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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr. 3/Februar 1999 - Seite 10
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Auch
eine Sorte Diskussion
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Von 19. - 21. Februar 1999 veranstaltet
die Ev. Akademie Bad Boll, zusammen mit dem Verein Recht und Gesellschaft
e.V. eine Tagung unter dem Motto: Terrorismus - Bestrafung - Versöhnung,
Wie gehen wir in Deutschland mit früheren Gewalttätern und Gewalttäterinnen
um?
Im Tagungsprogramm heißt
es einleitend: Linker und rechter Terrorismus hat viele, teilweise
prominente Menschenleben gekostet. Die gemeldete Selbstauflösung der
Roten-Armee-Fraktion (RAF), die Festnahme von Hans-Joachim Klein sowie der
Prozeß gegen Monika Haas haben unser Augenmerk wieder auf den Terrorirsmus
von links und seine politischen Ziele gerichtet.
Viele, die sich dafür
engagiert und dabei Straftaten begangen haben, sind noch in Haft oder auf
Fahndungslisten, manche längst tot, nicht wenige bereits entlassen, nachdem
sie ihre Strafe (größtenteils) verbüßt haben. Die meisten
dieser Strafentlassenen stoßen auf große Schwierigkeiten, eine
Wohnung zu finden, erst recht eine berufliche Tätigkeit, die ihrer Qualifikation
entspricht.
Warum ist die Rückkehr
von ehemaligen Terroristinnen und Terroristen in die Gesellschaft ein besonderes
Problem? Können Angehörige von Opfern den Tätern oder Täterinnen
verzeihen? Bereuen diese Leid, das sie Menschen zugefügt haben? Wie verarbeiten
Geiseln ihre Bedrängnis? Schmerzlich sind auch persönliche Erfahrungen
von Angehörigen terroristischer Gewalttäter oder -täterinnen.
Ist die Zeit reif zur Versöhnung mit denen, die Terroranschläge
geplant oder verübt haben?
Herzlich willkommen sind
... zeitgeschichtlich, politisch oder an innerer Sicherheit interessierte
Bürgerinnen und Bürger, nicht zuletzt Menschen, die beruflich oder
ehrenamtlich in der Rechtspflege (Gericht, Staatsanwaltschaft, Strafverteidigung),
der Bewährungs- und Straffälligenhilfe, im Strafvollzug, Opferschutz
oder bei der Polizei tätig sind.
Am Freitag werden Sigrun
von Hasseln, Vors. des Vereins Recht und Gesellschaft e.V., Silke Maier-Witt
und Prof. Dr. Bernd Guggen-berger, Fachbereich Polit. Wissenschaften
der FU Berlin zu den Schwierigkeiten der Rückkehr von Terroristen
und Terroristinnen in die Gesellschaft referieren. Nach einer anschließenden
Diskussion wird der Film Todesspiel gezeigt.
Am Samstag geht es mit diesem
Thema, mit Fragen des Umgangs der Angehörigen eines Opfers terroristischer
Gewalttaten und den Erfahrungen von Angehörigen terroristischer Gewalttäter
oder -täterinnen weiter. Hierzu werden unter anderem Volkhard Wache
von der Bundesanwaltschaft, Otto Seesemann, Beauftragter der Ev. Kirche
für Fragen der Seelsorge in den Justizvollzugsanstalten a.D., Karl
Christian von Braunmühl, Ministerialrat, Ministerium für Arbeit,
Soziales, Gesundheit und Frauen des Landes Brandenburg und Felix Ensslin
(Sohn von Gudrun Ensslin), Referent der Bundestagsvizepräsidentin Dr.
Antje Vollmer referieren.
Informelle Gespräche
ab 19.30 Uhr im Café Heuss beenden diesen Tag.
Der Sonntag beginnt mit einem
Gottesdienst zum Thema Versöhnung. Im Anschluß findet
eine Podiumsdiskussion statt zu der Frage Ist die Zeit reif und unsere
Gesellschaft bereit zur Versöhnung mit terroristischen Gewalttätern
und -täterinnen?, unter Beteiligung von Prof. Dr. Eckhard Pick,
Parlament. Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz, Horst Eylmann,
Vors. des Rechtsausschusses des Bundestages a.D., Cem Özdemir,
Innenpolit. Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag,
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesministerin der Justiz a.D.,
Karl-Heinz Dellwo, ehemaliges Mitglied der RAF, Prof. Dr. Klaus
Engelhardt, Landesbischof und Vorsitzender des Rates der Ev. Kirche in
Deutschland.
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