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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr. 2 / Januar 1999 - Seite
1
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Editorial:
Aktueller denn je
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Editorial: Aktueller
denn je
Schlimme
Nachrichten: Unsere Freundin und Genossin Andrea Wolf erschossen - 2400 palästinensische
Gefangene in israelischen Gefängnissen im Hungerstreik - Die westlichen
Regierungen feiern 50 Jahre Menschenrechtscharta - und bombardieren Irak .....
Kaum im
Amt überschlägt sich die grün-sozialdemokratische Bundesregierung
in Ankündigungen der obersten Treue zur Durchsetzung deutscher Interessen
in aller Welt. Innenminister Schily versucht sich in nachholender Konkurrenz
mit seinem Vorgänger Kanther. Erste Äußerung: Am Verbot kurdischer
Organisationen darf nicht gerüttelt werden. Zweite Äußerung:
Der Zuzug von Ausländern muß gestoppt werden. Seinen Antrittsbesuch
beim BKA kommentierten BKA-Beamte überrascht, daß sie Schily jetzt
schon da hätten, wo Kanther aufgehört hat. Andreas Baader nannte
Schily zu der Zeit als er noch RAF-Anwalt war den letzten
Verteidiger des Rechtsstaates. Doppelsinnig - deswegen treffend.
Über
Außenminister Fischer läßt sich nichts besseres sagen. Gerade
noch davon gekommen, gleich zum Amtsantritt den Marschbefehl nach Bosnien
zu geben, diktierte er ins Merkbuch: es gibt keine grüne Außenpolitik,
sondern nur deutsche Interessen. Jawoll! In Deutschland kann man noch
Karriere machen. Da muß man keine Steine aufs us-amerikanische Konsulat
geschmissen haben - die Attitüde reicht. Für irgendwelche Probleme
gibt es den Menschenrechtsbeauftrag-ten - für Kriegseinsätze wird
der schon gute Gründe finden.
Die Nr.
1 dieser Zeitung war schnell vergriffen. Eine Mobilisierungszeitung für
eine Konferenz, deren Dringlichkeit uns jeden Tag deutlicher wird - aber ist
es denn für andere auch so? Mobilisiert die Zeitung? Zumindest befriedigt
sie ein Informationsinteresse. Das ist auch gut. Mit Nachrichten, Hintergrundberichten,
Statements und Interviews. Eine Mischung, die gewollt ist. Diese Ausgabe hat
mehr Seiten - und noch mehr gäbe es zu berichten über den Stand
politischer Unterdrückung in aller Welt.
Pinochet
wurde bisher nicht laufengelassen. Die Schlagzeile der letzten Ausgabe war
verfrüht. Noch ist nichts entschieden. In Chile gibt es weiter über
80 politische Gefangene. Eine Stimme zur Frage des angeblichen Übergangs
von der Diktatur zur Demokratie findet sich in dieser Ausgabe. Die Stimme
eines Gefangenen.
Befriedung
oder Befreiung? Die zentrale Frage der Konferenz ist die konkrete Frage im
Konflikt Israel/Palästina. Klar war schon im Abkommen von Oslo, daß
die politischen Gefangenen geopfert wurden für die palästinensische
Autonomie vor Israels Gnaden. Der aktuelle Hungerstreik palästinensischen
Gefangener wird schon Gefangenen-Intifada genannt. Was auch heißt,
die selbständige Organisierung außerhalb der diplomatischen Taktiken.
Keine
Freiheit für diejenigen, an deren Händen Blut klebt, so die
israelische Rechtfertigung. Das klingt eingängig und ist von allen möglichen
Regierungen zu hören. Auch die deutsche Regierung argumentiert so gegenüber
den letzten Gefangenen aus der RAF. Aber wenn das das Kriterium wäre,
müßten dann die Gefängnisse dieser Welt nicht schlagartig
aus den Nähten platzen? Die Bomberpiloten, die Folterer, die Geheimkommandos
und die normalen Soldaten und Polizisten - wo sollen die denn
alle hingesteckt werden?
Die Mörder
von Andrea Wolf, die Mörder kurdischer und türkischer Gefangener
in der Türkei, es wird schwierig sein, sie zur Verantwortung zu ziehen.
Sicher ist die Einschätzung kurdischer Leute, daß der Tod von Andrea,
der Tod einer Deutschen, helfen kann, richtig. Es wirft ein Schlaglicht auf
diesen Krieg - und deswegen muß die Untersuchungskommis-sion die Systematik
der Kriegsverbrechen herausarbeiten. Die Ermordung von Andrea war und ist
kein Einzelfall.
Von Kurdistan
wurde in den letzten Wochen in aller Welt viel gesprochen - von Rom noch mehr.
Ein politischer Erfolg von Abdullah Oecalans italienischer Reise. Aber geht
das denn: eine politische Lösung in einem NATO-Land (Türkei)
mit einer kurdischen Exilregierung in einem anderen NATO-Land (Italien)?
Die Redaktion
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