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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 5 / Januar 2000 - Seite 14
Türkei: 48 Tage Hungerstreik
[ Inhalt Nr. 5.]
Türkei: Nach 48 Tagen Hungerstreik wird Eva Juhnke verlegt

Eva Juhnke (36) wurde 1998 von einem türkischen Staatssicherheitsgericht wegen Mitgliedschaft in der PKK zu 15 Jahren Haft verurteilt. Eva Juhnke („Kani“), die als deutsche Internationalistin in der kurdischen Guerilla kämpfte, war zuvor bei einem Angriff türkischer Soldaten gefangen genommen worden.
Erst Anfang Dezember 1999 wurde in Deutschland bekannt, daß sie sich bereits seit Anfang November im Hungerstreik befand. Zu dem Zeitpunkt war Eva seit mehreren Wochen im Frauengefängnis von Sivas inhaftiert. Sie hatte im Anschluß an einen dreitägigen Protesthungerstreik der dort inhaftierten PKK-Gefangenen ihren Hungerstreik aufgrund einer persönlichen Entscheidung fortgesetzt. Eva, die zunächst selber die Verlegung nach Sivas gefordert hatte, protestierte mit ihrem Hungerstreik gegen die menschenunwürdigen Haftbedingungen in Sivas und verlangte, in das Gefängnis von Batman zurückverlegt zu werden, wo sie seit dem Urteil gegen sie gefangen war. In Sivas seien Schikanen, Schläge und Zellenrazzien an der Tagesordnung. Sie habe einer Vertreterin der deutschen Botschaft darüber berichtet, doch habe die Botschaft weder gegen die Mißhandlungen protestiert noch seien ihre Angehörigen informiert worden. Als ihre Mutter sie Mitte Dezember im Krankenhaus von Sivas besuchte, erfuhr sie erst dort über den fortgeschrittenen Hungerstreik ihrer Tochter. Die im Krankenhaus anwesenden Soldaten brachen den Besuch nach nur wenigen Minuten ab.
Das Auswärtige Amt war über die Besuchsbehinderung der Mutter informiert. Auf nachfragen der Presse hieß es dort, der Besuch der Mutter sei „sehr kurz“ gewesen. Der deutsche Honorarkonsul habe sich deshalb dafür eingesetzt, daß am Nachmittag ein zweiter Besuch der Mutter im Krankenhaus ermöglicht wurde. Ein Vertreter der deutschen Botschaft in Ankara führte nach eigenen Aussagen mehrere Gespräche mit dem türkischen Justizministerium, um die Lage von Eva zu verbessern. Eine Rückverlegung nach Batman war aber schwierig. Das türkische Gesetz sieht eine Rückverlegung erst nach einer Frist von einem Jahr vor.
In Deutschland kam die Solidaritätsarbeit aufgrund dessen, daß der Hungerstreik von Eva erst so spät bekannt geworden war, nur langsam in Gang. Mitte Dezember wandte sich die Informationsstelle Kurdistan (Berlin) in einem „Dringenden Appell“ an Außenminister Fischer. Das Kurdistan-Informationszentrum machte in einer Presseerklärung auf die Situation von Eva aufmerksam und forderte die Verbesserung der Haftbedingungen. Bundestagsabgeordnete von der PDS (Lippmann-Kasten, Hübner und Jelpke), sowie die grüne Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Deutschen Bundestag Claudia Roth setzten sich nach Auskunft ihrer Büros für Eva Juhnke ein.

Am 28. Dezember wurde bekannt, daß Eva ihren Hungerstreik beendet hat. Nun soll sie in das Frauengefängnis von Amasya verlegt werden.


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:19
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