.: Hallo :.

Saturday, den 11.02.2012 - 03:08



.: online :.

»Editorial
»Online NEWS
»Ergänzungen zu Artikeln


.: zeitung :.

.: index :.
» alle Druckausgaben
» Materialien: Ergänzungen zu Artikeln
» Autor/innen-Index
» Foto-Index
» Editorial-Index
» SoOderSo-Webwatcher
» ...

.: service :.

» Impressum
» Vertrieb
» An die Redaktion
» Artikel schreiben
» Infodienst abonnieren
» SUCHEN

 
Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 3 / Februar 1999 - Seite 12
Moskau: Beschädigung einer Zarengedenktafel gilt heute als „Terrorismus“: Vier Jahre Haft für Linksradikalen
[ Inhalt Nr.3.]

Moskau: beschädigung einer Zarengedenktafel gilt heute als „Terrorismus“


Das Moskauer Stadtgericht verurteilte Ende Januar in einer geschlossenen Sitzung den 19jährigen arbeitslosen Bäckerlehrling Andrej Sokolow zu vier Jahren Freiheitsentzug wegen Terrorismus. Am 18. Juli 1997 hatte Soko-low eine Gedenktafel für die Familie des letzten russischen Zaren mit Hilfe eines selbstgebastelten Sprengsatzes beschädigt. Das Attentat erfolgte am Tag der Erschießung der Romanows vor 79 Jahren und sollte nach Aussage des Täters seinen Protest gegen soziale Ungerechtigkeit und die Nichtausbezahlung von Löhnen demonstrieren. Auf der naheliegenden Friedhofsmauer pinselte Sokolow kommunistische Symbolik sowie Parolen wie »Lohn - den Arbeitern« und »Revolutionäre Partisanengruppen«. Einige Tage später wurde der linksradikale Jugendliche festgenommen und in die sonst für »prominente Verdächtige« reservierte U-Haftanstalt Lefor-towo eingeliefert.


Die Ermittler nahmen sich anderthalb Jahre Zeit, um die Anklage zu formulieren. Soko-low gehörte dem Revolutionären Bolschewistischen Jugendverband an, dessen Mitglieder und Sympathisanten auch andere Attentate gegen monarchistische Denkmäler verübt hatten. Sokolow machte auf sich im April 1998 aufmerksam, als er und andere »Komsomolzen« KP-Chef Sjuganow auf dem Roten Platz mit Tomaten bewarfen. Die bisher durch Schmierereien bekannte Gruppe »Revwojensowjet« (Revolutionärer Militärrat) bekannte sich zur Sprengung des Denkmals für Nikolai II. nahe Moskau sowie zu einer »symbolischen Verkleinerung« des berüchtigten Mam-mutmonuments Peter des Großen. Ihre Aktivisten sind ebenfalls seit längerer Zeit in Untersuchungshaft, die Explosionen nehmen jedoch kein Ende. Zum Jahreswechsel wurde in Podolsk eine weitere Romanow-Statue zerstört.


Obwohl Sokolow keine Verbindung zu ähnlichen Fällen nachgewiesen wurde und der materielle Schaden unwesentlich war, hatte die Anklage darauf bestanden, die Tat als terroristisch zu qualifizieren. Das Strafgesetzbuch sieht dafür fünf bis zehn Jahre Gefängniß vor. Das Urteil für Sokolow liegt zwar unter dieser Spanne, wird aber allgemein als nicht adäquat hart angesehen. Der junge Mann wollte gemäß seiner Aussage mit der Aktion demonstrieren, daß es »unzulässig ist, Geld für kostspielige Zaren-Denkmäler auszugeben, während es im Land Hungerleidende gibt«. Die Bombe ging um 4 Uhr in der Frühe los, als keine Gefahr für Friedhofsbesucher bestanden hatte.


»Ich werde die Strafe absitzen, aber meine Gesinnung nicht wechseln«, sagte Sokolow im Gerichtssaal. Der 19jährige »Terrorist« wird, sollte das Urteil nicht revidiert werden, der erste linksradikale Verurteilte im neuen Rußland sein. Ein anderer vielbeachteter »Attentäter«, der Rentner Iwan Orlow, der vor einigen Monaten einen explosionsbereiten Pkw zum Spasski-Turm lenkte, starb am 23. Dezember im Butyrki- Gefängnis »an einem Herzanfall«.

(Iwan Nikiforow, Moskau)


[ document info ]
CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:19
[HOCH]Artikel empfehlendrucken
Interessiert an mehr Infos von u. über Libertad! - Abonniere den elektronischen So oder So-Infodienst

CopyLeft © SoOderSo & Libertad!