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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr. 2 / Januar 1999 - Seite
5
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Wir waren
über Andreas Hinrichtung nicht sehr erstaunt, denn in dem
Charakter der Staatskräfte in Kurdistan gibt es diesen barbarischen
Zug
Fragen an den Vertreter
des IHD im internationalen Vorbereitungskomitee der Arbeitskonferenz
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Wir
waren über Andreas Hinrichtung nicht sehr erstaunt, denn in dem
Charakter der Staatskräfte in Kurdistan gibt es diesen barbarischen Zug
Fragen
an den Vertreter des IHD im internationalen Vorbereitungskomitee der Arbeitskonferenz
Welche
Bedeutung gebt ihr der Internationalen Arbeitskonferenz und welche Ziele verfolgt
ihr damit?
Vor allem
muß man klarstellen, daß wir der Konferenz einen großen
Wert beimessen, wie es bei jeder Entwicklung im Zusammenhang mit den grundlegenden
Menschenrechten war.
Die Konferenz
wird, wenn sie ihr Ziel erreicht, für die politischen Gefangenen in der
Welt einen wichtigen Schritt tun um auf die Frage, wie ihre Probleme zu lösen
sind, eine Antwort zu finden.
Doch bis
heute verdichtete sich die Konferenz vor allem theoretisch. Um aus der Konferenz
Ergebnisse herauszuziehen und eine breite Beteiligung einflußreicher
Institutionen und Personen zu sichern, sowie im Anschluß daran auf internationalem
Terrain eine Wirkung zu schaffen, sind politische Aktivitäten und Aktionen
zwingend.
Die Wichtigkeit
der Konferenz muß allen Institutionen und Personen vermittelt werden,
für ihre Unterstützung muß gesorgt werden.
Auf der
Welt befinden sich hunderttausende in politischer Gefangenschaft. Wenn man
die Familien, den Freundeskreis und die Genoss/innen auch berücksichtigt,
interessiert Millionen Menschen die Situation der politischen Gefangenen aus
der Nähe.
Bezüglich
des Programms der Konferenz schließen wir uns generell auch den Diskussionsthemen
und dem Verfahren der Freunde von Libertad an. Unserer Meinung nach muß
mit dieser Konferenz der Öffentlichkeit allem voran der Begriff des politischen
Gefangenen, wer der politische Gefangene ist und warum Menschen
wegen ihrer politischen Identität von den Mächtigen in die Gefängnisse
gesteckt werden, erklärt werden.
Außerdem
muß betont werden, daß solange die Situation, die der Grund dafür
ist, daß die politischen Gefangenen ins Gefängnis gesteckt wurden,
nicht aufgehoben wird, nicht von der Freiheit der Gefangenen gesprochen werden
kann. Es ist keine Lösung des Problems, wenn die politischen Gefangenen
durch Amnestie oder andere rechtliche Korrekturen aus den Gefängnissen
entlassen werden. Die Lösung kann nur darin liegen, daß die sozialen
und politischen Veränderungen, die sich aus den Forderungen der politischen
Gefangenen ergeben, ein Diskussionspunkt sind. Mit Amnestie kann man eine
Person, die politisch gefangen ist, aus dem Gefängnis herausbringen,
doch wenn die politischen Veränderungen nicht verwirklicht werden, steckt
man an ihrer Stelle andere Personen aus den selben Gründen in die Gefängnisse.
Deshalb
muß man deutlich machen, daß das Problem politisch ist und daß
seine Lösung eine politische sein muß.
Aus der
Konferenz müssen sich bezüglich der politischen Gefangenen konkrete
Entschlüsse ergeben und diese Beschlüsse müssen ernsthaft in
die Praxis umgesetzt werden:
- Die Konferenz
muß eine Institution schaffen, deren Basis die Solidarität mit
den politischen Gefangenen ist.
- Die Konferenz
muß die Befugnis und Verantwortung dieser Institution, deren Name später
zu bestimmen ist, übertragen und die notwendigen Maßnahmen ergreifen,
damit die Institution, auf internationalem Terrain bekannt gemacht wird und
wirksam werden kann.
Was geschieht
aktuell in Kurdistan?
Am 1. September
1998 erklärte die PKK den einseitigen, unbefristeten Waffenstillstand.
Das Volk nahm den Waffenstill-standsbeschluß positiv auf. Doch die Staatskräfte
führte die militärischen und politischen Operationen mit altem Tempo
weiter. Die gegen HADEP und demokratische Massenorganisationen gerichtete
Repression und Einschüchterungspolitik setzten sie intensiv fort. Zuletzt
waren HADEP-Führer und Mitglieder Lynchversuchen von Seiten der Polizei
und zivilen MHP-Faschisten ausgesetzt. Zwei HADEP-Mitglieder (einer in Diyarbakir,
einer in Sakarya) wurden totgeprügelt. Der HADEP-Vorsitzende, der geschätzte
Murat Bozlak, die Leiter der Zentrale, 17 Kreisvorsitzende und einige Leiter
und Mitglieder wurden verhaftet.
