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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr.1/November 1998 - seite
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Tage in Buenos Aires: Bericht vom internationalen Treffen
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Fünf
Tage in Buenos Aires: Internationales Treffen für die Freiheit von allen
politischen Gefangenen weltweit!
von Gabriele
Hanka
Die Comisión
Argentina por la Libertad de los presos politicos, die zu dem internationalen
Treffen eingeladen hatte, kommt aus einer langen Geschichte des politischen
Kampfes für Menschenrechte und der Solidaritätsarbeit zu politischen
Gefangenen in Argentinien. Dies waren in den letzten Jahren hauptsächlich
die 20 Gefangenen der la Tablada, die für eine bewaffnete
Besetzung einer Militärkaserne 1989 fast alle zu lebenslänglich
verurteilt sind. (siehe Interview)
In der Kommission
arbeiten Menschen, die aus den bewaffneten Gruppen der 70er Jahre kommen (PRT-ERP),
Anwälte, eine Psyschologin und eine neue anarchistische Gruppe. So ist
auch die Altersspanne von 20 bis 60. Die meisten der argen-tinienischen Anwesenden
auf diesem Treffen waren selbst durch die Dikatatur betroffen, sei es durch
verschwundene Angehörige, durch Verfolgung und Exil oder Gefangenschaft.
Aus anderen
Ländern waren angereist: VertreterInnen der ODEP (Organi-zación
de Defensa Popular) aus Chile, und eine Vertreterin der Gefangenen; die Gestoras
pro Amnestia, Baskenland; die spanische AFFAP; das Casa Andina de Solidaridad
aus Peru; das Comité por la Liberación de los Presos Políticos
Internacionalistas (Brasilien), sowie eine weitere brasilianische Menschenrechtsorganisation;
das Comi-té Pro Derechos Humanos de Puerto Rico und Libertad! aus Deutschland.
Langjährige
Aktivist/innen aus verschiedenen Ländern trafen zusammen. Das machte
die Arbeit in den drei Tagen produktiv und interessant.
Untergebracht
waren wir in einem Kloster. Zwei französische Nonnen dieses Klosters,
wurden in der Diktatur ermordet. Der Verantwortliche dieser Tat ist noch immer
frei, trotz Verurteilung durch ein französisches Gericht und internationalem
Haftbefehl.
Das Treffen
wurde mit einer Abendveranstaltung eröffnet. Oswaldo Bayer begann seine
Begrüßungsrede mit den Worten: Schon lange treffen wir uns
zu solchen Gelegenheiten wie heute. Wir sind älter geworden und haben
schon viele Niederlagen einstecken müssen. Trotzdem sind wir immer noch
da und werden weiter für die Menschenrechte kämpfen. Verschiedene
Menschenrechtsgruppen, Anwälte oder politische Organisationen aus Argentinien
und die internationalen Delegierten stellten sich vor. Zu den hier bekannteren
Organisationen gehören die Madres del Plaza de Mayo, sowie die Abuelas
(Omas) und die 1995 gegründete Gruppe der Kinder von Verschwundenen (H.I.J.O.S.).
Nach dem
Verlesen von Grußbotschaften aus Mexiko (FZLN) und Uruguay (MLN) wurden
Länderberichte vorgetragen. Besonders ergreifend war die Rede von Teofilo,
dem Companero aus Peru. Er schilderte, wie sich die an sich schon krassen
Haftbedingungen der 7.000 politischen Gefangenen nach der Botschaftsbesetzung
in Peru 1996/97 noch verschlechterten.
Diskussionen
oder auch Fragen gab es nach den Vorträgen leider nicht, dafür aber
weitere Wortmeldungen der Madres und anderer argentinischer Organisationen,
die ihre Freude über diese internationale Zusammenkunft ausdrückten.
Betont wurde, daß die Gefangenen im Knast sind, weil sie Revolutionäre
sind. Daher muß die Solidarität mit ihnen auch die Unterstützung
ihrer Ziele beinhalten.
