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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr. 3 / Februar 1999
- Seite 12
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Gegen
das Europa der Repression und Ausgrenzung - Solidarität und Widerstand
für die Freiheit der politischen Gefangenen!
Aufruf zum bundesweiten Aktionstag 18. März 1999
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Gegen das Europa der Repression und Ausgrenzung
- Solidarität und Widerstand für die Freiheit der politischen Gefangenen!
Rund um den 18. März
1999 wird es wieder - wie in den vergangenen Jahren - vielfältige Aktionen
der Solidarität mit den politischen Gefangenen geben. Mit Informationsveranstaltungen,
Straßentheater, Kundgebungen, Demonstrationen, Knastkundgebungen, Transparentaktionen
und vielem mehr werden wir unseren Protest und Widerstand zum Ausdruck bringen:
Gegen das Europa der Repression, der Ausgrenzung und der Vertreibung.
Der 18. März als Tag der
Solidarität und des Widerstands hat für uns Tradition und Kontinuität.
Anknüpfend an den von der Roten Hilfe in den 20er Jahren propagierten
Tag der Solidarität mit den politischen Gefangenen haben sich in den
vergangenen Jahren immer mehr Gruppen mit ihren inhaltlichen Schwerpunkten
beteiligt. Mit den diesjährigen Aktionen zum 18. März beziehen wir
uns auch auf die an Ostern 1999 stattfindende internationale Arbeitskonferenz
Befriedung oder Befreiung in Berlin, sowie auf die Mobilisierungen
gegen Weltwirtschafts- und Europagipfel im Juni 1999 in Köln. Angesprochen
sind alle, die nach wie vor an der notwendigen Veränderung der bestehenden
gesellschaftlichen Verhältnisse festhalten, und die nicht bereit sind,
sich diesem repressiven System aus Konsum, Rentabilität und Ausbeutung
zu unterwerfen: Beteiligt Euch mit eigenen Initiativen am 18. März! Nehmt
teil an den jeweiligen Aktionen in Eurer Stadt!
Für die Kapitalisten belebt
die Konkurrenz bekanntlich das Geschäft, und auf den eigenen Vorteil
bedacht zu sein, ist mehr denn je gesellschaftlich normal. Solidarität
steht dem entgegen. Wenn sie nicht nur ein leeres Wort sein soll, bedeutet
Solidarität, sich wechselseitig zueinander ins Verhältnis zu setzen.
Bedeutet, daß jeder Kampf nur vorankommt in der bewußten Verbindung
zu anderen Kämpfen. In Zeiten wie diesen, wo es mehr Fragen als Antworten
gibt, und Individualisierung und Anpassung innerhalb der Linken genauso bestimmend
sind wie in der Gesellschaft, ist es notwendig, diesen Grundgedanken wieder
breiter im Bewußtsein zu verankern. Der Bundesweite Aktionstag kann
darin für die unterschiedlichen Gruppen und Zusammenhängen der Linken
ein gemeinsamer Bezugspunkt sein.
Solidarität ist unteilbar,
und sie ist international! Sie gehört allen, die in ihrem Kampf für
gerechte Verhältnisse von Repression betroffen sind. Grundsätzlich,
und überall auf der Welt gilt: Keine Gruppe, keine Widerstandsbewegung
kann sich alleine gegenüber staatlicher Unterdrückung behaupten,
noch die eigenen Ziele durchsetzen.
Deshalb rufen wir dazu auf:
Solidarität mit allen,
die den aufrechten Gang wagen und selbstorganisiert den faschistischen Organisationen
und Schlägertrupps entgegentreten. Quer durch die Republik sind antifaschistische
Aktivitäten im Visier von Polizei und Justiz. Neben einer Vielzahl von
kleinen Verfahren sind aktuell 28 AntifaschistInnen aus Passau
mit einem Verfahren nach § 129 (Bildung einer kriminellen Vereinigung)
konfrontiert.