Außerdem
wurden in der letzten Zeit insbesondere Gewerkschaftsführer, die der
KESK angehören unter Vorwänden aus Kurdistan verbannt. Auf diese
Weise wurde versucht die gesellschaftliche Opposition zu unterdrücken.
In den Gefängnissen
gehen die Probleme weiter, man nimmt die politischen und menschlichen Forderungen
der Gefangenen nicht zur Kenntnis. In der letzten Periode hat die Gefängnisverwaltung
durch späte und ungenügende medizinische Behandlung den Tod der
Gefangenen, die sich selbst ansteckten, mitverursacht. Gefangenvertrer/innen
wurden mit barbarischen Praktiken ins berühmte Gefängnis in Elazig
verbannt und dort gefoltert.
Abdullah
Öcalans Ankunft in Rom hat in großem Ausmaß Reaktionen hervorgerufen
und innerhalb des Volkes intensive Diskussion nach sich gezogen. Das Volk
erwartet von den Ländern, die behaupten sie seien demokratisch, daß
sie sich die kurdische Frage in der Person des PKK- Generalsekretärs
Abdullah Öcalan, zu eigen machen. Allem voran in Diyarbakir wurde in
verschiedenen Zentren Straßenkundgebungen und ein Hungerstreik mit breiter
Beteiligung gemacht. Als IHD glauben wir auch, daß die Anerkennung des
politischen Status von PKK-Generalsekretär Abdullah Öcalan ein wichtiger
Schritt in die Richtung einer politischen und friedlichen Lösung sein
wird.
Außerdem
hat der Staat in der letzten Zeit Versuche initiiert, die legale Vertretung
des kurdischen Volkes, HADEP, nicht zu den Wahlen zuzulassen und wenn sie
sich doch an den Wahlen beteiligt, die Lokalwahlen in 2 Touren zu machen und
bei den allgemeinen Wahlen HADEP zu behindern.
Diese Behinderungsversuche
wurden von Staatspräsident Süleyman Demirel zur Sprache gebracht.
Am 22.
Oktober wurden Angehörige der kurdischen Befreiungsamee nach einem Gefecht
gefangengenommen und erschossen. Darunter auch Andrea Wolf aus Deutschland.
Ist dir etwas darüber und über andere Gefangenenerschießungen
bekannt?
In Kurdistan
wird seit 18 Jahren ein schmutziger Krieg ohne Regeln geführt. Dabei
wurden vom Staat tausende Dörfer niedergebrannt, nahezu 4000 zivile Kurden
ohne Urteil hingerichtet. Millionen von Menschen wurden vertrieben.
Eine Dimension
dieses schmutzigen Krieges ist auch das Verhalten der Staatskräfte gegenüber
PKK-Militanten. Ohren und sogar Köpfe von Militanten, die bei einer bewaffneten
Auseinandersetzung getötet wurden, schnitt man ab, ihre Körper wurden
zerfetzt. Die Militanten, die lebend gefangen wurden, hat man gewöhnlich
an Ort und Stelle, manche während der Internierung oder in den Gefängnissen
ermordet.
Doch die
Ermordung in den Gefängnissen brachte den Staat in eine etwas schwierige
Situation, so daß der Mord in der letzten Zeit sofort nach der Gefangennahme
begangen wurde.
Andrea Wolf
war auch eine der PKK-Militanten, die sofort ohne Urteil an dem Ort, an dem
sie gefangen wurde, hingerichtet wurde.
Wir waren
über Andreas Hinrichtung nicht sehr erstaunt, denn in dem Charakter
der Staatskräfte in Kurdistan gibt es diesen barbarischen Zug.Fortwährend
wird diese Barbarei auch praktiziert. Bis zum heutigen Tag wurden hunderte
PKK Militante ohne Urteil hingerichtet. Doch gegen die Verantwortlichen wurde
keinerlei Strafverfolgung eingeleitet. Im Gegenteil, die Verantwortlichen
wurden ausgezeichnet. Es wurden ihnen Rangabzeichen verliehen, sie wurden
zu wichtigen Aufgaben befördert.
Die politischen
Kreise in Europa haben zu dieser Situation immer geschwiegen. Doch jetzt,
in diesem Zeitabschnitt muß Andreas Ermordung insbesondere in
der europäischen Öffentlichkeit bearbeitet werden. Vielleicht
denke ich falsch, aber dadurch, daß sie Deutsche ist, auch wenn es nur
einen kleinen Teil dazu beträgt, denke ich, daß es eine Wirkung
auf manche Kreise hat.
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Anmerkung:
Da häufig Äußerungen von Mitglieder/innen des IHD im Ausland
als Vorwand zur Einleitung von Strafverfahren, Verhaftungen und Verschleppungen
in der Türkei benutzt werden, veröffentlichen wir den Namen nicht.
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