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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr. 3 / Februar 1999 -
Seite 9
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Ein
Sieg im Fall Mumia Abu-Jamal ist ein Sieg im Kampf gegen die Todesstrafe
Alan Berkman im Interview
über die Situation der politischen Gefangenen in den USA
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Alan
Berkman im Interview über die Situation der politischen Gefangenen in
den USA
Wie sieht
die aktuelle Situation der politischen Gefangenen in den USA aus?
Der Hauptteil
der politischen US-Gefangenen ist noch immer im Knast und soll dort bleiben.
Da gibt es eine Gruppe von Black Panther und BLA Gefangenen, die bereits seit
fast 25 Jahren im Gefängnis sitzen. Auch die meisten der puertori-canischen
Kriegsgefangenen sitzen seit 19 Jahren. Leonard Peltier ist jetzt das 24.
Jahr im Knast. Viele von meinen revolutionären, weißen GenossInnen
sitzen seit 15 Jahren. Obgleich es also Erfolge in der Vergangenheit gab,
der aktuell größte war die Freilassung von Geronimo Pratt im letzten
Jahr, ist die Realität doch, daß wir bis heute die Regierung nicht
zwingen konnten, politische Gefangene anzuerkennen oder sie endlich freizulassen.
Im Moment
gibt es eine Kampagne, Bill Clinton zu einer Begnadigung der puer-toricanischen
Kriegsgefangenen zu bewegen. Deren Fall liegt nach wie vor auf dem Tisch des
Präsidenten und seiner Kommission. Aber niemand ist besonders optimistisch,
daß daraus wirklich etwas wird. Genauso gab es all die Jahre hindurch
Versuche, auch Leonard Peltiers Freilassung zu erreichen - auch auf diesem
Begnadigungsweg durch Bill Clinton.
Aber eine
solche Begnadigung käme ohnehin nur für die Gefangenen in den Bundesgefängnissen
in Frage und viele der Black-Panther und BLA-Gefangenen sitzen in den verschiedenen
Staatsgefängnissen.
Und es gab
einige wichtige, wenn auch kleine, positive Schritte. Im letzten Jahr, 1998,
hatten wir eine große Demonstration in Washington DC für die Freilassung
aller politischen Gefangenen.
Wieviel
Leute waren dort?
Das war sehr
interessant: Es waren ungefähr 5000 Leute, es fand an einem Werktag im
März bei nicht besonders schönen Wetter statt. Die Menschen mußten
sehr lange Wege zurücklegen und ich fand es sehr interessant, daß
dort sehr viele sehr junge Leute dabei waren. Ich finde das spannend, weil
die meisten politischen Gefangenen aus den Kämpfen aus den 60er Jahren
kommen. Und hier haben wir jetzt diese jungen Leute, jung genug, um Kinder
der Gefangenen sein zu können und für die es eine Rolle spielt,
daß die politischen Gefangenen für ganz grundsätzliche Prinzipien
stehen und eintreten und sie dem Staat bis heute widerstehen. Das interessiert
und begeistert diese jungen Leute. Sie bewundern das und reisen dafür
extra nach Washington DC, um diesen Standpunkt des Widerstands zu unterstützen.
Dies auch auf
lokaler Ebene. Z.B. organisierten Genossinnen von mir kürzlich in New
York ein Programm von Frauen für politische, gefangene Frauen. Es war
zwar nur eine sehr kleine Veranstaltung, nur ein paar hundert Leute, aber
die Mehrheit waren wieder junge Leute.
Weißt
Du, woher diese jungen Leute kommen?
Viele kommen
von den Universitäten, sie haben ihre eigenen Netzwerke der Organisierung
entwickelt, sie benutzen das Internet, um sich gegenseitig kennenzulernen.
In New York sind sie sehr engagiert, einen Kampf gegen die Kürzungen
im Bildungsbereich zu organsieren. Es ist eine Art von Studentenbewegung und
es ist sehr interessant, daß sich diese plötzlich verbindet mit
den politischen Gefangenen einer früheren Phase des Kampfes.
Was ist
ihre Ausrichtung? Haben sie eine klare politische Meinung? Sind sie in eigenen
Gruppen, bestehenden Organisationen oder z.B. in der Menschenrechtsbewegung
organisiert?
Die meisten
sind Anarchisten. Sie sind in sehr kleinen, persönlichen Gruppen. Besonders
einige der Schwarzen- und Lati-no-Studentengruppen arbeiten auf nationaler
Ebene. Sie sind zwar Studentenorganisationen, aber sie haben einen grundsätzlicheren
politischen Anspruch.