Solidarität mit Mumia
Abu-Jamal, der seit nunmehr 17 Jahren in der Todeszelle festgehalten wird;
Am 29. Oktober 1998 hat der Oberste Gerichtshof von Pennsylvania die Wiederaufnahme
seines Verfahrens abgelehnt. Das macht es noch mal dringlicher: Kämpft
für das Leben und die Freiheit von Mumia Abu-Jamal. Reiht Euch ein in
die internationale Kampagne, damit der Druck gegen die Verantwortlichen in
den USA stärker wird.
Solidarität mit dem kurdischen
Befreiungskampf. Das sogenannte PKK-Verbot ist ein wesentliches Instrument,
mit dem der deutsche Staat politisch aktive KurdInnen angreift. Ziel unserer
Anstrengungen muß das Zurückdrängen der Repression und die
Freiheit aller kurdischen politischen Gefangenen sein, die in deutschen Knästen
festgehalten werden, weil sie im Zusammenhang des Befreiungskampfs ihren Protest
und Widerstand auch hier ausgedrückt haben. Jüngstes Beispiel für
die Repression gegen Exil-Organisationen ist das 1998 verhängte Verbot
gegen die linken türkischen Organisationen DHKP-C und THKP-C. In diesem
Kontext wurde auch die sozialistische Wochenzeitung Kurtulus, die in der Türkei
legal erscheint, als angebliches Parteiorgan der DHKP-C verboten.
Solidarität mit den Flüchtlingen
innerhalb und außerhalb der Festung Europa. Mit moderner Technologie,
polizeilichen Spezialeinheiten und NATO-Truppen werden heute die europäischen
Außengrenzen gegen sogenannte illegale Einwanderer abgeschirmt. Und
diejenigen Menschen, die es auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und zerstörten
Lebensbedingungen dennoch geschafft haben, hierher zu kommen, sind in allen
EU-Staaten mit rassistischen Sondergesetzen, Sammellagern und Abschiebehaftanstalten
konfrontiert. In Hungerstreiks und Rebellionen machen sie immer wieder auf
ihre Situation aufmerksam.
Solidarität mit allen
politischen Gefangenen, die unter Sonderhaftbedingungen in den europäischen
Gefängnissen festgehalten werden. Wir denken zum Beispiel an die baskischen
politischen Gefangenen, die seit Jahren gegen eine Politik der Isolation und
Zerstreuung kämpfen und für ihre Zusammenlegung im Baskenland. Die
Perspektive kann nur sein, ihre Freiheit, wie die aller gefangener GenossInnen
in Europa zu erkämpfen. Vergessen wir nicht die noch verbliebenen Gefangenen
aus der RAF. Alle linken Kräfte stehen in der Verantwortung, nichts darf
vergessen werden, nicht die jahrzehntelangen Kämpfe um Kollektivität,
nicht die Toten aus diesen Kämpfen und nicht die Tortur unter unmenschlichen
Haftbedingungen. Die Gefangenen aus der RAF müssen freigelassen werden.
Diejenigen sind im Recht,
die kämpfen -
gegen das Europa der Repression
und Ausgrenzung,
für ein Europa der
internationalen Solidarität!
Bundesweites Koordinierungstreffen
zum Aktionstag 18. März 1999
Kontakt: Rote Hilfe e.V.,
Bundesvorstand, Postfach 3255, 37022 Göttingen
Der 18. März hatte
in der Geschichte der Klassenkämpfe schon mehrfach große Bedeutung.
1848 trat das entstehende Proletariat gegen Junker und Bourgeoisie an. 1871
begann die Pariser Commune, und bis in die 20er Jahre galt der 18. März
innerhalb der Arbeiter-Innenbewegung als Tag der Pariser Commune.
Deshalb wurde er 1923 von der Roten Hilfe als Internationaler Tag der
Hilfe für die politischen Gefangenen erweitert. Diese geschichtlichen
Bezüge greifen wir auf und setzen sie fort.
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