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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr.1/November 1998 - Seite
8
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"Nur
wer aufgibt hat verloren"
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Nur
wer aufgibt hat verloren
Von
Hebe Bonafini und Mercedes Morona, Madres de Plaza de Mayo
Mit allergrößtem
Nachdruck weisen die Madres de Plaza de Mayo die von Richter Garzon angeordnete
Polizeioperation gegen die Tageszeitung egin und das Radio egin irratia zurück.
Genauso
wie wir Richter Balthasar Garzon für seine Anklageerhebung gegen die
Völkermörder, die unser Land mit Blut getränkt haben, Dank
schuldeten, fühlen wir uns heute verpflichtet, das schändliche und
niederträchtige Verhalten des gleichen Richters zu verurteilen.
Es war ein
weiterer Angriff Spaniens gegen die Meinungs- und Pressefreiheit, als Richter
Balthasar Garzon zusammen mit 15 Wagen voller spanischer Nationalpolizisten
die Räume der Tageszeitung egin betrat und in der Absicht, die Zeitung
zu versiegeln, Teile der Druckmaschine beschlagnahmte, den Radiosender schloß
und die Mitglieder des Verwaltungsrats verhaftete.
Zu der Zeit,
als Balthasar Garzon begann, gegen die argentinischen Völkermörder
zu ermitteln, erhielten wir zahlreiche Informationen über Fälle
abscheulicher Folter an den spanischen politischen Gefangenen, die mit Zustimmung
der Richter der Audiencia Nacional geschahen.
Nach 21
Jahren hartem Kampf, in denen wir uns erst der Militärdiktatur und später
den Marionettenregierungen der USA entgegenstellten, nachdem wir Regierungen
von Drogenhändlern und Mördern überstanden hatten, stellte
Balthasar Garzon für die Madres de Plaza de Mayo eine Hoffnung dar. Wir
glaubten, daß es in diesem Land Gerechtigkeit gebe und daß die
Richter würdige und rechtschaffende Menschen seien.
Aber im
Lauf der Zeit mußten wir einsehen, daß Garzon seine Beschlüsse
nicht aufgrund von Recht und Gesetz, sondern aufgrund politischen Kalküls
fällt.Die Freilassung von Scilingo war für unsere Hoffnung auf Gerechtigkeit
ein Schlag ins Gesicht. Wir wußten, daß in diesen Prozessen eine
Möglichkeit lag, den Völkermördern Argentiniens zuzusetzen,
aber auch, daß es keine klare Absicht gab, die Verantwortlichen für
das Verschwinden unserer 30.000 Kinder zu verurteilen.
Als wir
die politischen Manipulationen Garzons in diesem Prozeß entdeckten,
begannen wir auch das wahre Gesicht der spanischen Justiz zu sehen. Wir fanden
heraus, daß Folter, Vergewaltigungen und Morde Werkzeuge des Staatsterroris-mus
sind, der zuerst von Felipe Gonzales und jetzt von Aznar befohlen wird.
Die Richter
der Audiencia Nacional zeigten uns ihr wahres Gesicht; es war das gleiche
Gesicht, das die Richter der argentinischen Diktatur und auch die Richter
des Nazismus besaßen.
Wir, die
Madres de Plaza de Mayo, solidarisieren uns mit dem heldenhaften Kampf und
dem würdevollen Widerstand des baskischen Volkes, das sich einem kriminellen
und mörderischen Staat entgegenstellt: Spanien.
Die Madres
de Plaza de Mayo haben für die Mütter der baskischen politischen
Gefangenen das Recht gefordert, ihre Kinder zu besuchen, sie zu umarmen und
ihnen zu helfen, sie in diesen bitteren Zeiten zu begleiten und zu verteidigen.
Wir haben die Fahne erhoben, wir haben die Forderung und den Kampf Tausender
Männer und Frauen, die in ganz Spanien den Terrorismus des Staates ein
Ende setzen wollen, zu unserer Sache gemacht: Euskal Presoak - Euskal Herrira!
Die baskischen Gefangenen haben das Recht, im Baskenland zu sein.
Die Tageszeitung
egin und der Sender egin irratia wurden nicht aufgrund von Terrorismus oder
anderer Straftaten geschlossen. Niemand braucht über die tatsächlichen
Motive im Zweifel sein: der spanischen Staat belegt die Medien mit einer brutalen
Zensur und zwingt die Bevölkerung in einen zustand vollständiger
Desinformation über die wahre Situation im Baskenland, über die
furchtbaren Menschenrechtsverletzungen, die gegen die wehrlose Bevölkerung
gerichtet werden. Die Genossen von egin und egin irratia hatten den Mut die
Wahrheit zu sagen, darüber zu informieren, was sich tatsächlich
im Baskenland zuträgt und das zu veröffentlichen, wozu sich keines
der staatlichen Medien durchringen konnte.
Die Genossen
von egin waren die einzigen, die es als eine Pflicht betrachteten, die Morde
und Folterungen, die unter der schützenden Hand der Richter der Audiencia
Nacional begangen wurden, mit Datum und Ort, Namen und Vornamen öffentlich
anzuklagen.
Bis heute
sind es zehn Verhaftungen. Wir wissen, daß egin die Stimme der ohne
Stimme war und daß sie nur dank der Unterstützung des Volkes überleben
konnte, weil sie von den verschiedenen Institutionen und Regierungen ökonomisch
bestraft wurde bis hin dazu, daß sogar private Firmen nur aufgrund der
Tatsache, daß sie in egin Anzeigen schalteten, erpreßt wurden.
Der spanischen
Regierung ist jedes Mittel recht, um die Stimme des baskischen Widerstands
zum Schweigen zu bringen.
Die Madres
de Plaza de Mayo verurteilen den spanischen Staatsterrorismus, wir fordern
die Freilassung der inhaftierten Journalisten und die sofortige Wiedereröffnung
der Zeitung und des Radios, die für die Welt in diesen Zeiten ein Beispiel
der Würde waren.
Weil der
einzige Kampf, den man verliert, der ist, den man aufgibt. Keinen Schritt
zurück!
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