Entscheidend
in diesem ganzen Zusammenhang ist die Kampagne gegen die Hinrichtung von Mumia
Abu-Jamal, der in Deutschland wohl einer der bekanntesten politischen Gefangenen
in den USA ist. Der wichtigste Punkt war, daß 1998 sein Antrag auf Wiederaufnahme
des Verfahrens beim Obersten Gerichtshof von Pennsylvania abgelehnt wurde.
Ihm bleiben jetzt nur noch sehr wenige juristische Möglichkeiten seine
Hinrichtung zu verhindern. Zeitweise hat sein Fall sehr viele Aktivitäten
und Interesse für die politischen Gefangenen ausgelöst. Alle, die
verschiedenen politischen Gefangenen eingeschlossen, sind sich darin einig,
daß die Kampagne für seine Freilassung und gegen seine Hinrichtung
in der jetzigen Situation der entscheidende Teil jeder Kampange zur Situation
der politischen Gefangenen in den USA ist. Es wird sich mehr und mehr zeigen:
Sein Fall ist der Brennpunkt in jeder Arbeit mit und für die politischen
Gefangenen in den USA. Erst kürzlich habe ich einen Aufruf von Leonard
Peltier im Internet gelesen, in dem er seine Unterstützer dazu auffordert,
sich auf die Kampagne für Mumia zu konzentrieren. Ich kann zwar nicht
für alle politischen Gefangenen sprechen, aber ich kenne viele von ihnen
persönlich, und mein Eindruck ist: Alle stimmen darin überein, daß
es der wichtigste Punkt momentan ist, was wir in den USA zur Unterstützung
der politischen Gefangenen generell tun können - eine aktive Kampagne
gegen die Hinrichtung von Mumia Abu-Jamal aufzubauen.
Du hast
bei unserem letzten Gespräch erzählt, daß die Unterstützung
für die Kampagne gegen Mumias Hinrichtung lange Zeit gar nicht so einfach
war in den USA. Es gab eine politische Auseinandersetzung über die inhaltlichen
Positionen von MOVE. Aber jetzt stimmen offensichtlich alle darin überein,
daß die Kampagne zentrale Bedeutung hat.
Ja, darin stimmen
alle überein. Aber sie sind sich vielleicht nicht einig darin, daß
die Kampagne unter einer zentralen Führung stattfinden muß. Es
kann sein, daß eine mehr oder weniger soziale Bewegung nicht von einer
Organisation geleitet werden kann. Zeitweise gab es professionelle Organisationen
z.B. von Universitätsprofessoren, die Mumia unterstützt haben. Wenn
du aber eine wirklich aktive Bewegung hast, organisieren sich die Menschen
auf unterschiedlichste Art und Weise. Und ich denke, in den USA, wie vielleicht
in jedem anderen Land, fällt es Leuten aus dem linken Spektrum schwer,
direkt miteinander zusammenzuarbeiten. Aber es gibt eben jetzt einen Konsens
darüber, wie und was auch immer die einzelnen Gruppen tun: Für alle
hat der Fall von Mumia zentrale Bedeutung.
Ich bin sicher,
wir wären mit einer zentralen, einheitlichen Leitung besser und stärker
- nicht unbedingt eine organisatorische Führung, sondern eher im Sinne
einer klaren politischen Richtung. Und das ist immer die Frage: Woher kommt
diese klare Linie? Was zu tun ist, wie die Kampagne aufgebaut wird, welchen
Stellenwert juristische und politische Fragen und Aktivitäten haben sollen?
Das ist, was wir brauchen und nicht unbedingt eine einheitliche Organisation.
Aber wir brauchen eine klare Richtung, eine definierte Linie in der Kampagne.
Eine Gruppe von Leuten, die helfen, eine gemeinsame, klare Linie für
die Kampagne zu erarbeiten und es so vielen Menschen ermöglichen, sich
daran zu beteiligen.
Ende April
soll doch in Philadelphia eine große Demonstration stattfinden, genannt
A million march for Mumia.
Richtig.
Ich denke, diese Demo ist ein Konzentrationspunkt. Es ist wichtig, das jetzt
zu tun. Was sehr oft, zumindest hier, in Kampagnen für politische Gefangene
passiert, ist, daß die Massenmobilisierung sehr stark in direktem Zusammenhang
steht mit dem, was gerade juristisch geschieht. Unseren größten
Erfolg im Fall Mumia hatten wir, als der Gouverneur das erste Mal das Todesurteil
unterschrieben hatte und es eine Anhörung gab vor zweieinhalb Jahren.