Titel und
inhaltliche Schwerpunkte unserer für April in Berlin geplanten internationalen
Konferenz Befriedung oder Befreiung wurde mit großem Interesse
aufgenommen. Nach der Veranstaltung ging es erst richtig los: Interviews der
argentinischen Organisationen für ihre Zeitungen, viele Fragen zur Situation
in Europa etc. Abgerundet durch eine nette Feier mit lateinamerikanischen
Liedern, bei denen alle mitsangen.
Am Tag darauf
folgte eine Diskussionsrunde, in der ausführlicher auf die Situation
der politischen Gefangenen eingegangen wurde und welche Unterstüt-zungsarbeit
es zu ihnen gibt. Vorschläge für eine konkrete und verbindliche
Zusammenarbeit wurden entwickelt. Unter anderem wurde vereinbart, gemeinsam
Delegationen in verschiedene Länder zu schicken. Politische Gefangene
sollen besucht, auf die Regierungen Druck ausgeübt werden. Die erste
Delegation soll nach Peru gehen. Kolumbien und Baskenland wurden als weitere
Länder genannt.
Der 10.
Dezember als Internationaler Kampftag für die politischen Gefangenen
weltweit wurde aufgegriffen und zur Teilnahme an der internationalen Arbeitskonferenz
in Berlin aufgerufen. Diese Vereinbarungen wurden anschließend in einer
Pressekonferenz vorgetragen. (s. Deklaration).
Wenig Wissen
gab es über politische Gefangene in Europa. Am meisten noch über
die Gefangenen aus dem Baskenland und Italien. Die RAF war einigen bekannt,
auch ihre Auflösung im April dieses Jahres. Dagegen nicht, wieviele Gefangene
wie lange schon im Gefängnis sind. Von den Gefangenen der französischen
Action Directé oder der Kämpfenden Kommunistischen Zellen (CCC)
aus Belgien ganz zu schweigen.
Da auch
einige Anwaltsgruppen vertreten waren, gab es einen Diskussionsstrang an der
Frage: politische oder juristische Verteidigung - ist das ein Gegensatz? Festgehalten
wurde, dies darf nicht im Widerspruch stehen, sondern sollte sich ergänzen.
Eine Position war, in politisch schwachen Zeiten sei doch eher eine rein juristische
Verteidigung angesagt. Dem wurde widersprochen: eine politische Aktion schade
niemals den politischen Gefangenen. Ein weiterer Bereich waren die Folgen
von Gefangenschaft bei den Familien, zu denen eine Psychologin etwas vortrug.
Es wurde
beschlossen, die Diskussionen in Berlin gemeinsam fortzusetzen und bis dahin
schriftlich zu kommunizieren.
Am nächsten
Tag, Montag, verteilten wir uns auf die vier Knäste, in denen politische
Gefangene sitzen. Ich besuchte mit anderen Companer@s die 12 gefangenen Männer
der Tablada, die seit 9 Jahren keinen Hofgang im Freien haben. Der Besuch
fand mit allen zusammen in einem Raum. In kleinen Gruppen führten wir
Gespräche über unser Treffen der vergangenen zwei Tage, welche Konsequenzen
es hat, über ihre Aktion (Besetzung der Kaserne), ihre Gründe und
Einschätzungen. Wie sind ihre Bedingungen, wie sehen sie die revolutionären
Bewegungen in den verschiedenen Ländern...?1
Von allen
wurde nach den Folgen der deutschen Wiedervereinigung gefragt. Wir diskutierten,
wie sich die Gefangenen an einer internationalen Diskussion beteiligen können.
Nach zwei Stunden verließen wir diesen Knast, der aussieht wie Alcatraz.
Bezeichnenderweise
hängt im Eingangsbereich eine Gedenktafel für die Generäle
der Diktatur.
Das Treffen
endete mit einer Pressekonferenz am Nachmittag, die teilweise im Fernsehen
gesendet wurde. Im Anschluß begann im kleineren Kreis die Vorbereitung
der Delegation, die im Dezember dieses Jahr nach Peru geschickt werden soll,
um Druck auf die Fujimori-Regierung auszuüben. Desweiteren wurden Protestaktivitäten
an Konsulaten oder anderen peruanischen Einrichtungen anläßlich
des 10.12. in den Ländern vereinbart. Peru wurde eindeutig als das Land
mit den schlimmsten Haftbedingungen bezeichnet.
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