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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr. 3 / Februar 1999 -
Seite 5
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Der
internationale Aufruf
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Internationale
Solidarität und Freiheit für alle politischen Gefangenen weltweit!
Der internationale
Aufruf
Wer diesen
Aufruf unterzeichnen und damit die Konferenz unterstützen will, schicke
bitte seine Unterschrift per email, fax oder post.
Der Aufruf
wird im Februar mit internationalen Unterschriften in einer Tageszeitung veröffentlicht
werden.
Wieviele
Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen werden heute mit Genickschuß
auf den Müllkippen gefunden? In welchem Land werden die Folterer bestraft,
die tausende Oppositionelle an die Elektroden anschlossen? Wieviele Journalisten
und Journalistinnen gelten als verschwunden? Wo werden die, die
für Freiheit und Gerechtigkeit kämpfen nicht als Terroristen
und Terroristinnen denunziert und eingekerkert? Wieviele politische
Gefangene gibt es heute - im Jahr der Menschenrechte? Und die
internationale Öffentlichkeit, was erfährt sie davon, was will sie
davon wissen?
50
Jahre nach der Verabschiebung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
ist die Rede von den Menschenrechten allgemein geworden. Die Menschenrechte
sind es nicht.
Dreiviertel
der Menschheit werden tagtäglich enteignet, der gesellschaftliche Reichtum
wird zum Eigentum Weniger. Definition und Anwendung der Menschenrechte sind
eine Frage der Macht. Es kommt immer nur darauf an, wer was tut: Die eingeschlagenen
Köpfe politischer Gefangener in der Türkei dienen der Aufruhrbekämp-fung,
die Live-Übertragungen von Hinrichtungen im amerikanischen Fernsehen
der Verbrechensbekämpfung, die Massaker an brasilianischen
Landlosen dem Schutz des Eigentums, das offizielle Recht zur Folter
in Israel dem Friedensprozeß. Und die Genfer Flüchtlingskonvention,
sie schützt heute weniger denn je.
Wir sind
Menschenrechtsorganisationen, Solidaritätskomitees und revolutionäre
Gruppen aus Palästina, Kurdistan/Türkei,
Italien,
Baskenland und Deutschland. In unseren Ländern wird gefoltert. Es gibt
Verschwundene und den schmutzigen
Krieg.
Es gibt Isolationsfolter, Hochsicherheitsgefängnisse, politische Son-derjustiz
und vielfältige Konzepte sogenannter präventiver Aufstandsbekämp-fung.
Zusammen gibt es in unseren Ländern fast 20.000 politische Gefangene
- weltweit werden es an die Hunderttausend sein.
In den letzten
15 Jahren hat sich der global entfesselte Kapitalismus bis in die letzten
Winkel der Erde ausgedehnt. Seine Macht und Wirtschaft definiert sich als
das beste System der Welt. Sein Sieg soll Frieden, Freiheit und
Wohlstand bringen. Für die Mehrheit der Menschen bedeutet es lediglich
Armut und Unterdrückung.
Wenn heute
von Palästina die Rede ist, wird nicht von Besatzung sondern vom Frieden
gesprochen. Aber was ist das für ein Frieden, in dem es 3000 politische
Gefangene gibt? Was ist das für eine Demokratie, in der Mörder wie
Pinochet auf Lebenszeit in Amt und Würden bleiben, während diejenigen,
die sich den Gewehren der Diktatur mit aller Entschlossenheit entgegenstellten,
noch immer gefangen sind? Die Gewerkschaftsopposition Indonesiens und die
Freiheitskämpfer-Innen Ostimors sind nach dem Rücktritt Suhartos
noch immer nicht frei. Warum?
Befriedung
oder Befreiung? Wir sagen: Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden. Und
Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Abschaffung der Todesstrafe,
Schluß mit Folter und schmutzigem Krieg, Freiheit für die politischen
Gefangenen und Bestrafung der Folterer und Mörder - Diese Ziele, sie
sind richtig und sie sind nicht verwirklicht! Sind wir uns darin einig, können
wir nur einen Schluß ziehen: Die Gründe zu kämpfen, sie sind
nicht weniger, sondern mehr geworden. Wir sagen nicht wie gekämpft werden
muß, aber wir sagen: Ein Kampf um Menschenrechte verlangt den Kampf
gegen jene Verhältnisse, die der Durchsetzung des Rechts auf Emanzipation,
Menschenwürde und Selbstbestimmung entgegenstehen.
Uns eint
die Erfahrung: Alleine sind wir zu schwach, um wirkliche Veränderungen
durchzusetzen und die politischen Gefangenen zu befreien. Wir kennen das mutige
Beispiel der peruanischen MRTA-Guerillas. Sie setzten ihr Leben ein für
die Freiheit ihrer Gefangenen - Sie verloren es, weil sie alleine standen
gegen Fujimo-ris Terrorismus und die Beihilfe der Internationalen Staatengemeinschaft.
Wir kennen
aber auch die Kraft internationaler Solidarität. Sie war beispielsweise
stark genug, bis in die Todeszellen der
Weltmacht
USA zu dringen und den schwarzen Revolutionär und Journalisten Mumia
Abu Jamal bis jetzt vor den weißen Scharfrichtern zu schützen.
Solidaritätskomitees
und Angehörigenorganisationen, Basis- und Befreiungsbewegungen, revolutionäre
Organisationen und oppositionelle Gruppen, Menschenrechts- und Anwaltsvereinigungen!
Internationale
Zusammenarbeit, Unterstützung, Hilfe und Solidarität ist die Bedingung
für die Freiheit und den Schutz
politischer
Gefangener. Bisher ist unsere Zusammenarbeit oftmals zufällig, sporadisch
und nur selten koordiniert. Das schwächt uns und stärkt die Macht
der Gegner. Internationaler Kampf braucht Diskussion. Damit wollen wir in
Berlin
anfangen.
Bringen wir unsere Analysen, Erfahrungen und Perspektiven zusammen.
FREIHEIT
FÜR ALLE POLITISCHEN GEFANGENEN WELTWEIT!
ADAMEER (Palästina)
Coordinamente Mumia Abu Jamal (Italien)
Gestoras
Pro Amnistìa (Baskenland)
Libertad/Organisationskomitee
(Deutschland)
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