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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr. 2 / Januar 1999 - Seite
9
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Brief
von Gefangenen aus Peru, 21.11.98
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Brief
von Gefangenen aus Peru, 21.11.98
Die politischen
Gefangenen, die mit dem Vorwurf der Mitgliedschaft in der Revolutionären
Bewegung Tuúpac Amaru im Gefängnis EPRE Miguel Castro Castro,
Abteilung 3-A, 4. Stock, einsitzen
An den Herrn
Ombudsmann Jorge Santisteban de Noriega
In Anbetracht
der hilfreichen Aufmerksamkeit, die die von Ihnen geleitete Behörde uns
in früheren Angelegenheiten gewidmet hat, sehen wir uns noch einmal vor
der dringenden Notwendigkeit, uns an Sie zu wenden. Hiermit reichen wir Beschwerde
ein und ersuchen Sie darum einzugreifen, damit gesichert wird, daß unsere
Rechte gebührend respektiert werden.
1. Unsere
Angehörigen werden systematisch bedrängt und belästigt. Es
wird ihnen erschwert oder verweigert, Lebensmittel, die für uns lebensnotwendig
sind und die sie uns mit größter Mühe bringen, in das Gefängnis
mitzunehmen. Dazu kommt die unrechtmäßige Festhaltung unserer Post
- oft kommt sie nie an, obwohl wir alle vorgesehenen Behör-denwege beschreiten,
um die Post zu bekommen. Dazu kommen die Drohungen gegen unsere Familien,
falls sie wieder Post bringen sollten, werde man sie zur DINCOTE [peruanische
Antiterrorpolizei] rufen. Es werden so die von der Verfassung anerkannten
Rechte verletzt, Rechte, die weder durch das Antiterrorgesetz 25475 noch durch
die neue Regelung DS 005-97JUS eingeschränkt werden.
2. Die Bedrohungen
und Quälereien der Gefangenen werden immer schlimmer. Nachdem uns die
internationalen Men-schenrechtsorganisationen besucht haben, haben sich folgende
Vorfälle ereignet:
- Am 14.
November diesen Jahres übergab die Polizei dem Gefangenen Jorge Huaman
Cucchi ein angeblich von der Familie geschicktes Lebensmittelpaket. Als dieses
Paket vom Abteilungsverant-wortlichen und dem erwähnten Häftling
geöffnet wurde, stellten sie fest, dass es Müll enthielt: Essensabfälle,
leere Dosen und Steine. Wir haben überprüft, daß die Angehörigen
des inhaftierten Huaman Cucchi keinerlei Paket an ihn geschickt hatten. Bis
jetzt hat die Behörde noch keine Erklärung für das Auftauchen
dieses Pakets abgegeben. Dieser Vorfall war erniedrigend und beleidigend.
- Des weiteren
geben wir bekannt, dass am Mittwoch, den 18.11.98 der Gefangene Edilberto
Diaz Maima gegen 17 Uhr 30 von den Dienstleistenden aufgefordert wurde, sie
nach außerhalb der Abteilung zu begleiten, ohne daß ihm erklärt
worden wäre, warum und wohin. Nachdem er mehrere Stunden fortgeblieben
war, versuchte der Delegierte des Stockwerks herauszufinden, wo der Genosse
sei. Der Leiter der Abteilung beschränkte sich darauf zu sagen, anscheinend
sei Diaz Maima ins LOCH* gesteckt worden, und weder der
diensthabende Major noch der Hauptmann geben dazu Erklärungen ab.
Diese Tatsachen riefen berechtigte Sorge und Empörung bei den anderen
Gefangenen hervor, die am nächsten Tag protestierten, um die Rückkehr
von Diaz Maime zu fordern, da er chronische Bronchitis hat. Das ist bis heute
nicht passiert, und es verbreitet sich eine Atmosphäre der Spannung zwischen
den Verantwortlichen und den Gefangenen.
3. Wir betrachten
diese Fakten nicht als isolierte Geschehnisse, da sie alle innerhalb eines
kurzen Zeitraums stattfanden und einhergehen mit entsprechenden Drohungen
und Gerüchten über die Verlegung jener Gefangenen, die
mit einem MRTA - Vorwurf einsitzen - dies alles, obwohl wir von den zuständigen
Stellen verlangen, dass der Gefängnisdirektor Bernardo Pineda uns empfängt
und daß er ein Gespräch mit unseren Delegierten führt, damit
wir in einer formellen Form alle unsere Besorgnisse und Bedürfnisse offenlegen
können. Dieses Treffen findet aber nicht statt. Im Namen der Rechte,
die uns zustehen, wünschen wir, daß die diskriminierende und repressive
Behandlung der Gefangenen, die als MRTA-Mitglied gelten, definitiv beendet
wird. Wir sagen noch einmal, daß diese Behandlung sich durchgesetzt
hat seit dem bedauerlichen Ausgang der Vorgänge in der japanischen Botschafterresidenz.
Ohne weitere
Punkte und in Anerkennung Ihrer wertvollen Aufgabe bei der Verteidigung der
Rechte des Volkes erhoffen wir eine positive Aufnahme unserer Forderungen.
Lima, 21.
November 1998
*Das Loch
ist eine ein mal ein meter große Strafzelle, in der mensch sich - der
Kleinheit des Raums wegen - meistens stehend aufhalten muß
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