Für mich ist es auch nachvollziehbar, daß die Leute aktiver werden,
wenn seine Hinrichtung konkreter bevorsteht. Gleichzeitig denke ich, daß
wir darauf nicht warten dürfen, wir müssen viel mehr Unterstützung
aufbauen, damit er parallel zum juristischen Ablauf so viel politische Unterstützung,
wie möglich, erhält. Wenn es den Richtern alleine überlassen
bleibt und es keinen starken politischen Druck gibt, wird er nie eine faire
Anhörung bekommen. Die einzige Möglichkeit, die Richter überhaupt
zum Zuhören zu bewegen, ist ein starker Massenprotest gegen das, was
passiert.
Welche Form
von Bewegung müßte es in den USA und international geben, um die
Hinrichtung von Mumia verhindern zu können? In welcher Situation würde
die Regierung die Hinrichtung stoppen? Welche Qualität müßte
die Kampagne erreichen?
Sie
müßte wesentlich größer und stärker sein als alles,
was die USA seit vielen Jahren gesehen hat. Die internationale Unterstützung
für Mumia war in vielen Punkten beispielhaft. Es gab Zeiten, in denen
wir als Organisatoren in den USA keine große Unterstützung für
Mumia zustande brachten, und stattdessen eine große Solidarität
politisch und finanziell für die Arbeit der Rechtsanwälte mehr aus
Europa als aus den USA selbst kam. Das war wunderbar und sehr wichtig. Aber
grundsätzlich muß die Bewegung für Mumia eine Bewegung sein,
die ihre Basis in der US-Gesellschaft hat. Und ich denke, sie muß sehr
groß und breit sein, sie muß sehr viele unterschiedliche gesellschaftliche
Bereiche erreichen. Wir müssen alle Kritiker der Todesstrafe aktivieren
und Mumias Fall dazu benutzen, auf die gesamte Problematik der Todesstrafe
aufmerksam zu machen: Den Zusammenhang mit Rassismus und die Tatsache, daß,
wer arm ist und nicht reich, wer zuwenig Geld hat für gute Rechtsanwälte
und Pflichtanwälte nehmen muß, keine Chancen hat, ein faires Verfahren
oder Gerechtigkeit zu bekommen. Z.B. der Richter von Mumia, der mehr Schwarze
in die Todeszellen geschickt hat, wie jeder andere Richter in den USA. Diese
Punkte gelten nicht nur für Mumia. Sie sind bittere Realität für
viele, viele Insassen der Todeszellen in den USA. Wir müssen sehen ,
daß Mumias Leben nicht etwa wichtiger ist als das der anderen 3000 zum
Tode Verurteilten und das würde er selbst auch niemals sagen. Aber sein
Fall und seine Fähigkeit zu schreiben und darüber sprechen, was
ihm und all den anderen Todeszellen-Insassen, Männer und Frauen passiert,
erlauben es und machen es sinnvoll, seine Kampagne zum Brennpunkt zu machen.
Weil ein Sieg in seinem Fall ein Sieg im Kampf gegen die Todesstrafe wäre.
Mumia, den ich persönlich kenne aus dem Gefängnis und den ich zweimal
dort getroffen habe, unterscheidet nie zwischen sich und den anderen Gefangenen
in den Todeszellen. Er stellt sich und seinen Fall immer in den Zusammenhang
mit dem, was tausenden anderen geschieht.
Und ich denke,
ohne abenteuerlustig zu werden, daß wir eine militante Bewegung brauchen.
Wir müssen zeigen, daß wir es ernst meinen. Manchmal ist es leicht,
leere Drohungen auszusprechen, aber leere Drohungen bringen niemandem etwas.
Wir brauchen eine Bewegung, die es ernst meint, bei der die Regierung versteht,
daß wir sein Leben ernst nehmen. Sie müssen wissen, wenn sie ihn
umbringen, hat das ernste Folgen.
Militanz hat
viele verschiedene Formen. In den USA hat es seit Jahren keine militante Bewegung
mehr gegeben. Manchmal glaube ich, daß die Arbeit zu seinem Fall auch
anderen Aktivitäten eine Ernsthaftigkeit verliehen hat. Manchmal machen
Leute, zumindest in den USA, Demonstrationen und rufen Slogans und sind dann
sehr überrascht und besorgt, wenn die Polizei aggressiv mit ihnen umgeht.
