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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr. 3 / Februar 1999 -
Seite 8
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In
Erinnerung: Ursula Makilla
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In
Erinnerung:
Unsere
Genossin Ursula Makilla starb am 13. Februar 1997 an den Folgen einer Krebserkrankung
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Die eine
Erinnerung, die individuelle,
verletzlich
im Wandel der Zeiten und Gefühle
und zum
Sterben verurteilt, wie wir selbst;
und die
andere Erinnerung, die kollektive,
dazu bestimmt,
zu überleben,
wie wir selbst.
Eduardo
Galeano
Seit mehr als
zwei Jahren arbeiten wir an der Organisierung der Konferenz Perspektiven
internationaler Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen
weltweit. Ursula hat den Beginn dieses Vorhabens noch mitbestimmt. Nun
stehen wir mitten in der Verwirklichung, und es tauchen Erinnerungen an sie
auf.
Ursula war
in der Gruppe basis und in Libertad! organisiert.
Dem Kampf um
die Umwälzung der zerstörerischen gesellschaftlichen Verhältnisse
hat sie ihre Kraft gewidmet. Ursula war über zwei Jahrzehnte politisch
aktiv und ein recht kämpferischer Mensch. In Widerstandsprozessen war
sie oft eine treibende Kraft. Nach der Mobilisierung gegen den Weltwirt-schaftsgipfel
in München 1992 arbeitete Ursula mit anderen Genossinnen und Genossen
daran, die internationale Diskussion und Zusammenarbeit in Solidarität
mit den politischen Gefangenen voranzubringen. Sie war Mitinitiatorin von
Libertad! und des bundesweiten Aktionstags 18. März.
Gedenken an
Ursula heißt auch, das weiter zu führen, was ihr gemeinsam mit
uns wichtig war.
Als Vertreterin
von Libertad! nahm Ursula mit zwei weiteren Genossinnen an dem interkontinentalen
Treffen im Juli 1996 teil, zu dem die EZLN nach Chiapas/Mexiko eingeladen
hatte. Dort stellte Libertad! den Vorschlag eines international organisierten
Kampftags für die Freiheit der politischen Gefangenen weltweit
zur Diskussion. Während dieser Zeit hielt Ursula in einem Tagebuch ihre
Eindrücke fest. Wir veröffentlichen ein paar wenige Auszüge,
30.7.
Abends ist Treffen zu Kampftag Libertad - Redaktionstisch.
Es beteiligen
sich USA, Mexiko, Nica, Basken, Verein für freie Völker,
Italien und wir. Die Diskussion ist soweit ganz gut, finde ich, ist aus den
Bedingungen stark an Aufruf / Manifest orientiert, was wir ja vorlesen wollen.
Schließlich kommt es auch zustande, aber die Arbeitsmethode ist so,
wie das halt dann immer läuft. Viel an Sätzen und so klar auch an
Inhalten, aber weniger Verständigung untereinander. Wie kann das anders
laufen, gerade auch aus den damit gemachten Erfahrungen halte ich es wichtig,
daß wir uns darüber Gedanken machen. Wir einigen uns auf den 10.
Dez. 97
Den Text
sollen wir von Koordinatorin bekommen.
Prozedur:
zunächst in Messa ( Arbeitsgruppe) verlesen, dann in Abschluß-veranstaltung
Oventic und Realidad. Es wird eine Masse an Papier, was uns da erwartet auf
den Abschlußveran-staltungen. ...
31.7.
Mittwoch - Fortsetzung der Messa.
U.a. wird
unser Vorschlag zum Kampftag verlesen, Diskussion findet daran keine statt.
... Das Problem ist einfach es steht fast alles nebeneinander und das ist
nicht alleine organisatorisch aufzuheben.
2. /
3. 8 La Realidad
Die Reden
in La Realidad auf der Abschlußveranstaltung waren, soweit ich das mitgekriegt
habe, von Seiten der Zapatisten oft recht nichtssagend und die Ergebnisse
der Messas sehr monoton, erschien mir das, soweit ich das sprachlich übersetzt
bekam. Als unser Kampftag bzw. der Text dazu aus der Messa vorgelesen wurde,
waren kaum Leute auf ihren Plätzen, weil kurz davor ein Platzregen einsetzte.
Das war ziemlich schade. ... Es soll ein internationales Netz aufgebaut werden
- ist weiter Inhalt der zweiten Erklärung. Es soll ohne Leitungs- und
Entscheidungsstrukturen entstehen. Wie und mit welchem Inhalt/ Ziel bleibt
im Dunkeln. ...
10.8.96
Knastbesuch in Refugio - Nord.
Wir besuchen
die sieben Gefangenen von Veracruz. Refugio Nord ist einer von 4 Knästen
in Mexiko-City. Er ist für 1 500 Personen und er ist wie alle Knäste
völlig überbelegt - 3 000 Gefangene. Auch hier ist Knast wie überall
Spiegelbild der Gesellschaft. Dies drückt sich u. a. in der allgegenwärtigen
Korruption aus. Dies ist aufs engste verwoben mit PRI ( Partei der institutionalisierten
Revolution - Regierungspartei in Mexiko ) .
An dieser Stelle
enden die Tagebuchaufzeichnungen von Ursula.
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