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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr.1/November 1998 - Seite
7
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Im
Hintergrund: Keine Straffreiheit für Folterer
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Im Hintergrund:
Keine Straffreiheit für Folterer
In Argentinien
herrschte von 1976 bis 1983 eine Militärdikatur, 30.000 Menschen verschwanden
in diesen Jahren. Ein ehemaliger Fregattenkapitän gab 1995 in einem Interview
erstmals zu, daß auf wöchentlichen Todesflügen die betäubten
aber lebendigen Opfer aus Flugzeugen über dem Rio de Plata abgeworfen
wurden.
Nachdem
zuerst die folgende zivile Regierung versuchte die Menschenrechtsverbrechen
der Diktatur zu ahnden - 1985 wurden zum ersten Mal in Südamerika Ex-Diktatoren
vor Gericht gestellt und verurteilt - setzten drei Putschversuche den damaligen
Präsidenten Alfonsin so unter Druck, daß er zwei Gesetze erließ:
das Schlußpunktgesetz und das Gesetz über Befehlsnotstand,
mit denen auch die unteren in der Kette der Diktatur, von jeder
Verantwortung entbunden waren. 1990 sprach der nächste Präsident
Menem eine Generalamnestie aus.
Die jahrelange
Arbeit von Menschenrechtsgruppen und nicht zuletzt auch der Druck durch die
laufenden Verfahren in anderen Ländern gegen die Verantwortlichen für
die Verbrechen, erreichte, daß 1998 die Straffreiheitsgesetze im argentinischen
Senat wieder aufgehoben wurden. Allerdings hat diese Aufhebung keine juristischen
Konsequenzen, dafür hätte es einer Annulierung beider erlassenen
Gesetze bedurft. Die einzige juristische Möglichkeit, die Folterer und
Mörder doch noch zu belangen, waren die Anklage wegen Kindesentführung
und anderer Delikte, die nicht unter die Amnestiegesetze fielen.
In diesem
Zusammenhang wurde in den Wochen vor dem internationalen Treffen Videla, der
Diktator von 1976 bis 1981, angeklagt und festgenommen. Er war 1985 bereits
zu lebenslanger Haft verurteilt und später 1990 wieder begnadigt worden.
So zeigte
sich auch dieses Mal Hevel de Pedrini, eine der Madres del Plaza de Mayo nicht
sehr beeindruckt von dieser Festnahme, als ich sie in ihrem netten Haus la
casa de las madres besuchte. Sie meinte zu mir, Erstens sei er
in einem Luxusappartment gefangen, also eher eine Art Hausarrest, und dann
würde er bestimmt eh bald wieder frei sein. Womit sie recht hatte.
Hoffen wir, daß Pinochet nicht so schnell wieder raus kommt wie
Videla. Wenigstens einmal kriegt er was ab in seiner ungebrochenen sicheren
Position. Politischer Druck kommt von allen Seiten, auch die Rechten mobilisieren
und die USA setzen alle Hebel in Bewegung um ihren Putschisten wieder frei
zukriegen.
Während
die Madres schnell nach Spanien fuhren, sind in Argentinien, Chile und anderen
Ländern Zehntausende auf den Straßen. Während die Anspannung
wächst, hoffen in Argentinien und anderswo viele, daß die Folterer
über die Anklagen aus Europa doch noch belangt werden, oder zumindest
nicht mehr nach Lust und Laune herumreisen können. Vielleicht eine letzte
Chance!
Escrache
nennen es die Hijos, die Kinder der Verschwundenen, wenn sie Verantwortliche
für Folter und Verschwundene in der Diktatur öffentlich denunzieren.
Ihre Häuser werden vollgeklebt oder zugesprüht mit ihren Namen und
Taten. Hier wohnt... , verantwortlich für... Sie sagen,
wenn es keine Bestrafung durch die Gerichte gibt, muß die Gesellschaft
sie bestrafen.
Heute noch,
15 Jahre nach Ende der Diktatur ist der Terror der Militärs und seine
Folgen deutlich spürbar. Unermüdlich setzen sich die Madres, Abuelas
(Omas) und die Hijos dafür ein, daß die Verantwortlichen bestraft,
daß die Verbrechen der Diktatur nicht vergessen werden.
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