Weil sie sich nicht als Gegner dieses Staates verstehen. Aber die Polizei
sieht sie eben eindeutig als Staatsfeinde. Und die Politiker sehen sie genauso
als Staatsfeinde. Aber manchmal versteht noch nicht einmal die politische
Linke in den USA diesen Konflikt und will sich auch selbst nicht als Staatsfeinde
begreifen.
Doch
ich denke, die Menschen, die sich mit dem Fall Mumia beschäftigen, werden
und müssen verstehen, daß die Regierung ihn wirklich umbringen
will. Und sie werden es sehr wahrscheinlich tun. Wenn die Leute das begreifen,
dann kann es eine wirklich ernstzunehmende Bewegung werden. Es gibt wirklich
einen Kampf um Leben oder Tod.
Wie sieht
die Situation der anderen politischen Gefangenen aus? Weißt Du, wieviele
Gefangene es derzeit noch von den Black Panthers, Black Liberation Army, der
puertoricanischen MLN, Natives des American Indian Movement und den weißen,
antiimperialistischen Stadtguerilla-Gruppen gibt? Wie ist der Gesundheitszustand
der Gefangenen?
Etwa
100 Gefangene. Zwei Beispiele: Zum einen Leonard Peltier. Er hatte große
Schmerzen und Probleme mit seinem Kiefer. Das Bundesgefängnis läßt
ihn nur in das Springfield Hospital gehen, ein sehr schlechtes Bundesgefängniskrankenhaus,
ich war selbst dort. Sehr schlechte Ärzte, sehr schlechte Versorgung
und Pflege. In einem anderen Bundesgefängniskran-kenhaus gibt es einen
Arzt, der die Operation an Leonards Kiefer durchführen könnte. Er
hat Leonards Anwälten mitgeteilt, daß er in der Lage und dazu bereit
wäre, die notwendigen Untersuchungen und die Operation durchzuführen.
Aber die Verantwortlichen wollen Leonard nicht dorthin schicken - obwohl es
eines ihrer eigenen Bundesgefängniskrankenhäuser ist. Als ich selbst
im Gefängnis krank war, als ich Krebs hatte, habe ich festgestellt, daß
sich die Verantwortlichen vor allem bei den politischen Gefangenen, die stets
Hochsicherheitsgefangene sind, nicht nach medizinischen Gesichtspunkten entscheiden,
wohin sie jemanden schicken, sondern danach, wie hoch der Sicherheitsstandard
für den Gefangenen angesetzt ist. Das ist wirklich eine dumme Logik,
weil es ohnenhin in jedem Gefängnis einen Hochsicherheits-standard für
uns gibt. Sie schaffen sich also lediglich einen Vorwand, um den Gefangenen
eine noch schlechtere medizinische Versorgung zukommen zu lassen.
Das ist
ja eine andere Form von Todesstrafe. Gibt es in der US-Gesellschaft ein Bewußtsein
darüber, daß Gefangene kein Recht auf freie Arztwahl und optimale
medizinische Versorgung haben?
Ich
glaube nicht, daß es viel Bewußtsein darüber gibt. Aber noch
schlimmer ist, daß das politische Establishment seit über 20 Jahren
in der US-Öffentlichkeit durchgesetzt hat, Gefängnisinsassen wären
es nicht wert, ordentliche medizinische Versorgung zu erhalten. Man muß
sich daran erinnern, daß in der Reagan-Ära eines der hochrangigen
Kabinettsmitglieder Personen, die wegen Drogendelikten im Knast saßen,
als Tiere bezeichnete, die geköpft werden sollten. Es gibt
seit fast 20 Jahren eine dementsprechende Kampagne, von Gefängnisinsassen
als Tieren zu sprechen, sie nicht als Menschen zu betrachten.
In vielen Gesellschaften haben die Menschen vielleicht Angst vor Kriminellen,
aber sie wissen, daß Gefangene, außer daß sie mit dem Gesetz
in Konflikt geraten sind, sich nicht so sehr von ihnen unterscheiden. In der
schwarzen Community landen Jugendliche bereits für Bagatellgeschichten
im Gefängnis. Man muß sich vor Augen halten, daß die Mehrheit
der US-Gefängnisinsassen Schwarze, Puertoricaner und Mexikaner, in manchen
Staaten sehr viele Natives sind und da es soviel Rassismus in der US-Gesellschaft
gibt, daß die Rede der Politiker von Gefangenen als Tiere
mit dem historischen Rassismus spielt, Schwarze und Mexikaner seien keine
menschlichen Wesen. Wir nähern uns der Jahrtausendwende und immer noch
spielen die Politiker auf dieser Klaviatur.
