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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 3 / Februar 1999 - Seite 1
Chile: Massiver Angriff auf politische Gefangene
[ Inhalt Nr. 3.]

Am Morgen des 6. Februar startete die chilenische Gendarmerie einen vorbereiteten großangelegten Angriff auf das Kollektiv der politischen Gefangenen im Hochsicherheitsknast von Santiago de Chile. Dabei kam es zu Folterungen und schweren Mißhandlungen der Gefangenen. 50 von ihnen wurden in den Hochsicherheitsknast Colina 2 etwa 20 km nördlich von Santiago verlegt, sechs politische Gefangene wurden in Knäste weiter außerhalb transportiert. Der Polizeiaktion vorausgegangen war eine mehrere Wochen dauernde Pressekampagne: Gerüchte eines bevorstehenden Aufstandes mit geplanter Geiselnahme wurden gestreut und ein Klima der Spannung erzeugt. Das Verhalten des Gefängnispersonals gegenüber den Gefangenen war seitdem von permanenter Provokation geprägt: Am Abend vor der Verlegung führte das zu einer gewalttätigen Eskalation: Gefängnisbeamte schossen scharf und mit Tränengasbomben auf die Gefangenen. Der politische Häftling Marcelo Gaete wurde dabei durch einen Schuß schwer am Kopf verletzt. Einige Stunden nach dieser Auseinandersetzung griff eine Hundertschaft einer Aufstandsbekäm-pfungseinheit und andere Polizeikräfte unter Leitung des Oberst Edmundo Letelier erneut gezielt an. Während dieser Polizeiaktion wurden die Gefangenen über mehrere Stunden gefoltert und mißhandelt, mehrere von ihnen wurden schwer verletzt.


Die Gefangenen wurden einzeln aus ihren Zellen in einen Hof gezerrt und dabei mit den Händen auf dem Rücken mit Handschellen gefesselt. Nachdem sie auf dem Hof bäuchlings zu Boden gestoßen worden waren, begannen Schläge mit Schlagstöcken und Tritte auf Köpfe und Rücken. Köpfe wurden auf den Boden geschlagen, Tränengas ins Gesicht gesprüht, Erstickungsanfälle provoziert und die Körper mit kaltem Wasser überschüttet. Anschließend transportierten die Sicherheitskräfte die Gefangenen in die anderen Knäste. Den Angehörigen wurde der Zutritt zum Knast verwehrt.


Zwei Tage später konnte Rechtsanwalt und Menschenrechtsaktivist Alberto Espinoza sich ein Bild vom Zustand der Gefangenen machen. Er forderte daraufhin eine Untersuchung der Vorfälle, da die Menschenrechtsverletzungen durch die Polizeibeamten einen eindeutigen Verstoß gegen die Internationale Konvention gegen die Folter darstellten.

Im HS-Knast Colina 2 sind die Gefangenen einem strikten Knastregime unterworfen: Besuche mit Sprechzellen einmal pro Woche, kein Zugang zu Arbeitswerk-stätten oder zu Bildung, keine Freizeitmöglichkeiten. Diese Bedingungen entsprechen den Haftbedingungen von 1994 und drehen damit die Verbesserungen, die die Gefangenen im Laufe der letzten fünf Jahre mit Hungerstreiks erkämpft haben, zurück. Die Gefangenen begannen aus Protest mit einem Hungerstreik.


„Unsere Familienangehörigen wurden gestern entführt“, erklärten die Angehörigen und Freunde der Gefangenen in der Kathedrale von Santiago. Im Anschluß protestierten sie mit einer kurzen Demonstration auf der Straße.

Aktuelle Infos in der kostenlosen Broschüre: "CHILE: Menschenrechte und politische Gefangene". Bestellung über Tel: 030-2926206, oder eMail (koochi@ gmx.net) bestellt werden.


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:19
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