bank durch ihre Geldpolitik zu verantworten hat?“.
In ihrer Erklärung zur Aktion gegen Herrhausen hatte die RAF erklärt: „Es ist weltweit eine destruktive Entwicklung, die der Imperialismus zur Sicherung seiner Profit und Machtpositionen produziert; Völkermord, Hunger, Erniedrigung, Existenzunsicherheit und umfassende Zerstörung schafft eine im Kern einheitliche Situation, die überall existentielle Dimension angenommen hat, nirgends können die Menschen wirklich nach ihren eigenen Vorstellungen und Werten leben“.
Die Ordensleute sehen das ähnlich: „Die Ursache dieser Entwicklung liegt im kapitalistischen Wirtschaftssystem. Die Bedürfnisse der Armen und der aufkommenden Generationen haben keinen Platz in diesen Unrechtsstrukturen“, so ihr Flugblatt, daß mit den Worten endet: „Ohne Gerechtigkeit für alle gibt es keinen Frieden“ - eben, so ist es.


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:19
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