Was ist
der Unterschied zwischen Staats- und Bundesgefängnissen?
Die
Bundesregierung, vor allem seit Rea-gan, übernahm mehr und mehr Fälle
wegen der Drogengesetzgebung, sie schuf mehr und mehr Verfahren wegen Verschwörung.
Die von der Bundesregierung verhängten Strafen wurden immer länger.
Viele der einzelnen Staaten schlossen sich der Bundesregierung an, die die
Menschen länger im Gefängnis halten wollte und die vor allem die
Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung loswerden wollte. Die Bundesregierung
übernahm also mehr Fälle und das System der Bundesgefängnisse
ist stark gewachsen in den letzten 15 Jahren. Das Bundessystem hat die vorzeitige
Entlassung abgeschafft und verhängt immer längere Strafen. So wurde
es zu einem Modell für die Staatsgefängnissystem. Jetzt bauen also
auch die Staaten immer mehr der sogenannten Supermax-Gefängnisse,
in denen die Insassen die ganze Zeit vollkommen eingesperrt sind. Und jetzt
haben 37 Staaten das Modell der Bundesgefängnisse übernommen und
solche Gefängniskomplexe errichtet. Viele der Staatsgefängnisse
sind sogar noch schlimmer als die des Bundes, weil sie weniger Geld haben
und die Bedingungen daher wirklich schlecht sind.
Gibt es
irgendeine Aussicht auf eine neue linke antiimperialistische Bewegung in den
USA? Gibt es dafür irgendwelche Anzeichen?
Ich
bin sehr an der Studentenbewegung und ihrer Beteiligung an der Arbeit mit
und für politische Gefangene interessiert. Das sind kleine Geschichten,
aber als beispielsweise Geronimo Pratt entlassen wurde, gab es eine sehr große
und breite Demonstration, um ihn willkommen zu heißen, woran Tausende
junger Menschen teilgenommen haben. Letztes Jahr gab es sehr interessante
Massenkämpfe von StudentInnen in den städtischen Universitätsbetrieben
zum Thema Bildung. Es gibt also interessante Entwicklungen und man muß
sehen, ob etwas größeres daraus wird. Der US-amerikanischen Ökonomie
ging es in den letzten Jahren sehr gut, was die Organisierung einer militanten
Bewegung sehr schwer macht. Es ist schwieriger, antiimperia-listische Politik
zu machen, wenn die nationalen Befreiungskämpfe nicht beson-des stark
sind, was seit dem Kollaps der SU der Fall ist. Ich denke, die jungen Menschen
werden die Formen und Themen, die sie bewegen, finden und diese müssen
nicht unbedingt damit korrespondieren, was wir als eine radikale, antiimperialistische
Bewegung kennen. Wir müssen sehen, wie sich das entwickelt. Aber es gibt
sehr interessante Ansätze unter den jungen Menschen und das ist ermutigend.
Was sind
die Hauptforderungen der politischen Gefangenen?
Die Freilassung
und die Verhinderung der Hinrichtung von Mumia Abu-Jamal. Und ich kann sagen,
das gilt für alle politischen Gefangenen, ob Männer oder Frauen,
egal welcher Nationalität, Schwarze, Natives, Puertoricaner, Weiße.
Alle denken, daß dies der Schlüssel und organisatorische Fokus
in der jetzigen Phase der Auseinandersetzung ist: Die Hinrichtung Mumi-as
zu verhindern.
Gibt es
noch etwas, was du sagen willst?
Das einzige,
was ich gerne noch sagen will, wenn es wichtig genug ist, um in der Zeitung
veröffentlicht zu werden: Meine Genossin Laura Whitehorn, mit der ich
im Untergrund war und mit der ich vor Gericht stand, eine wunderbare, starke
Genossin, kommt dieses Jahr aus dem Gefängnis. Das ist eine sehr gute
Sache. Immer wenn eine politische Gefangene rauskommt, ist das ein Sieg. Laura
kommt raus, Anfang 1999. Ich glaube, daß sie in der Arbeit für
Mumia und die politischen Gefangenen sehr aktiv sein wird. Wir werden ihre
Freilassung feiern.
Alan, vielen
Dank für dieses Interview
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